Can Merey
Auto und dpa-Korrespondent Can Merey Bild © Tolga Bozoglu

Was macht Erdogan für Menschen mit türkischen Wurzeln gerade in Deutschland so attraktiv? Journalist Can Merey stellt fest, dass sein ansonsten liberal denkender Vater plötzlich Erdogan unterstützt und forscht nach. In seinem Buch erählt er von der gescheiterten Integration seines türkischen Vaters in Deutschland.

Vor ein paar Jahren fing Can Merey plötzlich an, mit seinem Vater über Politik zu streiten. Mereys Vater Tosun hatte einen großen Teil seines Lebens in Deutschland verbracht, war Deutscher geworden, hatte eine deutsche Frau und zwei Kinder, die Familie sprach deutsch.

Doch dann kehrte Tosun Merey in die Türkei zurück und begann, den Präsidenten Erdogan zu unterstützen. Zum Entsetzen seines Sohns Can, der mittlerweile als Türkei-Korrespondent und Büroleiter der Deutschen Presseagentur (dpa) in Istanbul lebte. "Erdogan hat mir meinen Stolz zurückgegeben", sagte der Vater. Für den Sohn Can Merey war das der Anlass, die Geschichte seines türkischen Vaters genauer verstehen zu wollen.

So begannen lange Gespräche und einen Spurensuche in jenem Deutschland der Sechziger- und Siebzigerjahre, das Menschen aus der Türkei als sogenannte "Gastarbeiter" geholt hatte. Zu denen gehörte Tosun Merey zwar nicht, er war als Student nach Deutschland gekommen und arbeitete in leitenden Positionen für deutsche Firmen. Doch die Erfahrungen, als "Türke" ausgegrenzt zu werden, machte auch er. "Der ewige Gast – Wie mein türkischer Vater versuchte, Deutscher zu werden" – so heißt das Buch, das jetzt im Blessing Verlag erschienen ist.

"Kritik an Özil und Gündogan hat etwas Wolhfeiles"

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Buchtipp

Der ewig Gast - Wie mein türkischer Vater versuchte, Deutscher zu werden
von Can Merey
ISBN: 978-3-89667-605-4
Preis: 17 Euro
Blessing Verlag

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Dass Erdogan ihnen ihren "Stolz wiedergegeben hat", das könnten viele Deutschtürken so empfinden, meint Can Merey. Eine Haltung, die er nicht teilt, die er aber immer besser versteht, seit er sich mit der Geschichte seines Vaters beschäftigt hat.

Auch für Mesut Özil und Ilkay Gündogan mag das gelten. Deren PR-Auftritt mit dem Wahlkämpfer kann Merey aber "nicht gutheißen", wie er sagt. Denn er sei Journalist und etwa 150 seiner Kollegen in Erdogans Türkei seien inhaftiert. Dennoch: Die Kritik an den Fußballern habe auch "etwas Wohlfeiles", gibt Merey zu Bedenken. Auch Kanzlerin Merkel habe Erdogan schon in heißen Wahlkampfzeiten besucht.

Und zur Kritik des Deutschen Fußballbunds an Özil und Gündogan bemerkt Merey, Deutschland nehme ja auch an den Weltmeisterschaften in Russland und Katar teil. Dabei sei er sich "nicht sicher, ob Russland und Katar die Werte des Fußballs und des DFB vertreten". Die beiden Spieler – wie von manchen gefordert – "aus der Nationalmannschaft auszuschließen und ihnen damit quasi das Deutschsein abzusprechen, das wäre wirklich übertrieben", meint Merey.

Sendung: hr-iNFO, 18.05.2018, 19.30 Uhr

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