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Andrea Ypsilanti ist Anti-GroKo. Bild © hr

Vor zehn Jahren wäre sie beinahe Hessens Regierungschefin geworden. Doch Andrea Ypsilanti scheiterte denkbar knapp. Nach dem Absturz war jahrelang fast nichts zu hören von der SPD-Landtagsabgeordneten. Jetzt meldet sie sich mit einem Buch zurück.

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Andrea Ypsilanti kennt beides: Das Hochgefühl am Abend des 27. Januar vor genau zehn Jahren – "das war Glück und das war auch Stolz" - weil  sie für die SPD in Hessen sensationelle 36,7 Prozent geholt hatte und beinahe Roland Koch überflügelt hätte. Und den Absturz Monate später, als sie sich auch mit Stimmen der Linken zur Ministerpräsidentin wählen lassen wollte. Vier Abgeordnete der eigenen Fraktion verweigerten ihr damals die Gefolgschaft – in letzter Minute: "Das war sehr schmerzhaft."

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Sa., 20.1., 10 Uhr
So., 21.1., 14 Uhr

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Nach zehn Jahren sind noch nicht alle Wunden verheilt. Aber Ypsilanti ist wieder da und sucht mit ihrem Buch wieder die Öffentlichkeit. Sie habe sich mit Disziplin hochgerappelt nach der Krise, sagt sie, und aus ihren Fehlern gelernt. Aber dass man – so wie sie damals – eine politische Bündnis-Option erst ausschließt und dann doch anstrebt, findet sie immer noch okay: "Man kann auch im Zuge einer Entwicklung seine politische Meinung, seine Einschätzung noch einmal ändern. Dann muss man es aber sehr gut begründen", sagt Ypsilanti. Sie denkt dabei nicht nur an die eigene Erfahrung von 2008, sondern auch an die von Martin Schulz heute, der eine Große Koalition erst kategorisch ausgeschlossen hatte und jetzt genau dafür seine SPD um Unterstützung bittet.

"Ohne Druck leben"

Zum Bonner Sonderparteitag fährt Ypsilanti nicht, sie hat andere Termine. Aber ihre Position ist klar anti GroKo. Das Sondierungsergebnis mit der Union reiche nie und nimmer, um eine wirklich gerechte Gesellschaft zu schaffen. "Es sind eben nur kleinere Reparaturleistungen", sagt Ypsilanti und fügt hinzu: "Reparaturen an diesem neoliberalen Kapitalismus reichen nicht mehr aus, sondern wir müssen uns Gedanken machen über den grundlegenden Umbau dieser Gesellschaft." Und den skizziert Ypsilanti auf den 250 Seiten ihres Buchs.

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Literaturhinweis

Andrea Ypsilanti: "Und morgen regieren wir uns selbst - Eine Streitschrift", Westend Verlag, 2018

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Die Vorherrschaft des Neoliberalismus zurückdrängen, den Kapitalismus überwinden – nichts weniger als das erwartet sie von ihrer SPD, die dafür Teil einer breiten Bewegung werden müsse. "Und morgen regieren wir uns selbst" hat Ypsilanti ihr Buch daher genannt. Dabei geht es ihr auch um Lebensqualität, darum, dass die Arbeit den Menschen nicht auffrisst. Das will Andrea Ypsilanti auch für sich selbst umsetzen. Bei der Neuwahl des hessischen Landtags im Herbst tritt sie nicht mehr an: "Ich möchte ohne Kalender, ohne Druck leben und das gute Leben auf mich zukommen lassen. Und selbst entscheiden, an welcher Stelle ich mich noch mal einbringe."

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 19.1.2018, 19.30 Uhr

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