Stefan Bücheler mit Christoph von Eisenhart Rothe im hr-iNFO-Studio
Stefan Bücheler hat mit Christoph von Eisenhart Rothe gesprochen (v.l.). Bild © hr

Christoph von Eisenhart Rothe sorgt sich um Hessens Wälder, denen der Hitzesommer 2018 ordentlich zugesetzt hat. Das ist aber nur ein kleiner Teil eines größeren Problems, so der Naturschützer.

Christoph von Eisenhart Rothe hat als Landesgeschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald in Hessen oft professionell mit Wald und Forstwirtschaft zu tun. Darüber ist ihm aber nicht die Liebe zur Natur und zum Wald abhanden gekommen. Der Wald weckt Emotionen, auch bei ihm. Deshalb lässt es ihn auch nicht kalt, wenn er sieht, wie der Wald mit den Folgen von immer längeren Phasen von Hitze- und Trockenheit leidet. Aktuell schaut er mit Sorge auf die Folgen des Hitzesommers 2018.

"Dieser Sommer ist nicht nur ein Ausreißer. Wir haben seit Jahren neue Rekorde, was die Durchschnittstemperaturen angeht. Es heißt immer: Es war der trockenste, es war der heißeste Monat, alle Rekorde fallen. Und wenn man die ganzen Jahre nimmt und macht die Durchschnittstemperatur, dann geht leider diese Kurve auch nach oben. Das ist ein ganz klares Zeichen von Klimawandel, was wir hier beobachten. Leider !“

Das Ökosystem reagiert langsam

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Auch der Waldzustandsbericht 2018, den das  Hessische Umweltministerium in dieser Woche veröffentlicht hat, zerstreut nicht die Sorgen des Naturschützers. Zwar heißt es, dass "[d]er Gesundheitszustand des hessischen Waldes ist insgesamt stabil geblieben", für von Eisenhart Rothe ist diese Einschätzung aber vor allem darauf zurückzuführen, dass die Erhebung relativ früh im Sommer erfolgte. Da war der volle Umfang der Schäden noch nicht zu sehen. "Das wird sich aber 2019 mit Sicherheit sehr viel deutlicher zeigen. Es gibt da einen guten Vergleich: 2003 war auch ein sehr heißer Sommer und in den Jahren 2004 und 2005 ging die Kurve der Schäden steil nach oben."

Der Wald ist ein verhältnismäßig träges System. Bäume werden 100 oder mehrere hundert Jahre alt – je nach Art. Das gesamte Ökosystem reagiert langsam. Am meisten hat die Fichte unter Hitze und Trockenheit  gelitten. Sie wurzelt nicht sehr tief und hatte früher als andere Bäume kein Wasser mehr. So geschwächt fielen die Nadelbäume dem Borkenkäfer zum Opfer, der sich in der Hitze des Sommers 2018 rasant ausbreitete. Inzwischen ist in ganz Hessen ein großflächiges Absterben der Fichten zu beobachten.

"Wir brauchen mehr Forstleute"

Das Fatale ist: Nach ihrem Winterschlaf werden die Käfer im kommenden Frühling auch wieder in großer Zahl ausschwärmen und sich in benachbarte Bäume bohren. Um die Käferplage einzudämmen, müssen jetzt die befallenen Bäume gefällt und aus dem Wald gebracht werden. Doch die Forstarbeiter kommen nicht hinterher. Für Christoph von Eisenhart Rothe ist klar, dass sich jetzt der massive Stellenabbau im Forst und die Vergrößerung der Reviere in Hessen rächen.

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Es gibt nicht mehr genug Forstwirte, also Waldarbeiter, um jetzt schnell zu handeln. Private Forstunternehmen können oft nicht schnell genug vor Ort sein, um die Ausbreitung der Käfer zu verhindern. "Wir brauchen meiner Meinung nach mehr Forstleute auf der Fläche, wir brauchen mehr Waldarbeiter, die direkt dem Waldbesitzer zuarbeiten", fordert Christoph von Eisenhart Rothe.

Sendung: hr-iNFO, 16.11.2018, 19.35 Uhr

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