Byung Jin Park, Rechtsanwalt und Autor

Seine eigene Depressions-Erkrankung führte Byung Jin Park zunächst auf Twitter. Und machte ihn dann zu einer Anlaufstelle für andere Erkrankte: Über 400 Nutzer haben sich in seiner Rede-Gruppe auf der Social-Media-Plattform Discord registriert.

„Jede Depression ist anders, wie auch jeder Mensch anders ist“, sagt Byung Jin Park. Auch er habe früher eine falsche Vorstellung von dieser Krankheit gehabt, doch seitdem er selbst davon betroffen ist, weiß er: „Die Krankheit ist komplex und es gibt viele Arten und auch viele Lösungsansätze.“ Das wichtigste aber sei, „offen darüber zu reden, weil die Depression eine Krankheit ist – im Gegensatz zum gebrochenen Bein zum Beispiel, die eben äußerlich nicht sichtbar ist. Und Betroffene können auch funktionieren, sie können eine Fassade aufbauen nach außen hin und innen drin geht es ganz anders zu.“

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Byung Jin Park, Rechtsanwalt und Autor
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Park weiß wovon er spricht. Der 36jährige Rechtsanwalt aus Hanau mit koreanischen Wurzeln, hat schwierige Zeiten hinter sich: seine Ehe scheiterte, seine Arbeit empfand er ab einem gewissen Punkt nur noch als Qual, er konnte kaum noch schlafen, litt an Übergewicht und war gesundheitlich so angeschlagen, dass er an manchen Tagen morgens nicht mehr aus dem Bett kam.

"Wozu ist das alles gut?"

Die psychosomatischen Symptome wurden immer schlimmer, erzählt er, „in Form von grippeartigen Infekten bis hin zu morgens aufwachen und seine Arme und Beine wirklich nicht bewegen zu können und dass es sich anfühlt, als wäre der gesamte Körper ein Stein.“

Die depressive Erkrankung habe sich angefühlt, „wie ein ständiges Fallen ins Nichts und es ist in meinem Fall so gewesen, dass der Tag geprägt war vom ständigen Kampf gegen sich selbst, gegen fehlendes Selbstwertgefühl, gegen Selbstzweifel bis hin zu: Was mache ich hier eigentlich, warum bin ich hier und wozu ist das alles gut?“

Depression nicht immer erkennbar

Eine weitere Folge seiner Erkrankung sei der soziale Rückzug gewesen, „ich hatte gefühlt niemanden mehr, mit dem ich darüber reden konnte“, sagt Byung Jin Park. Deswegen machte er seine Depressionen unter dem Namen @herpandabaer bei Twitter öffentlich. Der Name stammt von seiner heute siebenjährigen Tochter, die gesagt habe: „Der Papa sieht aus wie ein Panda“. Es habe ihm gut getan, sich bei Twitter zu öffnen, erzählt Park, die Reaktionen seien überwältigend gewesen: „Ich habe erstens lernen dürfen, dass es viele, viele, viele Menschen gibt, die mit dieser Krankheit zu tun haben oder betroffen sind oder schwer darunter leiden.“

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Volkskrankheit Depression

Nach Angaben der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gehören Depressionen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. An Depression sind derzeit in Deutschland 11,3% der Frauen und 5,1% der Männer erkrankt. Frauen leiden damit etwa doppelt so häufig an Depression wie Männer. Insgesamt sind im Laufe eines Jahres 8,2 % der deutschen Bevölkerung erkrankt. Das entspricht 5,3 Mio. Bundesbürgern.

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Der 36-Jährige Rechtsanwalt gehört auch zu denen, die sich unter dem Hashtag #FacetheDepression offen zu ihrer psychischen Erkrankung bekannt haben. Auslöser war das Interview von Meghan Markle und Prinz Harry mit Oprah Winfrey. Darin hatte die Herzogin von ihren Depressionen und sogar Suizidgedanken erzählt und im Netz auch viel Kritik geerntet. Denn einige wollten ihr das nicht recht glauben. "Ein Mensch, der so aussieht, kann keine Depressionen haben“, hieß es. Daraufhin hatten Betroffene Fotos von sich ins Netz gestellt, auf denen sie lächeln, um darauf aufmerksam machen, dass Depressionen für Außenstehende nicht immer zu erkennen sind.

