Axel Hellmann

Er wurde vom Jungen aus der Fankurve zum einflussreichen Eintracht-Manager. Wir haben den Vorstand der Eintracht gefragt, wie Big Business mit echter Fankultur zusammengeht und wie er sich den Umgang mit den Ultras vorstellt.

Als am Ende des Interviews alle vom Tisch aufstehen, nimmt Axel Hellmann die drei gelben Tennisbälle, die dort liegen, in die Hand und versucht sich als Jongleur. Der 47-jährige Vater zweier Kinder versprüht viel Energie, seine Augen sind aufmerksam und stets in Bewegung, jetzt genauso wie während des Interviews, das wir in einer VIP-Lounge im Stadion der Eintracht aufgezeichnet haben.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Das Interview mit Axel Hellmann

Das Interview Symbolbild
Ende des Audiobeitrags

Die gelben Bälle steckten in der hr-iNFO Interview Box, die die Redaktion für jeden Interview-Gast individuell bestückt. Für Axel Hellmann waren es Tennisbälle - Bälle, wie sie vor knapp einem Jahr bei dem Spiel gegen RB Leipzig von den Tribünen aufs Spielfeld im Stadion flogen, als Protest gegen die Einführung von Montagsspielen in der Bundesliga.

Hellmann lacht, als er sie zum ersten Mal sieht und braucht nicht lange, um den Hinweis zu verstehen: "Eine sehr bemerkenswerte Aktion. Wir wussten im Vorfeld, dass es dazu kommen wird und wir haben es zugelassen." Man habe die Aktion nicht mitgetragen, aber man habe geduldet und akzeptiert, dass es die Proteste gegen das Montagsspiel gebe.

Stimme der Fans hat Gewicht

Die Vereine hätten den Montagsspielen alle zugestimmt, "weil wir die Überlegung hatten, wenn einige wenige Klubs an wenigen Montagen spielen, fallen ein oder zwei Spieltage der englischen Wochen weg. Und da haben wir gedacht, davon profitieren am Ende mehr Vereine, wo die Fans nicht reisen müssen unter der Woche und dafür haben halt einige wenige die Belastung am Montag." Das sei aber eine Fehleinschätzung gewesen, denn der Montag sei ein Symbol für die ausufernde Auffächerung der Spieltage und als solches viel emotionaler besetzt als eine englische Woche. "Das haben wir verstanden und deswegen konnte ich auch die Proteste nachvollziehen", so Hellmann.

Axel Hellmann und Peter Fischer im Römer

Inzwischen ist klar, dass die Montagsspiele wieder abgeschafft werden. Die Fans haben erfahren, dass ihre Stimme Gewicht hat – für Axel Hellmann eine Selbstverständlichkeit. "Es gibt immer mal wieder die Momente, in denen ein Korrektiv der Basis funktioniert. Und das ist gar nicht nur unsere Hardcore-Szene, sondern das ist insgesamt das Publikum." So etwa, als "die Verantwortlichen hier in den 90ern mit Cheerleadern angefangen haben", erinnert sich Hellmann. Damals habe es einen Sturm der Entrüstung gegeben - "und zwar nicht nur aus den Fanblocks, sondern auch von den Leuten auf den Business-Seats, weil das einfach nicht zu Eintracht Frankfurt passt."

Tradition und Authentizität

Tradition und Authentizität – zwei Worte, die Gewicht haben für das Mitglied des Vorstands von Eintracht Frankfurt. Deswegen hat er auch viel Verständnis für Fans. Viele haben Angst um die Seele ihres Sports, um das Kulturgut Fußball, wenn die Gehälter und Transfersummen für Spieler ins Unermessliche wachsen und wenn es den Managern scheinbar nur noch ums Geld geht. 

Hellmann macht sich viele Gedanken darüber, welcher Weg für die Eintracht der richtige sein könnte: Es sei ein schmaler Grat, den man treffen müsse, um im Wettbewerb der Bundesliga mitmischen und bestehen zu können - und das funktioniere nur über finanzielle Möglichkeiten. Aber die Grenze verlaufe dort, "wo nicht das Geld und die Vermarktung dem Klub dienen, sondern der Klub nur der Vermarktung dient." Er wolle keinen Namen nennen, aber "wenn es darum geht, ein Getränk oder eine Getränkemarke zu puschen und ich deswegen einen Fußballklub gründe, dann ist das für mich Kommerzialisierung." Wenn es aber darum gehe, einen bestehenden Fußballklub "mit den Sponsorengeldern im Rahmen bestimmter Leitplanken zu unterstützen und das auch mit Augenmaß, dann nicht", sagt Hellmann.

"Tanzende Bären gibt es bei uns nicht"

Man sehe das ja bei der Eintracht: "Ich sag immer, die berühmten tanzenden Bären gibt es nicht, bei uns wird auch nicht jede Fläche vermarktet. Wir machen bestimmte Dinge nicht, wir machen das auch in Absprache mit der Fanszene nicht. Aber genau das ist der schmale Grat, der getroffen werden muss."

Axel Hellmann

Hellmann - der Vorstand, der die Fans ernst nimmt? Im direkten Gespräch kann der Jurist überzeugen und sein Lebenslauf spricht für ihn. 1971 geboren, geht Axel Hellmann seit 1979  zur Eintracht, besaß jahrelang eine Dauerkarte für die Fankurve. "Ich kann mich erinnern, in den 70er Jahren war ich völlig beeindruckt von dem Fahnenmeer im G-Block. Da gab es ja diese riesengroßen Schwenkfahnen." Das Leuchten in den Augen ist bis heute geblieben.

Ernst wird Hellmann, wenn er auf die Ausschreitung rund um das Europacup-Spiel der Eintracht bei Lazio Rom zu sprechen kommt. Dort hatten so genannte Fans Pyrotechnik auch als Waffe gegen Polizisten eingesetzt: "Das ist kriminell, darüber war ich sehr entsetzt!" Von dem Vorschlag des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU), das Abbrennen von Pyrotechnik im Stadion auch mit Haft zu bestrafen, hält Hellmann aber trotzdem nichts. Für ihn ist das eine populistische Forderung. Er hält den bestehenden gesetzlichen Rahmen für ausreichend und die Sanktionen wie etwa das Stadionverbot für Mehrfachtäter für ausreichend.       

Sendung: hr-iNFO, 13.02.2019, 19:35 Uhr

Jetzt im Programm