Claudia Roth bei Frauen-WM 2011 Frankreich - Deutschland
Claudia Roth (r.) bei der Frauen-WM 2011 Frankreich - Deutschland Bild © picture-alliance/dpa

Politik und Fußball – Claudia Roth bringt für beides ganz viel Leidenschaft mit. Sie schaut mit Vorfreude auf die Fußball-WM in Russland. Doch hinfahren wird sie nicht. Warum erzählt sie im Interview.

Wenn Claudia Roth einmal anfängt, über Fußball zu reden, dann könnte sie ohne Probleme volle 90 Minuten durchquatschen. Die 63-Jährige kennt sich ziemlich gut aus. Beim Panini-Sammelbildchen-Auspacken während des Interviews hat sie zu jedem Spieler oder jeder Mannschaft einen Kommentar parat – teils analytisch, teils modisch. "Die zwei Ohrringe muss er während des Spiels aber rausnehmen!"

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Claudia Roth gehört eigentlich zu denen, die bei Fußball-Großereignissen gerne live vor Ort dabei sind, aber nach Russland fährt sie nicht. "Ich würde zur Fußball-WM reisen, wenn sicher wäre, dass das nicht zu einer Hochglanznummer für Präsident Putin wird," sagt sie. Falls deutsche Spitzenpolitiker zur WM nach Russland reisen sollten, fordert Roth, müssten sie das tunlichst einbetten in ein Begleitprogramm: Treffen mit Menschenrechtsorganisationen und mit LGBT-Gruppen sowie klaren Ansagen zur Pressefreiheit.

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„Ich würde zur Fußball-WM reisen, wenn sicher wäre, dass das nicht zu einer Hochglanznummer für Präsident Putin wird.“ Zitat von Claudia Roth
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Apropos Pressefreiheit – der Fall des ARD-Journalisten Hajo Seppelt beschäftigt die grüne Politikerin sehr. Der Doping-Aufklärer sollte erst kein russisches Visum bekommen, jetzt heißt es, er könne einreisen, solle dann aber von den russischen Behörden vernommen werden. "Das geht gar nicht", meint Roth und kritisiert, "da hätte ich mir viel deutlichere Worte von Seite des DFB, der Fifa und der Bundesregierung gewünscht."

Integrations-Beschleuniger Fußball

Klare Aussagen macht Roth zum Fall der Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan und deren Bildern mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan. "Die waren total bescheuert, haben sich instrumentalisieren lassen", sagt Claudia Roth, fügt allerdings ein großes "aber" hinzu. Die scharfe Kritik an den beiden Nationalspielern sei doch oft sehr wohlfeil gewesen, zum Beispiel von Bundeskanzlerin Angela Merkel, "die selber für Herrn Erdogan Wahlkampf gemacht hat vor der letzten Wahl. Die eine Woche vorher nach Ankara gefahren ist, Fotoshooting mit Erdogan gemacht hat und die Opposition nicht getroffen hat."

Claudia Roth im Hauptstadt-Studio
Claudia Roth mit Sabine Müller im Hauptstadt-Studio Bild © hr

Roth setzt auf die integrierende Kraft des Fußballs. "Fußball kann eine Art Heimat sein", sagt sie, kann jungen Menschen unterschiedlicher Herkünfte das Gefühl geben, dazuzugehören.

Während der Spiele der deutschen Nationalmannschaft wird Roth darauf achten, dass sie möglichst keine Arbeitstermine hat. Das wird ein schweres Turnier für die Deutschen, glaubt sie. Sie setzt aber trotzdem darauf, dass die Deutschen weit kommen werden und hofft auf die Finalteilnehme. Ihr Final-Tipp: Deutschland-Frankreich.

Das Panini-Heft und die Sammelkarten aus dem Interview nimmt sie übrigens gerne mit. "Da werden sie sich in meinem Büro drum kloppen", sagt sie voraus. Werden sie nicht, erwidert der Mitarbeiter, der sie begleitet hat – denn das sacke ich sofort ein.

Sendung: hr-iNFO, 01.06.2018, 19.30 Uhr

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