Löcher im Herzen

Auch Byung Jin Park kennt solche Vorurteile und er hat Glück gehabt, betont er im Interview immer wieder. Denn während eines siebenwöchigen Aufenthalts in einer psychosomatischen Klinik am Chiemsee im vergangenen Jahr habe er gelernt, sich mit sich selbst und der Krankheit auseinander zu setzen und „sie letztlich auch zu akzeptieren“.

Dabei half ihm vor allem die Musik, neben der Sport- und Gesprächstherapie. Im Interview greift Park auch spontan zu seiner Ukulele und spielt ein Stück aus dem Song „Holes“ von Passenger, der für ihn zum „Therapielied“ wurde. Im Refrain heißt es „Wir haben Löcher in unseren Herzen, Löcher in unseren Leben. Wir haben Löcher, aber wir machen trotzdem weiter.“ Für Park ist das ein Lied, das mit Hoffnung zu tun hat.

Lockdown, Isolation und Einsamkeit

Doch als er Anfang April 2020 aus der Klinik entlassen wurde, ging die Corona-Pandemie so richtig los. Lockdown, Isolation und Einsamkeit – für viele Erwachsene, Kinder und Jugendliche eine schwierige Situation und psychische Belastung, vor allem depressiv Erkrankte fühlen sich durch die Corona-Maßnahmen ganz besonders belastet.

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Buchtipp

„Ins Leere gelaufen - Wie ich meine Depression überwand und mich selbst neu kennenlernte“
Byung Jin Park
mvg-Verlag 14,99€

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Aus dem aktuellen Deutschland-Barometer Depression der Stiftung Deutsche Depressionshilfe geht hervor, dass die Maßnahmen zu massiven Einschnitten in der Versorgung psychisch erkrankter Menschen und zu einer wegbrechenden Alltagsstruktur führen, die für diese Betroffenen besonders wichtig ist. Aktuell berichten 44% der Menschen mit diagnostizierter Depression von einer Verschlechterung ihres Krankheitsverlaufs in den letzten 6 Monaten bis hin zu Suizidversuchen.

Reden, ohne Tabus und Vorurteile

Byung Jin Park erzählt, er sei in der glücklichen Situation gewesen, dass er nach der Therapie in sein Elternhaus ziehen und in einem behüteten Umfeld sein konnte. Doch in seiner Twitter-Community bekomme er natürlich mit, wie es manch anderen Betroffenen in der Pandemie geht. „Es gibt viele Menschen, die alleine leben und praktisch keine sozialen Kontakte mehr haben und buchstäblich vereinsamen teilweise.“

Deshalb kam er an Weihnachten auf die Idee, auf der Social-Media-Plattform Discord Online-Treffen (erreichbar über das dazugehörige Twitter-Profil) zu organisieren und wurde „buchstäblich überrannt. Wir sind inzwischen über 400 registrierte Nutzer, es gibt Lesungen, wir kochen zusammen und es finden einfach viele Gespräche statt.“ Denn das offen drüber reden hält Park für sehr wichtig und wünscht sich von der Gesellschaft, „dass der von der Depression Betroffene nüchtern beschreiben kann, so sieht es bei mir aus und dass es ohne Tabus und Vorurteile geschehen kann.“

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Hilfe bei Suizid-Gedanken

Wenn Sie verzweifelt sind und in einer bedrückenden Lebenssituationen keinen Ausweg sehen: Suchen Sie sich Hilfe bei anderen Menschen. Das kann ein Gespräch mit Familienangehörigen oder Freunden sein. In seelische Krisen könne man immer wieder mal geraten, das sei nichts Unnormales, sagen Psychologen.

Deshalb gibt es Hilfe und professionelle Beratungsangebote. Hier können Sie auch anonym bleiben. Die Telefonseelsorge ist zu jeder Tages- und Nachtzeit unter der Rufnummer 0800/1110111 erreichbar

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Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 24.03.2021, 19:35 Uhr

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