Christoph Mäckler

Der Architekt Christoph Mäckler hat das Stadtbild von Frankfurt geprägt wie kein Zweiter. Ein Gespräch über Stadtplanung, die Liebe zu Frankfurt und das neue Stadtviertel am "Römerhof".

Dass es Menschen gibt, die Frankfurt hässlich finden oder gar als "Krankfurt" und "Bankfurt" bezeichnen, kann er überhaupt nicht nachvollziehen. "Wir haben einen wunderbaren Mainraum. Das ist schon einmalig in Deutschland", sagt Christoph Mäckler. "Wir haben die Hochhäuser. Das ist auch einmalig in Deutschland. Wir haben die hohen Türme, die niedrigen Türme und wir haben ein wunderbar offenes Gemüt, ein offenes Herz gegenüber Fremden." Viele, die anfangs nur beruflich nach Frankfurt kämen, würden nach kurzer Zeit merken, "wie wohl man sich hier fühlt", schwärmt der Architekt.

Viel Lob fürs Café Wacker

Mäckler selbst, der zu den bedeutendsten deutschen Architekten seiner Generation zählt und das Stadtbild von Frankfurt wie kein anderer geprägt hat, lebt in Kronberg und verrät im Interview einen seiner Lieblingsplätze in der Stadt: Sein "Ankerpunkt" sei das Café "Wacker" am Kornmarkt. "Man rennt vom Café Wacker, wo man sich den Kaffee holt, über die Straße und steht mitten im Straßenraum. Und das ist eine der schönsten Stellen für mich in der Stadt", sagt er.

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Christoph Mäckler
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1981 gründete Mäckler sein eigenes Büro für Architektur und Stadtbereichs-Planung und hat sich seitdem intensiv mit Frankfurt beschäftigt. Er entwickelt Stadtplanungskonzepte für die Mainmetropole auf der Basis historischer Pläne. Der Architekt kommentiert mit visionärem Blick das Baugeschehen in Deutschland und prägt nachhaltig die Debatten über Stadtplanung auch in Frankfurt.

Die Historie mitdenken

Die größten Fehler, die Frankfurts Stadtplaner gemacht haben, sind seiner Meinung nach die Neubaugebiete, die nicht nach historischen Vorlagen geplant seien. "Das heißt aber nicht mit Stuck und irgendwelchen alten Architekturen, sondern nach bestimmten städtebaulichen Kriterien, wie sie in Jahrhunderten von unseren Altvorderen entstanden sind." Dazu gehörten "wunderschöne Plätze und Straßen in Deutschland", die man aber immer nur in den Altbau-Bereichen des 19. Jahrhunderts finde, meint Mäckler: "Sie sind die beliebtesten Viertel in Deutschland." Das merke man an den Mietpreisen und auch daran, dass die Gentrifizierung genau dort stattfinde und nicht in den Neubaugebieten.

Mäckler ist Professor an der TU Dortmund und Direktor des dort angegliederten Deutschen Instituts für Stadtbaukunst, das gemeinsam mit den Vertretern des Frankfurter Stadtplanungsamtes in einem Workshop einen städtebaulichen Entwurf für das neue Stadtviertel am "Römerhof" erarbeitet hat. Im neuen Areal zwischen Rebstock und Europaviertel, das gerade erst vom Planungsdezernenten Mike Josef beschlossen wurde, soll ein dichtes, gemischt genutztes Wohnviertel mit Blockrandbebauung und mindestens 2.000 neuen Wohnungen entstehen. Die Planer des neuen Stadtteils orientieren sich dabei am Frankfurter Nordend.

Das neue Nordend?

Die städtebaulichen Strukturen des beliebten Gründerzeitviertels sollen bei der Gestaltung des neuen Viertels aufgegriffen und an die heutigen Bedürfnisse angepasst werden. "Wir haben einen sehr offenen Planungsdezernenten Mike Josef, der sich in Stadtspaziergängen das Nordend mit uns angesehen hat und er hat die ganzen Qualitäten, die wir ihm zu erläutern versucht haben, gesehen und erkannt."

Mäckler erklärt, wie das neue Frankfurter Areal aussehen soll: "Es gibt dort eine wunderbare Allee, direkt an der Verlängerung der U-Bahn, die wir dort setzen. Das heißt, wir bauen nicht einfach nur eine Trasse für den Verkehr, sondern wir überlegen uns ganz genau: Wie ist diese Straße? Welchen Charakter hat die Straße? Wir wollen eine Allee schaffen, so wie die Günthersburgallee, an der gewohnt, gearbeitet und eben auch mit dem Auto und der U-Bahn und dem Fahrrad gefahren wird."

Das erweiterte Wohnzimmer der Menschen

Im neuen Viertel soll es auch Innenhöfe geben, die eigentlich verschwunden sind aus der modernen Architektur. "Die Höfe sind sozusagen das erweiterte Wohnzimmer der Menschen, die um diese Höfe herum leben", sagt der Architekt. Im Nordend könne man sich anschauen, wie in diesen Höfen gewohnt, gelebt und auch gearbeitet wird. "Und es entsteht eine Art sozialer Kontrolle, in der eben auch Kinder gut aufgehoben sind. Der Hof ist im Grunde genommen der kleinste Stadtplatz, der aber eben nicht öffentlich ist, sondern wirklich nur für die Leute da ist, die um diesen Hof herum wohnen."

Sein Interesse sei es, im neuen "Römerhof" gemeinsam mit anderen Architekten etwas zu schaffen, was einem Nordend ebenbürtig sei. "Wenn man sich klarmacht, dass wir es nach 100 Jahren Städtebau nicht schaffen, Quartiere zu entwickeln, in denen sich die Menschen auch wirklich wohlfühlen, dann machen wir einfach was falsch." Er spricht von einem städteplanerischen "Würfelhusten auf der grünen Wiese" und erklärt: "Das heißt wir haben keine Dichte, wir haben keine soziale Mischung, wir haben keine funktionale Mischung, wir haben keine schön gestalteten, städtischen öffentlichen Räume und deshalb sind eben Dinge entstanden wie sie im letzten halben Jahrhundert überall zu sehen sind."

Die Bedeutung des öffentlichen Raums

Dabei hat gerade auch die Corona-Pandemie gezeigt, wie wichtig solche öffentlichen Räume für Menschen sind. "Also in den letzten Monaten konnte man ja sehr schön sehen, dass die Menschen dort, wo sie sich öffentlich treffen können, also in den Straßen, an ihrem Balkon standen oder ans Fenster gegangen sind und gemeinsam musiziert oder geklatscht haben", sagt Mäckler. "Das heißt, der öffentliche Raum, der Platzraum und der Straßenraum, hat für uns Menschen eine ganz große Bedeutung. Es ist eigentlich unser sozialer Raum schlechthin. Und der öffentliche Raum ist meiner Meinung nach die Grundlage jeder Demokratie."

Einzelne Häuser auf die grüne Wiese zu stellen, "ohne dass es dort einen Straßenraum gibt, mit dem ich mich identifizieren kann oder einen Platzraum, in dem ich mich aufhalten kann, ist ein Städtebau, der keiner ist". Das führe zu Vereinzelung und sei ein falscher Weg. "Wir müssen die Architektur in die Planungen zurückholen. Wir müssen mit den Planern zusammen einen Städtebau entwickeln, der menschenwürdig ist."

Weitere Informationen

Das Interview führte Jan Tussing

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 29.07.2020, 19.35 Uhr

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