Alice Weber

Nach 14 Wochen Lockdown dürfen wieder Touristen nach Mallorca kommen. Für die Wirtschaft ist das enorm wichtig. Wie fühlt sich das an, wenn man dort dauerhaft lebt?

"Alice Hurracán" nennen die Mallorquiner Alice Weber, auf Deutsch: Alice, der Wirbelsturm. Man merkt schnell warum: Mit so viel Energie erzählt sie von der Insel, die seit 30 Jahren ihre "Heimat" ist. Als Jugendliche kam die gebürtige Rheinländerin mit ihrer Familie und ist dort geblieben. Hat mit 20 Jahren ihren heutigen Ehemann und den Vater ihrer zwei Söhne kennengelernt – einen Mallorquiner.

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14 Wochen Lockdown waren in Spanien noch härter als in Deutschland. Wie "eingesperrt im Paradies" habe sich das angefühlt. Daher freut sich Weber darüber, dass jetzt wieder Touristen auf die Insel kommen. Vor allem, weil die mallorquinische Wirtschaft davon abhängig ist – das Bruttoinlandsprodukt hängt zu über 40 Prozent direkt vom Tourismus ab, indirekt sogar noch mehr. "Wir müssen zwar schnell hochfahren, aber wir müssen auch aufpassen, dass das Risiko nicht zu hoch wird", sagt Weber. Von daher habe sie riesengroße Freude, dass wieder was los sei – "aber bitte, bitte vorsichtig!"

Der Tourismus muss verteilt werden

Denn ein zweiter Lockdown – das wäre aus Sicht von Alice Weber eine Katastrophe für Mallorca. Dass die Inselwirtschaft zu abhängig vom Tourismus sei, das hätten jetzt viele in der Corona-Zwangspause verstanden. "In unserer Hauptsaison ist der Druck auf unserem Territorium, der Verkehr, der Stress und das Management unserer Ressourcen wie zum Beispiel Wasser und Energie – das sind alles so Nachteile, die jeder hier spürt und merkt: Wir sind am Top. Und das muss ein bisschen verteilt werden", erzählt Weber.

Alice Weber hat die Hoffnung, dass der Tourismus neu gedacht werden könne. Sie weiß, wovon sie redet: In der Kommunalpolitik engagiert sie sich für die grüne Partei "Mes per Inca". In ihrer "Heimatstadt" Inca ist sie Stadträtin für Bildung und Kultur - und Tourismus ist auf Mallorca natürlich immer ein Thema.

Viele Ideen für die Insel

Zumal alle in Webers Familie auf irgendeine Art im Tourismus arbeiten und sie das Fach sogar studiert hat. "Ich denke schon, dass man am Tourismus wachsen könnte. Aber nur, wenn das heißt, man würde diesen Tourismus auf mehr Monate in der Nebensaison verteilen", erklärt Weber.

Und sie hat noch viele weitere Ideen für die Insel, die ihr seit 30 Jahren Heimat" ist. "Wir haben so viele ernsthafte und wichtige und gute Tourismusprodukte. Wir können auch Sporttourismus. Wir haben zum Beispiel so viele Wassersporte, Wanderungen, Bergsporte, Abenteuersport. Das kann man alles anbieten und das sind Produkte, die man auf zwölf Monate verteilen kann", so Weber. Voller Leidenschaft erzählt sie gerne von ihren vielen Ideen. Ja, der Spitzname mit dem Wirbelsturm, der passt zu Alice Weber.

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Das Interview führte Christoph Scheld.

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Sendung: hr-iNFO, Aktualität, 26.6.2020, 19:35 Uhr

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