Carla del Ponte
Carla del Ponte erhält den Hessischen Friedenspreis 2017. Bild © picture-alliance/dpa

Die Schweizerin und frühere Chefanklägerin des UN-Strafgerichtshofs in Den Haag war zuständig für die Aufklärung von Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien und des Völkermords in Ruanda. Am Freitag hat sie den Hessischen Friedenspreis erhalten. Unser Landtagskorrespondent hat sie zum Interview getroffen.

Es gibt ein kleines Detail in Carla del Pontes Biographie, das vielleicht typisch ist. Als kleines Mädchen jagte sie mit ihren Brüdern in ihrer Heimat im schweizerischen Tessin Giftschlangen – in einem Alter, in dem andere mit Puppen spielen. Sie erzählt iim Interview gern davon. Die Episode soll aber auch als Signal verstanden werden: Ich war schon immer  eine mutige Frau. "Na klar", sagt sie. "Ich hatte drei Brüder".

Unerschrocken ist die heute 71-jährige Juristin ohne Zweifel. Als Staatsanwältin in der Schweiz oder später als Chef-Anklägerin beim Internationalen Strafgerichtshof für die Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien jagte sie einst Geldwäscher, Mafiosi und Kriegsverbrecher.

Stolz ist sie vor allem auf ihre Arbeit in Den Haag beim Jugoslawien-Tribunal bis Ende 2007: Sie legte durch die Recherchen ihres Teams den Grundstein dafür, dass Ex-Präsident Milosevic und die Serben-Führer Karadzic und Mladic wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinter Gitter kamen. Dem Recht auch international zum Durchbruch zu verhelfen, das war und ist ihre Mission. Getreu dem Grundsatz: Eine Gesellschaft, die nicht auf Recht basiert, kann keinen Frieden finden.

"Höchste Zeit für Neuorganisation der UN"

Erkennbar bedrückt Carla del Ponte aber die aktuelle Entwicklung in Syrien. Bis August des vergangenen Jahres gehörte sie einer UN-Untersuchungskommission an, die Kriegsverbrechen nachspüren sollte. Entnervt gab sie die Arbeit auf, weil es bei der UN keine politische Unterstützung gegeben habe. "Niemand wird aktiv, damit in Syrien die Verantwortlichen für die Verbrechen vor Gericht kommen“, sagt sie. Eine Verletzung des internationalen Rechts sei auch die jüngste Intervention der Türkei in Syrien: "Das kann man nicht dulden".  Erkennbar erbost kommentiert sie die Schwäche der Vereinten Nationen: Es sei höchste Zeit für eine Neuorganisation.

Del Ponte ist jetzt mit dem Hessischen Friedenspreis für 2017 ausgezeichnet worden. In den Würdigungen wurde mehrfach unterstrichen, dass sie den Opfern von Menschenrechtsverletzungen "eine Stimme gegeben" habe. Die Ex-Anklägerin hält der Politik vor Augen: "Internationale Justiz ist nur möglich, wenn der politische Wille da ist." Im Interview zeigte sie sich zugleich optimistisch, dass auch Syriens skrupeloser Machthaber Assad eines Tages vor Gericht landen werde: "Man darf nicht nachlassen, die sind nicht ewig an der Macht."

Weitere Informationen

Das Interview

Zur Übersicht geht's hier.

Ende der weiteren Informationen
Jetzt im Programm