Alena Buyx

Wer wird zuerst geimpft? Soll es eine Impfpflicht für bestimmte Gruppen geben? Und wer wird beatmet, wenn es mehr Patienten als Geräte gibt? Wenn wir über Corona reden, geht es oft um schwierige, ethische Fragen. Alena Buyx' Aufgabe ist es, Antworten darauf zu finden.

"Es geht de Mensche wie de Leut", sagt der hessische Volksmund. Auch Deutschlands führende Medizinethikerin schlägt sich gerade mit demselben Problem rum wie so viele: Homeschooling. "Wie viele andere auch sind wir hin- und hergerissen dazwischen, den Kindern gute Aufmerksamkeit zu geben und das Lernen anzuleiten auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite den Bedarfen an Arbeit, die momentan relativ intensiv sind."

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'Relativ intensive Bedarfe' ist dabei leicht untertrieben. Denn die 43-Jährige ist seit Monaten eine sehr gefragte Gesprächspartnerin. Längst nicht mehr nur in der Fachwelt, sondern auch für Politik und Medien. Kurz nach Beginn der Pandemie übernahm sie den Vorsitz des Deutschen Ethikrats. Seitdem ist sie so etwas wie die Ethikerin der Nation geworden, das moralische Gesicht der Krise.

Moralische Pflicht zur Impfung

Sie vertritt die Empfehlungen des Rats in der Öffentlichkeit, erklärt, mischt in den Corona-Debatten mit. Ganz aktuell ist das die Debatte um eine mögliche Impfpflicht. Eine "moralische Pflicht", sich impfen zu lassen, sieht Alena Buyx durchaus. Die Debatte jetzt zu führen, davon hält sie aber wenig. Sie will lieber Sorgen ernst nehmen und erklären. "Wir sollten ruhig noch ein bisschen mehr werben", sagt Buyx.

Das heiße ja nicht, überreden oder ignorieren, welche Fragen die Menschen hätten. "Werben heißt einfach, wirklich positiv zu erklären, warum eine Impfung eine tolle Idee ist. Und momentan das Beste, was wir haben gegen die Pandemie – aber ehrlich gesagt auch vor allem für den eigenen Schutz."

Vielseitige Wissenschaftlerin

Alena Buyx hat zu vielen Themen Kluges beizutragen. Kein Wunder, nur wenige Wissenschaftlerinnen in Deutschland sind so breit aufgestellt wie die Frau aus Westfalen. Studium der Medizin, Philosophie, Soziologie. Arbeit und Ausbildung in Münster, Harvard, London, jetzt München und Berlin.

Umfassend denken, verschiedene Perspektiven vereinen, das war ihr immer wichtig, sagt sie. "Ich kann nicht anders", so Buyx. Die Frage sei: "Ist das, weil ich so denke? Oder habe ich mich selbst durch meine Ausbildung zu jemandem gemacht, der so denkt? Das weiß ich selbst nicht. Aber es passt tatsächlich gut zusammen."

"Verhalten optimistisch"

Und so macht sie sich nicht nur ihre Gedanken um Ansteckungs- und Todeszahlen und die Wirksamkeit von Impfstoffen. Sondern auch darum, wie die Gesellschaft insgesamt die Krise meistern kann. Besonders wichtig aus ihrer Sicht: "Immer an den Zusammenhalt denken. Immer daran denken: Wir sind alle gemeinsam in diesem Boot. Und das müssen wir jetzt einfach noch gemeinsam durch diesen Sturm segeln und alle Hand anlegen. Und dann gehe ich davon aus, dass wir diesen Sturm gut durchsegeln."

Einfach werde das nicht und der Sturm noch eine Weile dauern, meint Buyx. Aber unter dem Strich bleibe sie "verhalten optimistisch". Denn als Wissenschaftlerin sei sie ja auch immer realistisch.

Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 15.01.2021, 19.35 Uhr

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