Andreas Kowol auf einem Fahrrad
Andreas Kowol auf dem Radweg Schiersteiner Brücke in Wiesbaden Bild © Imago

Wiesbaden zählt zu den hessischen Städten, in denen dringend etwas gegen die Stickoxidbelastung getan werden muss. Der grüne Verkehrsdezernent in Wiesbaden, Andreas Kowol, fordert eine Verkehrswende. Doch ist die möglich?

"Wir haben in Wiesbaden ein erhebliches Luftschadstoff-Problem durch Stickoxide und Feinstaub aus dem KFZ-Verkehr", sagt Andreas Kowol. Wiesbaden liege in einem Kessel, erläutert der Verkehrs- und Umweltdezernent von Wiesbaden. Er selbst habe asthmatische Probleme und Heuschnupfen. "Man hat schon das Gefühl, die Luft ist nicht so frisch wie auf dem Taunuskamm", sagt er.

"Wir haben Verkehrsprobleme, die sind fast nicht lösbar", klagt Kowol und spricht von einem dicken Brett, das man hier bohren müsse. "Jetzt wird es spannend sein, welche Möglichkeiten wir mit dem aktuellen Urteil bekommen. Oder ob wir gezwungen sind, noch schärfere Maßnahmen zu ergreifen, als es bislang geprüft worden ist", sagt er.

Andreas Kowol mit Moderator
Andreas Kowol (links) mit Christopher Plass Bild © hr

Ob es ihn als Grünen nicht doch mal juckt, ein kleines Fahrverbot zu verhängen? Ein Fahrverbot sei schon ein sehr starker Eingriff in das Privateigentum Kraftfahrzeug und sei aus seiner Sicht zum Scheitern verurteilt, um das Bewusstsein der Leute zu verändern. Das Leipziger Urteil hält er aber trotzdem für hilfreich, weil der Blick der Öffentlichkeit geschärft werde, für das was in den Städten notwendig sei: "Wir müssen eine Verkehrswende hinkriegen, wir brauchen andere Verkehrsmittel."

Kowol hofft deshalb, dass die Wiesbadener mal neue Dinge ausprobieren, um festzustellen, dass man sich nicht nur mit dem Auto von A nach B bewegen kann. "Ich bin dienstlich ständig mit dem Rad unterwegs", sagt er. Für ihn sei das in der Autostadt Wiesbaden auch eine Mission für den Umweltschutz. "Wir wollen noch sehr viel mehr Radverkehr erreichen in dieser Stadt und da will ich mit meinem Beispiel vorangehen", sagt er.

Eine blaue Palkette ist nur bedingt sinnvoll

Das Ziel der Stadtregierung ist es, Fahrverbote zu vermeiden, sagt Kowol in hr-iNFO Das Interview. Dazu müssten jetzt aber schnell andere Maßnahmen ergriffen werden. Da sei das Leipziger Urteil gut, um die Akzeptanz für solche Maßnahmen zu erhöhen.

Hier sieht Kowol auch das Land Hessen in einer Schlüsselrolle. "Für alle Maßnahmen, die in einer Kommune umgesetzt werden können, ist letztendlich das Land zuständig – über die Luftreinhaltepläne", sagt er. Fahrverbote hätte man da schon längst reinschreiben müssen. Aber, so Kowol: "Ich kann nachvollziehen, dass das Land Hessen diese Maßnahme nur als absolute Ultima Ratio ergreifen würde, wenn keine anderen Maßnahmen zur Verfügung stehen."

Zitat
„Wir müssen eine Verkehrswende hinkriegen, wir brauchen andere Verkehrsmittel.“ Zitat von Andreas Kowol
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Sein Wunsch für Wiesbaden sei zum Beispiel ein LKW-Durchfahrtsverbot. Kowol erwartet, dass das Land Hessen diese "kleine, aber sehr feine Maßnahme" bald umsetzt. Den Ärger der Taunusgemeinden, dass sich der Verkehr dadurch auf die A3 verlagern würde, kann Kowol verstehen. Aber: "Die A3 ist dafür da, Fernverkehr aufzunehmen und eine Verlagerung auf die A3 muss möglich sein", sagt er. Man brauche solche sofort umsetzbaren Maßnahmen auch als Signal an das Verwaltungsgericht in Wiesbaden, vor dem sich die Stadt Ende März wieder in Sachen Luftreinhaltung erklären muss.

Kowol versteht die Wut der Bürger auf die Automobilindustrie und hält eine Hardwarenachrüstung von neueren Dieselfahrzeugen – die die Industrie bezahlen muss – für angezeigt. "Die Bundesregierung sollte die Autoindustrie zwingen“, ist er der Meinung. Und was hält der Wiesbadener Umweltdezernent von einer blauen Plakette? Noch sei man einen Schritt davor, sagt Kowol. Eine Plakette sei dann sinnvoll, wenn es zu Dieselfahrverboten komme, weil ein Diesel-Fahrverbot ohne Plaketten-Regelung nicht handhabbar sei. "Das wäre absoluter Quatsch und auch Irrsinn, denn dann müssten wir den KFZ-Schein von jedem Fahrzeug überprüfen", sagt er.

Sendung, hr-iNFO, 28.2.2018, 19:35 Uhr

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