Alon Mayer Portrait
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Übergriffe und Messerattacken - fast schon alltägliche Gewalt, die die Sportler des TuS Makkabi auf dem Fußballplatz erleben. Alon Meyer, der Präsident des Vereins, erzählt, wie sehr das Thema Antisemitismus seine Sportler, die ganz offiziell als jüdische Mannschaft auftreten, betrifft.

Dass sich die Fußballmannschaft des TuS Makkabi Frankfurt nur um den Sport Gedanken machen muss, ist nicht immer selbstverständlich. Spieler und Trainer des jüdischen Vereins müssen sich Beleidigungen wie "Du Scheißjude, man hat vergessen dich zu vergasen" gefallen lassen - offen ausgesprochen und herausgebrüllt auf hessischen Fußballplätzen. Nicht selten seien die Beschimpfungen zu hören bei Vereinen, die muslimische Spieler haben, berichten Spieler des TuS Makkabi.

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Alon Meyer ist der Präsident von Makkabi Frankfurt und vom Verband der jüdischen Turn- und Sportverbände in Deutschland. Er bestätigt diese Zustände: "Es kommt nicht mehr von rechts, es kommt nicht mehr von den Glatzen. Vor allem in den großen Vereinen, also Frankfurt, Köln, Stuttgart oder Berlin kommt es verstärkt von Gegnern mit einem arabisch-muslimischen Hintergrund."

Alon Mayer
Redakteur Stefan Bücheler mit Alon Meyer Bild © hr

Organisationen wie die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen distanzieren sich zwar von jeder Form des Antisemitismus, aber für die Spieler von Makkabi Frankfurt sind heftige Anfeindungen von Muslimen trotzdem Alltag, sagt Alon Meyer: "Ich darf es beim Namen nennen: Es geht da wirklich um Krieg auf dem Fußballplatz, so ist das. Es bleibt nicht bei Beleidungen. Das werden Handgreiflichkeiten, das werden Messerattacken."

Hass auf dem Fußballplatz

Sobald es im Nahen Osten Auseinandersetzungen gibt, übertrage sich der Konflikt und der Hass auf den Fußballplatz, so Meyer. Die heftigsten Übergriffe zeige Makkabi beim Hessischen Fußballverband an. Aber die milden Strafen, die erst Monate später vom Kreissportgericht verhängt werden, hätten bislang nichts verändert. Aus der Sicht von Alon Meyer nehmen antisemitische Vorfälle sogar zu.

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Mi, 02.5. 19:35 Uhr
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Deswegen wünscht sich der gebürtige Frankfurter mehr Solidarität, eine klare Haltung im Sport, aber auch in der Gesellschaft. Der Makkabi-Präsident unterstützt den Aufruf des Frankfurter Stadtkämmerers Uwe Becker. Der hat alle Bürger aufgefordert, am 14. Mai eine Kippa zu tragen - als Zeichen gegen Judenhass. "Ich finde das toll, denn das bedeutet: Ich zeige mich solidarisch, ich sage: Das ist nicht unser Deutschland", sagt Alon Meyer. "Dass ich wegen eines Stücks Stoff auf dem Kopf angefeindet werde, das kann nicht sein. Und wenn sich jemand nicht an diese Spielregeln hält, dann hat er ein Problem mit jedem Deutschen - mit jedem, der die demokratischen Werte hochhält. Und das zeige ich damit."    

Sendung: hr-iNFO, 02.05.2018, 19.35 Uhr

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