Pflegebevollmächtigter Andreas Westerfellhaus

Seit gut einem Jahr ist Andreas Westerfellhaus als Pflegebevollmächtigter im Amt. Er soll sich für die Belange der Pflegekräfte sowie der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen einsetzen. Zwischenfazit: Zumindest die Einstellung stimmt.

"Also wenn ich kein Optimist wäre, dann hätte ich die Berufung von Jens Spahn nicht angenommen", sagt der Mann, dessen Aufgabe sich vielleicht am besten als eine 'Scharnierfunktion' beschreiben lässt. Zumindest "solange mir keiner sagt, es quietscht andauernd", so Westerfellhaus.

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Der 62-jährige Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung ist selbst gelernter Krankenpfleger, war Leiter einer Krankenpflegeschule und bis 2017 Präsident des Deutschen Pflegerates. Er kommt also aus dem System, das nun zu kollabieren droht. Jetzt will er zwischen Politik und den Menschen vermitteln, will Probleme aus der Praxis übersetzen, Politiker sensibilisieren und eine Art Seismograph dafür sein, wie Entscheidungen und Gesetze bei den Menschen ankommen.

Die Rahmenbedingungen für Pflegekräfte verbessern

Es scheint schwierig, mit dieser Aufgabenstellung im komplexen System der Pflege nach einem Jahr im Amt eine klare Erfolgsbilanz vorzulegen. "Ehrlicherweise habe ich bewegen können, dass vor allem eine lebhafte, intensive Diskussion stattfindet", so Westerfellhaus. Diese Doskussion befeuert er auch immer wieder mit eigenen Vorschlägen. Dabei ist herauszuhören, dass er als Präsident des Deutschen Pflegerates immer die Interessen der Pflegeberufe vertreten hat: Bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen für die Pflegekräfte, das steht ganz oben auf seiner Agenda. Er ist überzeugt: Wenn sich da etwas tut, könnte es gelingen, "die Berufsaussteiger zurückzuholen".

Immerhin hätten 48 Prozent von ihnen laut Pflege-Comeback-Studie signalisiert, sie wären bereit in den Beruf zurückzukommen, wenn sich die Rahmenbedingungen änderten. "Und hinter 48 Prozent verbergen sich 120.000 bis 200.000 ausgebildete Pflegefachkräfte", so Westerfellhaus.

"Wir sind Verdrängungsweltmeister"

Die Frage, woher das Geld kommen soll, um den Pflegekräften besseren Lohn und bessere Bedingungen zu verschaffen, gibt Westerfellhaus an die Politik weiter. Ob eine Bürgerpflegeversicherung, in die wirklich alle einzahlen, oder steuerfinanzierte Zuschüsse – da legt er sich nicht fest. Immerhin sieht er die Bundesregierung mit ihrem Sofortprogramm gegen den Pflegenotstand auf dem richtigen weg, auch wenn die Finanzierung von 13.000 neuen Stellen in der Pflege nur ein Anfang sein kann.

Klar ist für ihn aber: Die Gesellschaft muss erheblich mehr in die Pflege investieren. Dafür aber braucht es aus seiner Sicht ein Problembewusstsein: "Ich glaube wir sind in Deutschland da auch Verdrängungsweltmeister in dieser Thematik". Andreas Westerfellhaus will dazu beitragen, dass die Menschen tatsächlich darüber nachdenken, wie ihre Angehörigen – und am Ende auch sie selber - im Alter gut versorgt werden können.

Und was wünscht sich der 62-Jährige, wenn er selbst hilfsbedürftig wird? "Kompetente Pflegefachkräfte in ausreichender Anzahl, die Zeit für mich haben und mich dabei unterstützen, möglichst lange selbstständig zu bleiben, gepaart damit auch so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben."  

Sendung: hr-iNFO, 28.3.19, 19:35 Uhr

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