André Karsten
André Karsten mag es leger. Bild © Privat

Germanistik hat er studiert, Rockmusiker wollte er werden, hat als Werbetexter gearbeitet - heute ist er Pressesprecher Soziale Medien bei der Frankfurter Polizei. André Karsten liebt seine Arbeit. Im Interview verrät er, warum.

Die langen Gänge im Polizeipräsidium Frankfurt lassen nicht erahnen, dass es mitten in dem riesigen Behörden-Klotz einen Ort der Kreativität gibt. Versteckt hinter einem nüchternen Türschild mit der Bezeichnung "PÖ 11 - Soziale Medien" gibt es ihn aber doch. In dem kleinen Büro hat Polizeihauptkommissar Karsten große Filmplakate an die Wand gehängt und die machen deutlich: André ist bekennender Star Wars-Fan.

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"Ich bin da schon tief drin, aber ich bin kein Super-Nerd", sagt der 37-Jährige mit einem Lächeln hinter dem gepflegten Vollbart. Und dann erzählt er noch, dass er auch gerne mal das aktuelle Star Wars-Game am Computer zockt. Als Kind der 80er ist er mit Computerspielen groß geworden, für kurze Zeit war er sogar professioneller E-Gamer und trainierte 14 Stunden am Tag vor dem Bildschirm.

"Ich denke, das hat nicht geschadet, gerade im Bereich Social Media", sagt er. "Wenn man sich jetzt die Software anguckt und wie da die Tickets durchrauschen, da ist ein waches Köpfchen, eine schnelle Reaktionsfähigkeit, Multitasking nicht so schlecht."

Viele Anfragen zur Bombenentschärfung

Der Arbeitsplatz des Polizeihauptkommissars gibt ihm recht: Da stehen drei Bildschirme auf dem Tisch und ohne Pause kommen neue Informationen rein. Der Social Media-Polizeisprecher veröffentlicht nicht nur Polizeimeldungen und Fahndungsaufrufe. Er kommuniziert. Er beantwortet Fragen der Frankfurter Bürger, wenn die zum Beispiel wissen wollen, warum da gerade drei Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht in ihrer Straße sind.

Noch wichtiger wird die Kommunikation bei Großereignissen wie der Entschärfung der Fliegerbombe im vergangenen Jahr. Anfang September hatten mehr als 60.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen müssen. "Wir hatten in den drei, vier Tagen um den Tag der Entschärfung etwa 6500 Anfragen in Social Media. Das versuchen wir dann auch alles zu beantworten. Das ging von 'Wie lange dauert das bei mir in der Straße, hier bei dieser Hausnummer" und geht bis hin zu 'Was hat der Entschärfer gelernt, wie heißt der, wie viele Polizisten sind im Einsatz, wo bekomme ich was zu essen?'"

Vom Werbetexter zum Polizisten

André Karsten erzählt, dass über die sozialen Medien an solchen Tagen neben einigen dummen Sprüchen auch sehr viel Lob für die Polizei zurück kommt – auch gute Wünsche für seine Kollegen: "Viel Zuspruch auch, den man draußen (als Streifen-Polizist) meistens nicht so erfährt, weil da gar keine Zeit ist. Und das ist auch schön, dass wenn es dann gutgeht, dass man das auch gemeinsam genießen kann. Zusammen! Also wir und Frankfurt sind schon eins!", sagt der Polizist, der sich als "Frankfurter Bub" fühlt und erst auf Umwegen zur Polizei kam. Germanistik hatte er studiert, wollte eigentlich Rockmusiker werden, arbeitete als Werbetexter und landete schließlich bei der Polizei. Im vierten Revier am Hauptbahnhof lernte er Frankfurts Straßen kennen, lernte aber auch, wie man auf Menschen zugeht.

Schließlich wechselte er in Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und sagt heute: "Best job I ever had!" Und wieder lächelt der Kommissar, der im Dienst meistens seine Basecap und einen dunklen Hoodie trägt – eine klassische Uniform hat er auch, die hängt aber meistens im Schrank. Dass er und seine vier Kollegen Spaß haben bei der Arbeit, lässt sich an dem ablesen, was die Social Media-Polizisten veröffentlichen. Legendär ist ihr Tweet am Tag, nachdem der Goetheturm abgebrannt war.

#ZEUGENSUCHE nach #Brand des #Goetheturm ​es in #Frankfurt Hinweise bitte an unseren Kriminaldauerdienst unter 📞 069-75553111

[zum Tweet mit Bild]

Sendung: hr-iNFO, 26.1.2017, 19.35 Uhr

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