Bülent Ceylan

Bülent Ceylan ein schüchterner Außenseiter? In seiner Schulzeit war das so, schreibt der Komiker in seiner Autobiografie. Zum ersten Mal erzählt er darin von seiner Kindheit in einem Arbeiterviertel in Mannheim. Im Interview spricht er über nächtliche Picknicks auf der Couch, Haare und Politiker damals und heute.

Kurpfälzer Dialekt, lange schwarze Haare und Headbanging auf der Bühne: Das sind Bülent Ceylans Markenzeichen. In seiner neuen Autobiografie erzählt der Komiker zum ersten Mal, wie er in den 70er Jahren als Sohn einer deutschen Mutter und eines türkischen Vaters im Arbeiterviertel Waldhof in Mannheim aufgewachsen ist: In der Schule ist er ein schüchterner Außenseiter und wird von seinen Mitschülern als „der Türk“ verspottet, obwohl er kein Wort Türkisch spricht. Doch Bülent entdeckt als Kind ein Talent, das ihm Türen öffnet: Er kann Stimmen parodieren, etwa Boris Becker und Helmut Kohl, und Leute damit zum Lachen bringen.

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Bülent Ceylan
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Heute versteht er sich als Vermittler zwischen den Kulturen und sagt: "Wenn in meiner Show Deutsche und Türken nebeneinander sitzen und zusammen lachen, dann ist das die beste Integrationshilfe, die man sich denken kann." Wir haben mit ihm unter anderem über seine Familiengeschichte, Haare und Kanzlerkanditat:innen gesprochen.

hr-iNFO: Deine Mutter Hilde ist seit dem ersten Tag Dein größter Fan. In Deinem Buch erzählst Du, dass Ihr manchmal nachts auf der Couch zusammen gepicknickt habt .... Was hatte es damit auf sich?

Bülent Ceylan: Ich war der Letzte zu Hause, das Nesthäkchen, und ich glaube, meine Mutter hat gemerkt: Oh, wenn der jetzt auch weg ist und der Papa arbeitet auch noch so lang, dann bin ich ja öfter allein. Sie konnte zwar dann schon loslassen - ich hab immer gedacht, sie ist nicht so ne Loslass-Mama -, aber die erste Freundin zum Beispiel war schon komisch für sie. Also sie war nett zu ihr, aber es war schon so: 'Ja, Freundin jetzt?' Und ich: 'Ja, ich bin ja auch schon 17 jetzt ....'.

Also ich habe gemerkt, ich bin so der Letzte und das ist auch nicht immer so einfach .... es war schön auf der einen Seite, aber auf der anderen Seite musste man auch gegenüber seinen Geschwistern zeigen, dass man nicht nur das Nesthäkchen ist. Man musste sich schon beweisen, man ist jetzt erwachsen, man wird Mann.

Bülent Ceylan und Mariela Milkowa

Und dann gab es diese Situationen, die ich mit meiner Mutter erlebt habe, wenn ich nicht schlafen konnte: 'Dann verarbreden wir uns halt nochmal heute Nacht.' Das klingt so komisch, ne? Und dann kam sie ans Zimmer: Klopf-Klopf, und dann sind wir ins Wohnzimmer und wir haben dann einfach geredet und Gummibärchen und Chips gegessen. Wenn man sich das heute vorstellt - nachts! Heute als Eltern würdest Du ab einer bestimmten Uhrzeit sagen: nee! Aber wir haben dann wie ein Picknick gemacht auf der Couch und dann haben wir halt auch sehr intensiv geredet, unter anderem über den Tod. Das ist echt interessant, als kleiner Junge über den Tod zu reden .... Aber meine Mutter war ja auch öfter im Krankenhaus für längere Zeit - das war für mich immer schlimm -, weil sie Krampfadern hatte, dann war irgendwas mit der Leber ... Und ich hab manchmal zu ihr gesagt: Mama, Du darfst nicht sterben. Da haben wir beide geweint und sie hat gesagt: Wieso soll ich denn sterben, das ist doch Quatsch!

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Buchtipp:

Bülent Ceylan: „Ankommen. Aber wo war ich eigentlich?“
Fischer Verlag

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hr-iNFO: Diese schönen langen schwarzen Haare, das ist ja Dein Markenzeichen. Würdest Du Deine Mähne jemals abschneiden lassen?

Ceylan: Nee. Das bin ich, das ist ja mein Charakter. Man muss dazu sagen, wenn jetzt irgendein Bösewicht das abschneiden würde oder mir fallen die Haare altersbedingt aus, dann ist das so. Aber ich lasse die wachsen, seit ich 15 bin. Das lag eher an der Musikrichtung damals, aber es war auch der verzweifelte Gedanke: Warum kriege ich keine Freundin? Und meine Schwester, die sechs oder sieben Jahre älter als ich ist, die hatte einen Freund, der hatte lange blonde Haare, der hatte die auch immer offen, und alle Frauen sind umgefallen und da dachte ich: aha!

Und da hab ich gemerkt, je länger ich die Haare wachsen lasse, desto kleiner wird die Nase. Und dann hatte ich so halblange, noch nicht ganz so lange Haare, und da hatte ich dann meine erste Freundin und die war auch noch bildhübsch. Aber nochmal: Der Hauptgrund war eigentlich die Musikrichtung. Rockmusik, und ich hab gesagt: Damit kann man headbangen und ich wollte unbedingt headbangen.

hr-iNFO: Olaf Scholz, Annalena Baerbock oder Armin Laschet - wer eignet sich am besten für eine Parodie auf der Bühne?

Ceylan: Ich finde die drei alle nicht so witzig, ehrlich gesagt. Der Scholz ist für mich so - also ich finde das ein bisschen langweilig. Die Baerbock habe ich mal kennengelernt, auch in einer Talkshow, die war eigentlich ganz nett, da hat die Currywurst gegessen. Aber ich kann es auch nicht so beurteilen, ich finde, sie ist noch nicht so weit. Aber ich finde ihre Stimme, die ist so .... da würde ich sagen: Ich weiß nicht, wie lange ich das schaffe.

Ich muss sagen, die sind mir alle zu glatt, die haben nicht so das Charisma wie ein Helmut Schmidt. Selbst Helmut Kohl, das war ja witzig, wie der geredet hat, der war ein Typ. Das sind so Typen, die fehlen mir, muss ich ehrlich sagen.

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