Carolin Engwert

Als Carolin Engwert vor fünf Jahren ihren Schrebergarten pachtete, war das für viele noch abstrus. Heute sei der Kleingarten im Mainstream einer neuen Generation angekommen. Gut so, meint sie, denn "die kleinen Gärten verändern Menschen."

Noch nie war das kleine Grün so wertvoll wie heute, davon ist Carolin Engwert überzeugt. Der Kleingarten, das kleine Stückchen Land, auf dem Möhren, Artischocken und Brennnesseln wachsen, ist die Passion der Berliner Designerin. Seit 2015 hat sie ihre Parzelle und schreibt über ihre Garten-Erfahrungen in ihrem Blog hauptstadtgarten.de.

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Carolin Engwert
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"Gärtnern ist das neue Kochen", sagt sie. Sie habe das Gefühl, dass der Kleingarten im "Mainstream" angekommen sei. "Als ich den Garten gepachtet hat vor fünf Jahren, war das wirklich noch so ganz abstrus: 'Was machst Du da, Schrebergarten?' Und jetzt wird es jedes Jahr ein bisschen mainstreamiger im Sinne von, dass es auch Leute machen, denen man das niemals zugetraut hat." Und es werde noch viel größer, glaubt sie: "Wenn wir noch drei Jahre warten, macht es wirklich jeder!"

Große Sehnsucht nach dem kleinen Grün

Schon vor Corona war Kleingärtnern und Urban Gardening im Trend. In Zeiten von Lockdown und Pandemie hat sich dieser Trend jetzt noch einmal verstärkt. Wer einen Kleingarten in Frankfurt, Berlin oder München ergattern will, steht derzeit erstmal am Ende einer langen Warteliste bei den Vereinen. Die Sehnsucht nach einem kleinen Grün in der Stadt ist groß.

Carolin Engwert hat ihren Kleingarten in diesem Jahr noch mehr zu schätzen gelernt als ohnehin schon: "Dieser Wert, im Garten zu sein und dass da die Natur so ist, wie sie immer ist, das ist noch mal exorbitant viel wertvoller als in anderen Jahren gewesen." Das Jahr schreite voran und "der Natur ist es eigentlich egal, was wir machen."

Eine neue Generation Laubenpieper

Das hat etwas beruhigendes, Carolin Engwert fühlt sich dort geerdet. Der kleine Garten war in diesem Frühling immer gut für eine kleine Flucht der Webdesignerin und Mutter, ein Auszeit von Videokonferenzen und Homeschooling: Mal alleine in den Garten flüchten und etwas machen, was "so gar nicht digital ist."

Eine Flucht also in ein von Gartenzwergen bewachtes, eingezäunte Spießer-Idyll? Das hat sich längst verändert, sagt Carolin Engwert, die als bloggende Hauptstadtgärtnerin für einen neue Generation Laubenpieper steht. Eine Generation, die sich Gedanken macht um Grünflächen als klimatische Pufferzonen in der Stadt, um den Wert nicht versiegelter Flächen für den Wasserkreislauf. "Und je mehr verschiedene Pflanzen wir haben, desto mehr können wir dazu beitragen, dem Insektensterben entgegenzuwirken!"

Kleingärten verändern Menschen

Es steckt viel Gutes in den kleinen Gärten, davon ist Carolin Engwert überzeugt. Auch, weil sie die Menschen verändern: "Wenn man mal selber Möhren oder Radieschen angebaut hat – davon bin ich ganz fest überzeugt –, wird das dazu führen, dass man weniger verschwendet. Dass man nicht einfach in den Laden geht, einen Beutel Möhren kauft, ins Gemüsefach legt und drei Monate später verschimmelt da herausholt und wegschmeißt."

Man bekomme durch das Gärtnern eine andere Wertschätzung für Lebensmittel und sei "vielleicht dann auch bereit, einen höheren Preis dafür zu bezahlen, wenn man weiß, wie viel Arbeit das gemacht hat." So geht’s jedenfalls Carolin Engwert, die auf ihr kleines Grün in der großen Stadt nicht mehr verzichten will.

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Buchtipp

Abenteuer Garten: Mein erstes Jahr im Schrebergarten
160 Seiten, Franckh Kosmos Verlag, 20 Euro

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Sendung: hr-iNFO Das Interview, 17.7.2020, 19:35 Uhr

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