Bischöfin Beate Hofmann im Interview  mit Christoph Scheld

Sie ist die erste Bischöfin Hessens: Seit gut 100 Tagen ist Beate Hofmann Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Ihre Kirche steht vor großen Herausforderungen: Wie kann die Evangelische Kirche gesellschaftlich relevant bleiben?

Plätzchen hat sie noch keine gebacken. Nicht weil die Zeit nicht gereicht hätte, sondern weil die Familientradition es so will, erklärt Bischöfin Beate Hofmann. "Ich komme aus einer Familie, in der Plätzchen zwar im Advent gebacken, aber erst zu Weihnachten verzehrt wurden. Und um mich nicht in Versuchung zu führen, backe ich sie einfach erst direkt davor."

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Und wenn dann Weihnachten gekommen ist, kommt bei Familie Hofmann weder die Gans noch das Fondue auf den Tisch. "Mein Mann lebt vegan, ich vegetarisch und von daher gibt's bei uns Weihnachten einen bunten Gemüsewok", erzählt Beate Hofmann.

Seit fast 100 Tagen ist die 56-Jährige Bischöfin der Evangelischen Kirche für Kurhessen-Waldeck (EKKW), also der "nördlichen" der beiden Landeskirchen in Hessen. Wobei da das Missverständnis schon anfängt. Denn Kurhessen-Waldeck umfasst nicht nur Nord- und Osthessen, sondern auch Schmalkalden in Thüringen und zieht sich über Hanau bis in den Nordosten der Metropole Frankfurt.

Gesellschaftlich relevant bleiben

Ein gesellschaftlich relevanter Akteur bleiben - das ist eine der Herausforderungen, vor denen Hofmann steht. Ein Weg: sich in aktuelle Debatten einmischen. Ob beim Klima, rechter Gewalt und Antisemitismus oder wenn es um Flucht und Migration geht. "Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck hat gerade beschlossen, sich dem Aktionsbündnis 'United4Rescue' anzuschließen."

Das Bündnis geht auf eine Initiative des Ratspräsidenten der Evangelischen Kirche in Deutschland zurück. Heinrich Bedford-Strom will mit dem Verein Spenden sammeln und dann ein Schiff kaufen. Die Kirche wird so mit anderen Unterstützern zum Akteur in der Seenotrettung. Nicht unumstritten, aber Geld aus der Kirchensteuer soll dafür nicht verwendet werden, stellt Bischöfin Hofmann klar. Klima, Flucht, gesellschaftlicher Zusammenhalt – das seien alles auch Themen für die Kirche.

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„Unser Grundthema ist die Frage nach Recht und Gerechtigkeit.“ Zitat von Beate Hofmann
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Um Recht und Gerechtigkeit geht es auch bei einem schwierigen Thema. Sexuellen Missbrauch hat es auch in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck gegeben. Darüber müsse offen gesprochen werden. "Das Tabuisieren des Themas hat ja dazu geführt, dass Menschen zwar an einer Stelle aus der Arbeit genommen wurden, aber dann vielleicht an einer anderen Stelle wieder die Möglichkeit hatten, sich an anderen Menschen zu vergreifen. Und das muss man unterbinden." Ihre Kirche entwickele nun Strategien zur Prävention.

Kooperationen können sinnvoll sein

In Zeiten zurückgehender Mitgliederzahlen muss die Bischöfin auch auf's Geld schauen. "Wir müssen sehr genau überlegen, wie wir das Geld, das uns anvertraut wird, möglichst sinnvoll und wirksam einsetzen."

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Es muss nicht mehr alles jeden Sonntag in jeder Gemeinde stattfinden. Zitat von Beate Hofmann
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Dazu könnten Kooperationen sinnvoll sein, meint Hofmann, und spricht damit auch das Thema Ökumene an. In die Glaubens- und Lebenswelt katholischer Christen kann sie sich schließlich gut hineindenken. Sie ist in Bayern aufgewachsen und hat lange umgeben von Katholiken gelebt, nun ist sie sogar mit einem verheiratet.

Lieblingsmomente an Weihnachten

Trotz aller Macht, Verantwortung und Finanzfragen – Beate Hofmann sieht sich zuallererst als Frau des Glaubens und des Wortes. Und da sei Weihnachten eben etwas Besonderes. Und da hat auch eine Bischöfin ihre Lieblingsmomente: "Dieser Moment an Heiligabend ganz zum Schluss, wenn die Kerzen wieder aus sind und man auf dem Weg ins Bett ist und es riecht nach Bienenwachs und Tannen, es ist alles ausgepackt und es ist still."

Allgemein rät sie zur Gelassenheit. "Es wird auch Weihnachten, wenn mir überhaupt nicht danach zumute ist. Und es wird sogar Weihnachten, wenn der Braten anbrennt oder der Besuch in letzter Minute absagt. Weil Gott dafür sorgt, dass es Weihnachten wird."

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 21.12.2019

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