Ozan Iyibas

Ein muslimischer Bürgermeisterkandidat für die CSU? In Wallerstein in Schwaben war die Parteibasis wohl noch nicht so weit. In Neufahrn bei München schon. Dort bewirbt sich Ozan Iyibas bei der Kommunalwahl im März um das Amt.

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Die CSU ist die Partei, für die Ozan Iyibas' Herz schlägt. "Diese Partei hat dieses Land weitergebracht. Und ich konnte mich trotz – oder wegen – meines Migrationshintergrunds so entwickeln, wie ich mich entwickelt habe. Also kann es keine schlechte Partei sein."

Sener Sahin musste hinschmeißen

Gut meinte es seine Partei auch mit ihm, als er kandidieren wollte für das Bürgermeisteramt in seinem Heimatort Neufahrn in Oberbayern. Einstimmig nominierte ihn der Ortsverband im Januar. Für viele eine Überraschung, schließlich hatte nur kurz vorher ein muslimischer Kandidat in Schwaben hingeschmissen.

Sener Sahin spürte in Wallerstein nicht genug Rückhalt von der Basis. Ozan Iyibas bedauert das sehr. "Es ist immer schwieriger, Kommunalpolitiker für das Amt des Bürgermeisters zu gewinnen. Und wenn wir dann auch noch so kleinkariert und ewig gestrig denken und einen Mann, der hier geboren ist, der eine katholische Frau geheiratet hat, so diskreditieren – das geht mir nicht in den Kopf rein."

Ein Türke? Unvorstellbar!

Der 37-jährige Iyibas ist Alevit. Die seien so etwas wie "die Christen des Nahen Ostens", beschreibt er seine Religion, die zum Islam gehört. Doch fragende Blicke habe es viele gegeben. Bei konservativen Parteifreunden genauso wie in der türkischen Community. Schon beim Eintritt in die Partei 2007.

Die Kritik gab es auch wieder nach dem 17. Januar 2020, dem Tag seiner einstimmigen Nominierung als Bürgermeisterkandidat für die CSU in Neufahrn bei Freising. "Die CSU Neufahrn hat 'nen Türken als Bürgermeisterkandidaten." Für viele unvorstellbar. Massive Kritik bis hin zu Drohungen verunsichern auch Iyibas. Aber nur kurz. Dann entscheidet er: "Du nimmst die Herausforderung an und versucht dieses Thema humoristisch zu nehmen." Und begegnet der Kritik mit einem satirischen Video.

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In Neufahrn verwurzelt

Die Reaktionen seien sehr positiv gewesen. Und doch blieb auch die Kritik aus konservativen CSU-Kreisen. "Ein CSU-Chef mit muslimischem Glauben ist so abwegig wie eine Pfarrstelle in Mekka", hatte beispielsweise der frühere CSU-Vize Peter Gauweiler gesagt. Abwegig findet diese Äußerung auch Ozan Iybas. "Das sind dieselben Menschen, die dann in zehn Jahren mit dem nackten Finger auf mich oder auf andere zeigen und sagen: 'Schau her – der hat sich nicht integriert.'" Er wolle mitgestalten. "Und gestalten können Sie nicht, wenn Sie nur Plakate kleben im Ortsverband." Dazu müsse man eben auch Bürgermeister, Landrat, Staatsminister oder auch CSU-Chef werden.

In den kommenden Wochen steht aber erstmal alles im Zeichen des Wahlkampfs. Am 15. März wählen die Menschen in ganz Bayern ihre Gemeinderäte und Bürgermeister. Bekannt machen muss sich Iyibas in Neufahrn nicht mehr groß. Hier ist er aufgewachsen und zur Schule gegangen. Die Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse im benachbarten Freising. Dort stieg er auf bis zum Leiter der Geschäftsstelle. Heute arbeitet er als selbstständiger Unternehmensberater. Für die CSU sitzt er seit 2014 im Gemeinderat, man kennt "den Ozan".

Am Ende geht es um Inhalte

Jetzt, im Wahlkampf, legt sich Ozan Iyibas mit kreativen Ideen ins Zeug. "Der Bürgermeisterkandidat kocht" heißt eine Veranstaltung am Wochenende. Auf den Schweinsbraten mit Knödeln folgt zum Dessert Baklava. "Es ist ja keine Plattitüde, dass ich Welten verbinden möchte." Dazu gehöre dann natürlich auch, dass es nach dem Essen eine "gscheide Musi" gebe – nebst Gardetanz und Weißbier.

Letztlich gehe es aber immer um die Inhalte. Manche wollten einen Keil in die Gesellschaft treiben, meint Iyibas. Dem wolle er entschieden entgegentreten. "Wir müssen durch Inhalte bestimmte Dinge in den Vordergrund stellen." Nur dann könne man die Menschen wieder von der Politik begeistern.

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Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 07.02.2020, 19.35 Uhr

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