Daniel Hautmann, Autor und Windkraftexperte

Die Rettung des Klimas bleibt ein Reizthema. Ein Streitpunkt sind machbare, effiziente Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Daniel Hautmann hat sich für sein Buch einige Windkraft-Projekte angesehen. Manches davon könnte auch Science-Fiction sein.

Große, neue Fracht-Segelschiffe auf den Meeren, groß genug, um viele Container zu transportieren, Windkraftanlagen, die draußen im Atlantik schwimmen und sich automatisch in den Wind steuern, Windenergie, die von fliegenden Anlagen produziert wird, die dahin aufsteigen, wo der Wind so richtig bläst.

Daniel Hautmann, freier Journalist und Experte für regenerative Energien, hat zusammengetragen, was alles möglich ist, um noch mehr von der Kraft des Windes zu nutzen.

Windkraft aus luftiger Höhe

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Daniel Hautmann, Autor und Windkraftexperte
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Sein Buch "Windkraft neu gedacht" blickt nicht nur auf die aktuell schwierige Situation der Windkraftanlagen im deutschen Binnenland. Es geht auch um Visionen, neue Ideen, Forschung und Projekte, die schon auf dem Weg sind. Auch wenn manche von ihnen erstmal wie Science-Fiction klingen.

Wie bitte, fliegende Windkraftwerke? "Ich glaube, diejenigen, die das Glück haben, noch 30 oder 40 Jahre zu leben, die werden das noch miterleben, dass die Dinger über unseren Köpfen herumfliegen!"

Strom aus dem Jo-Jo?

Hautmann ist sich da sicher und beschreibt, dass derzeit vor allem zwei Systeme getestet werden: Generator am Boden und Generator in der Luft. "Das eine ist ein flugzeugähnliches Gebilde, das an einer langen Leine hängt - und diese Leine überträgt gleichzeitig den Strom, der oben in der Luft von den Rotoren des Flugzeugs erzeugt wird."

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Buchtipp

Daniel Hautmann, "Windkraft neu gedacht: Erstaunliche Beispiele für die Nutzung einer unerschöpflichen Ressource"
Carl Hanser Verlag München, 39,99 Euro

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Die andere Variante nennt sich "Jo-Jo": Ein Drache steigt in den Wind und zieht dabei seine Leine von der Seilwinde. Die ist mit einem Generator gekoppelt und der erzeugt den Strom. Ist die Leine komplett abgewickelt, dreht der Drache aus dem Wind und wird wieder eingeholt. Danach beginnt das Manöver von Neuem – das Prinzip "Jo-Jo", die Anlage produziert Strom in Intervallen.

Günstiger als herkömmliche Anlagen

Was sich so ein bisschen nach Drachensteigen anhört, hat allerdings andere Dimensionen: Aktuell arbeitet das niederländische Unternehmen Ampyx an einem zwölf Meter großen Flügel, der eine Zugkraft von mehr als vier Tonnen entwickelt und einen Generator mit 150 Kilowatt Nennleistung antreibt. Starten und Landen soll das System von Plattformen auf dem Meer.

Der Vorteil der Höhenwindkraft: Sie ist nicht nur da, wo der Wind stärker ist, sie braucht auch keine so aufwendigen Fundamente oder Türme wie die herkömmlichen Anlagen. Das spart Geld und kann einen Beitrag dazu leisten, die Kosten für die erneuerbaren Energien zu senken.

"Unsere Kinder werden das ausbaden müssen"

Schließlich stehen sie in Konkurrenz zu fossilen Energieträgern, die noch immer viel zu billig gehandelt werden, sagt Daniel Hautmann: "Es wäre wichtig, dass die fossilen Energien auch ordentlich bepreist werden, weil erst dann die Windkraft oder andere erneuerbare Energien ihre Kraft voll ausspielen können." Zu diesen "True Costs", also dem wahren Preis, gehörten auch die Folgekosten für Klima und Menschheit. "Also, wenn ich alle Kranken, Toten mit einrechne, alle Schäden, die entstehen an Gebäuden und Pflanzen: Wenn ich das mal sauber zusammenrechne, dann sind die Fossilen unglaublich teuer."

Den wahren Preis für unseren Energieverbrauch, für unsere Mobilität und für den Handel bezahlen wir derzeit nicht. Davon ist Daniel Hautmann überzeugt. "Wir verschieben die Kosten in die Zukunft. Wir wälzen das auf unsere Kinder ab. Die werden das ausbaden müssen."

Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 08.01.2021, 19:35 Uhr

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