Christian Huber
Bild © Joseph Strauch

Er ist Gagschreiber für Jan Böhmermann und hat sich als "Pokerbeats" bei Twitter einen Namen gemacht. Als "an-Weihnachten-in-die-Provinz-Heimkehrer" teilt Christian Huber das Schicksal vieler. Darüber hat er schon das zweite Buch geschrieben: "Alle anderen können einpacken".

Mit Weihnachtshassern kann er nichts anfangen, er gehört eindeutig zum Lager der Weihnachtsromantiker, sagt Christian Huber: "Ich mag dieses nach Hause kommen und dieses Besinnliche und im Kreis der Familie sein." Selbst, dass man sich ein wenig auf die Nerven gehe, finde er "schön". "Der Frieden an Weihnachten ist nicht vorgegaukelt", hat er die Erfahrung gemacht, "der kippt nur irgendwann." Und das liege daran, dass sich alle diesen Druck machen, jetzt müsse es besonders besinnlich werden. "Das ist immer so ein bisschen der Funken, der dann was entflammen kann." 

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Christian Huber lebt und arbeitet in Köln, stammt aber aus einem kleinen Ort in der Oberpfalz und freut sich immer wieder auf die Heimat: "Aus der Großstadt nach Hause in die Provinz kommen", sagt er, "hat echt was Erdendes." Das sei sehr "erholsam, auch für den Kopf. Denn diese ganze Medienwelt, in der ich lebe, die ist dort völlig egal." Seit 2015 hat Christian Huber eine unglaubliche Karriere hingelegt – und das alles Dank Twitter. Unter dem Pseudonym "Pokerbeats" twittert der 34-Jährige selbstironisch über komische Dinge, die ihm im Alltag passieren und ist damit zu einer Berühmtheit im Netz geworden.

Von Jan Böhmermann entdeckt

Den Namen "Pokerbeats" hat er sich ausgesucht, als er früher noch Musik gemacht habe, erzählt Christian Huber: "Ich habe Hip-Hop-Beats produziert und komponiert und dachte, davon lebst du jetzt, das ist dein Beruf. Was völliger Quatsch war, weil ich nicht mal meine Miete richtig davon zahlen konnte".

Was dann passierte, hätte er sich nie träumen lassen. TV-Moderator und Satiriker Jan Böhmermann entdeckte ihn auf Twitter und holte ihn als Gagschreiber in das Team seines "Neo Magazin Royal". Dann klopfte ein Buch-Verlag bei ihm an und ihm wurde auch noch eine Zeitungskolumne angeboten. Twitter war für ihn Türöffner und Karriere-Beschleuniger. Heute kann sich Christian Huber Bestseller-Autor nennen. Er schreibt Romane am liebsten über Weihnachten und über Menschen, die an Heiligabend nach Hause in die Provinz heimkehren – so wie er.

Auf Hass mit Humor und Liebe antworten

Weitere Informationen

Buchtipp

Christian Pokerbeats Huber
„Alle anderen können einpacken – Über Weihnachten nach Hause“
Rowohlt Taschenbuch
10 €

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Er beschreibt in seinem neuen Buch "Alle anderen können einpacken" den alljährlichen Wahnsinn, der einem an Weihnachten bei der Familie daheim begegnet. Die Familie heißt hier Kollinger: Die Mutter kauft den halben Supermarkt leer, der Vater erstellt für die Gäste eine Excel-Liste für die Benutzung des Badezimmers, überraschend reist auch noch der demente Opa mit Eric aus Ghana an, der eine Mischung ist aus Hausmeister, Pfleger und Fahrer und das deutsche Weihnachtsfest kennenlernen soll.

Romanheld und Sohn der Familie Bastian muss seiner Familie auch noch irgendwie beibringen, dass er Heiligabend zum ersten Mal nicht zu Hause sein wird, sondern bei den Eltern seiner neuen Freundin. Die ihn übrigens für einen Volltrottel halten. Daraus ergeben sich Situationen, die schreiend komisch sind. "In der Figur Bastian und in der ganzen Geschichte steckt natürlich viel von mir selbst", gesteht Huber. Er hole sich seine Inspirationen aus seinem Umfeld und seiner Familie. Was schon dazu führe, dass zu Hause keiner mehr mit ihm spreche, erzählt er augenzwinkernd. "Wenn dann beim Abendessen irgendwas schief läuft oder irgendwas diskutiert wird, dann höre ich schon oft den Satz: Das twitterst du jetzt aber nicht!"

Die Witze von Otto Waalkes und Dieter Hallervorden haben Christian Hubers Humor geprägt. Als Ghostwriter für Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royal" diskutiert er mit dem Team oft, wie weit man "humortechnisch" gehen kann und wo die Grenzen sind. Aber er findet, "man kann zu allem Gags machen", auch wenn es zum Beispiel um so ein ernstes Thema geht wie rechte Hetze oder rechtsextreme Trolle im Netz. Christian Huber ist überzeugt: "Auf Hass kann man glaube ich nur mit Humor und Liebe antworten." Was ja dann auch irgendwie wieder zu Weihnachten passt.

Sendung: hr-iNFO, 21.12.2018, 19.10 Uhr

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