Bas Kast
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Früher hat sich Bas Kast nur von Junkfood ernährt, bis sein Herz nicht mehr mitspielte und er sein Leben radikal ändern musste: Statt Chips und Schokoriegel verschlang er tausende Studien und schrieb den "Ernährungskompass", der zum Bestseller wurde. Ein Gespräch über Krankmacher im Industriefood, gesundes Essen und das Glück des selbst Kochens.

Blaubeeren, Lachs und Zutaten für ein Vollkornbrot würde er mit auf eine einsame Insel nehmen, wenn er sich für drei Nahrungsmittel entscheiden müsste. "Damit hat man alle Grundzutaten, die man braucht," sagt Bas Kast: "Man hat die Kohlenhydrate, die Fette, die man unbedingt braucht und auch Vitamin C." Zum Überleben auf einer Insel reiche es wahrscheinlich eine Zeit lang, aber irgendwann würde es dann auch zu Mangelerscheinungen kommen bei so einer einseitigen Ernährung.

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Früher hätte er Junkfood mitgenommen: Chips, Schokoriegel und Kaffee, wobei Kaffee gesünder sei als sein Ruf. Das Vorurteil, Kaffee sei Gift, kam ursprünglich aus der Wissenschaft, erzählt der Wissenschaftsjournalist. Man hatte festgestellt, dass Menschen, die viel Kaffee trinken, häufiger unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zu Krebs litten. "Und dann hat einer mal genauer nachgeguckt und festgestellt: Unter den Kaffeetrinkern gibt's ja auch mehr Raucher." Heute weiß man, dass sich Kaffee als schützend erweise vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch vor Krebs. Das sei ein gutes Beispiel dafür, wie die Forschung in die Irre gehen könne und sich am Ende zum Glück doch noch selbst korrigiere.

Ernährungsumstellung wegen Herzproblemen

In seinem Buch "Der Ernährungskompass" beschreibt er viele andere Beispiele aus der Ernährungsforschung. Dass dieses Werk seit gut einem Jahr an der Spitze der SPIEGEL-Bestsellerliste steht und Bas Kast damit zum Bestseller-Autor wurde, kann er selbst am allerwenigsten glauben.

Mit Anfang 40 bekam er beim Joggen Herzprobleme und fragte sich, ob er mit Junkfood seine Gesundheit ruiniert hatte. Als seine Schwester dann auch noch eine Diät begann, nahm auch er sich vor, seine Ernährung radikal umzustellen, um sich selbst zu heilen. Gar nicht so einfach für jemanden, der sich vorher so gar nichts aus Essen gemacht hatte.

Wie ernährt man sich eigentlich gesund?

Denn wie ernährt man sich eigentlich gesund? Kast, der Psychologie und Biologie studiert hat und als Wissenschaftsjournalist und Autor arbeitet, wurde schnell bewusst, dass man auf diese Frage nicht so leicht eine Antwort findet. "Und plötzlich ist nicht mehr ganz klar - sind Kartoffeln jetzt gesund, ja oder nein? Wie ist das überhaupt mit Kohlenhydraten? Ist Low Carb eine Quatsch-Diät oder ist das seriös?" Denn es gibt unzählige Ernährungsstudien, die sich zum Teil auch widersprechen.

Kast wollte es genau wissen und begann zu recherchieren, las tausende wissenschaftliche Untersuchungen, fasste die Erkenntnisse in seinem Buch zusammen und stellte seine Ernährung radikal um. Der Mann, der halb Holländer und halb Deutscher ist, wirkt für seine 46 Jahre erstaunlich jugendlich und fit. Wenn er auf sein früheres Leben schaut, sagt er: "Ich habe erlebt, was passiert, wenn ich so esse, wie ich früher gegessen habe mit dem ganzen Junkfood, mit den Chips, Cola et cetera. Ich möchte da nicht hin zurück."

Zitat
„Essen Sie Essen, das auch Ihre Urgroßmutter als Essen erkannt hätte.“ Zitat von Bas Kast, Wissenschaftsjournalist
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Nach dem "Ernährungskompass" hat Bas Kast nun mit einem passenden Kochbuch nachgelegt. Er hat das Kochen für sich entdeckt. Denn das Fazit, das er aus allen wissenschaftlichen Studien zum Thema gesunde Ernährung gezogen hat, lautet: "Essen Sie Essen, das auch Ihre Urgroßmutter als Essen erkannt hätte." Und er fügt hinzu: "Über 80 Prozent aller Ernährungsprobleme, die wir haben, könnte man lösen, wenn die Leute anfangen würden, selber zu kochen mit möglichst naturbelassenen, frischen Zutaten." In fast alle industriell erzeugten Lebensmittel würden Zucker und Fette beigemengt und die lebensnotwendigen und sättigenden Proteine verdünnt. Das habe zur Folge, "dass du mehr Kalorien essen musst, um satt zu werden und du wirst auch noch krank", sagt Kast.

Mehr Pflanzliches, weniger Fleisch

Als Faustregel für gesunde Ernährung empfiehlt er: mehr Pflanzliches, weniger Fleisch, wenn Fleisch dann Fisch. So ernähre man sich auch ressourcenschonender und nachhaltiger. Auch wenn er mit seinem erfolgreichen Buch vermutlich grade die Ernährung vieler Deutscher verändert, sieht er sich selbst nicht als neuer "Ernährungspapst", wie man hin und wieder über ihn liest. "Das ist natürlich albern. Was ich versuche in dem Buch ist ja, Hintergrundinformationen zu geben, die den Leser unabhängig machen von einem Guru - und das schließt mich mit ein." Der Leser solle nach der Lektüre "selber sein Urteil zu fällen und auch selber seine Ernährungsweise so zusammenzustellen, wie ihm das gefällt."

Sendung: hr-iNFO, 3.4.2019, 19:35 Uhr

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