Christina und Julian Schmelzle

Eine Gruppe junger Menschen aus verschiedenen Großstädten zieht für einige Monate aufs Land – zum Probewohnen und um den Ort zu beleben. Das ist die Idee hinter dem "Summer of Pioneers". Dem Ruf aufs Land waren auch Christina und Julian Schmelzle gefolgt. Nach einem halben Jahr ist das Projekt erstmal vorbei - und sie haben sich entschieden zu bleiben.

Alleine für den Ausblick hat sich die Teilnahme am "Summer of Pioneers" offenbar schon gelohnt: In der Großstadt sei der nicht so schön gewesen, findet Julian: "In Frankfurt hatten wir auf der anderen Straßenseite, im Abstand von vielleicht acht Metern, andere Häuser, wo man schön in die Wohnung reingucken konnte." Jetzt im kleinen Städtchen Homberg (Efze) bietet sich ihnen beim Blick aus dem Fenster, wie Christina es beschreibt, "ein sehr schöner Ausblick ins Grüne".

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Keine Pioniere

Der Umzug in die Kleinstadt war für das Paar eine logische Konsequenz. Lange reifte schon die Idee, sich zu verändern: raus aus Frankfurt am Main und ihren stressigen Jobs in der Filmbranche, raus aufs Land. Das Projekt gab dann den letzten Anstoß, "so dass wir gesagt haben, lassen wir das mal, starten wir ein neues Kapitel." Das Projekt bot die Perspektiven, die den beiden wichtig waren, erklärt Christina. So kamen sie in eine Kleinstadt, "wo es schon ein vorhandenes Netzwerk gibt, die am gleichen Strang ziehen, die wollen, dass ihre Heimat vorankommt, nicht stehen bleibt."

Das klappte so gut, dass Christina, die ihren Job gleich ganz gekündigt hatte, schnell einen neuen fand: im Hof-Café auf dem Land, das das Paar mittlerweile gemeinsam führt. Ganz anders als ihre frühere Arbeit als Aufnahmeleiterin beim Fernsehen: "Ich mache Leute gerne glücklich." Das sei zwar irgendwie auch ihre Aufgabe als Aufnahmeleiterin gewesen, aber das Feedback sei da eher verhalten. Im Café sei das mit der Wertschätzung ganz anders: "Die Leute schätzen das wirklich sehr, dass es jetzt diese Anlaufstelle gibt mit unseren selbstgemachten Kuchen. Und irgendwie einem schönen Kaffee, den sie sonst nur in der Stadt kriegen würden."

"Immer etwas los"

Aber es ging nicht nur um ein bloßes "Testwohnen" im Homberg: Tagsüber arbeiteten, abends "was bewegen in der Stadt", das war der Deal mit den Pionieren. Sich selbst bezeichnen die insgesamt 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer lieber als "Homies". Pioniere ist ihnen zu anmaßend, sagt Julian. "Das war auch so eine Angst, dass die Homberger, die hier schon lange leben, sagen: 'Okay, jetzt kommen die Städter auf einmal und meinen uns erklären zu müssen, wie das Leben funktioniert.'"

Tatsächlich kämen die Impulse offenbar ganz gut an bei den Alteingesessenen. Und auch Langweile kommt, entgegen dem Klischee, nicht auf. Eher im Gegenteil, erklärt Christina: "Ich finde, es ist hier immer was los. Wenn man mehr Leute kennenlernt, dann macht man schöne viele Dinge zusammen." Das seien dann eben nur etwas andere Dinge als in der Stadt, findet Julian: "Man geht halt nicht essen oder ins Café oder ins Theater, sondern man sitzt zusammen, am Lagerfeuer, macht Grillfeiern in traumhaft schönen Gärten, auf irgendwelchen Höfen." Auch bei ihm von Langeweile keine Spur: "Mein letztes halbes Jahr war freizeitmäßig deutlich mehr gefüllt als all die anderen Jahre vorher."

"Traut euch"

Das Fazit der beiden nach einem halben Jahr Leben und Arbeiten in der Kleinstadt ist eindeutig positiv. Julian kann seiner Handwerker-Leidenschaft nachgehen und auch Christina scheint angekommen zu sein: "Ich bin ohne Job hergekommen und habe den für mich passendsten Job in meinem Leben gefunden." Ihr Plädoyer für alle Interessierten: "Traut euch!"

Auch was das Internet angeht, fehle es dem Paar in Homberg (Efze) an nichts: "Hier haben wir schnelleres Internet als in Frankfurt Höchst."

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Das Interview führte Juliane Orth

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