Constanze Kurz
Constanze Kurz Bild © hr

Sie ist eine wichtige Stimme in Deutschland, wenn es um Datensicherheit und Netzpolitik geht: Constanze Kurz – Informatikerin, Autorin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs. In ihrem jüngsten Buch "Cyberwar – die Gefahr aus dem Netz" warnt sie gemeinsam mit ihrem Co-Autor Frank Rieger vor den Schattenseiten des Internets.

Audiobeitrag

Podcast

zum Artikel Constanze Kurz - Sprecherin des Chaos Computer Clubs

Ende des Audiobeitrags

Ob sie selbst schon mal Opfer einer Cyberattacke gewesen sei? "Nein", kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort. Zumindest habe sie davon nichts mitbekommen, schiebt Constanze Kurz nach. Aber sie investiere auch viel in den Schutz ihrer Daten. Ein speziell konfigurierter Laptop, verschlüsselte Kommunikation – für Constanze Kurz ist das ganz normal. Und im Vergleich zu früheren Zeiten sei das auch gar nicht mehr so aufwändig. Es gebe heute viele Anbieter, die schon ein ganz gutes Sicherheitsniveau anböten. Aber wer wisse schon, dass zum Beispiel selbst kommerzielle und massenhaft genutzte Messenger-Dienste die über sie verschickten Nachrichten längst verschlüsseln würden.

Allerdings macht Kurz im Laufe des Gesprächs in hr-iNFO Das Interview deutlich: Der Schutz vor Angriffen aus dem "Cyberspace" wird umgekehrt auch immer wichtiger. Nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für Wirtschaftunternehmen – und noch dramatischer: für Energieversorger, Krankenhäuser, Behörden. Einrichtungen, die zur sogenannten "kritischen Infrastruktur" zählen, die für das Funktionieren der Gesellschaft also besonders wichtig sind. Angriffe auf diese Einrichtungen, darum geht es vor allem beim Begriff "Cyberwar". "Das ist zum gewissen Teil Realität", warnt  Kurz, "wir müssen damit umgehen, sie passieren, sie werden im Wesentlichen von Geheimdiensten, von Militärs ausgeführt, und sie werden auch schon in einer kriegerischen Weise ausgeführt".

Zerstörung durch Cyberattacken, nicht durch Bomben

Das Internet als digitales Schlachtfeld – Ziele, die im Krisenfall nicht physisch zerstört werden durch Bomben, sondern die durch gezielte Cyberattacken funktionsunfähig gemacht werden: Es ist ein düsteres Szenario, das Kurz entwirft. Und eines, mit dem sich Kurz schon lange beschäftigt. Denn die geborene Ost-Berlinerin, Tochter einer Pfarrersfamilie, hat schon als Schülerin in der DDR erste Erfahrungen mit dem Computer gesammelt, später Informatik studiert, und zählt zur Gründergeneration des "Chaos Computer Club", der nach eigenen Angaben "größten Hackervereinigung Europas".

Aber auch das merkt man Constanze Kurz schnell an. Sie ist keine, die Missstände hinnimmt. Und so ist sie auch nicht bereit, den "Cyberwar" als "schicksalhaft" zu akzeptieren. Kurz bezeichnet sich selbst als "Netzaktivistin", als jemand, der etwas bewegen, verändern will. Eine Idee im Umgang mit dem drohenden "Cyberwar": bestimmte potentielle Ziele wie Krankenhäuser durch internationale Vereinbarungen zu schützen. Ob das realistisch sei? Kurz gibt sich zuversichtlich: Es habe immer eine Zeit gedauert, bis solche Übereinkünfte getroffen worden seien. Beispiel: Chemiewaffen, Anti-Personen-Minen: "Aber ich glaube, dass wir das müssen, weil wir in eine total digitale Zukunft gehen", sagt Kurz. "Und wir können nicht zulassen, dass die Geheimdienste und Militärs sich nicht auch an Grenzen halten."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 18.10.2018, 19:35 Uhr

Jetzt im Programm