Hessens Grüne-Landesvorsitzende Erfurth und Krämer

Seit 100 Tagen im Amt, aber noch nicht wirklich aufgefallen: Bei den beiden hessischen Landesvorsitzenden der Grünen, Sigrid Erfurth und Philip Krämer, ist das gewollt.

Sigrid Erfurth wollte eigentlich kürzer treten. Die 62-Jährige saß jahrelang für die Grünen als Finanzexpertin im hessischen Landtag. Bei der Landtagswahl 2018 trat sie nicht mehr an. Ganz aus der Politik ausscheiden wollte die Nordhessin aber auch nicht: Seit Mitte Mai hat sie sogar eine Führungsposition inne. Die Parteibasis wählte sie und den Darmstädter Studenten Philip Krämer (27) damals zu den neuen Landesvorsitzenden.

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Philip Krämer, Sigrid Erfurth und Christoph Käppeler im hr-iNFO-Studio
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Vorbild für die SPD

Was die SPD für sich gerade anstrebt, hat bei den Grünen schon jahrzehntelange Tradition: die Doppelspitze. Für die Partei hatte das Modell viel Charme. Es ist Generationen übergreifend und regional austariert. Nennenswerte Flügelkämpfe gibt es bei den hessischen Grünen ohnehin seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Führungs-Duo wirkt politisch ziemlich geerdet.

Als grüne Parteivorsitzende, darauf legen sie Wert, haben sie Zugang zum Allerheiligsten der schwarz-grünen Koalition. Im Koalitionsausschuss sitzen sie dabei, wenn Volker Bouffier und Tarek al Wazir die Spitzen von CDU und Grüne um sich scharen, wenn über politische Projekte diskutiert und gegebenenfalls gestritten wird. Erkennbar haben sie sich aber dieselbe Disziplin auferlegt, über Konflikte nichts nach außen dringen zu lassen, wie die meisten in den Fraktionen.

Lieber vermitteln als öffentlich kritisieren

So ist auch die Kritik an CDU-Kultusminister Lorz mit Blick auf die Bewegung "Fridays for Future" sehr vorsichtig. Intern haben Grüne dem Vernehmen nach den Kopf über Lorz geschüttelt, als dieser etwas alt-väterlich in einem Interview die Streikenden an die Schulpflicht erinnerte. Fast mütterlich rät Erfurth dem Kultusminister zu "mehr Gelassenheit" und verteidigt die Freitags-Demos. Sie habe früher auch an Schulstreiks teilgenommen.

Im politischen Rampenlicht haben die beiden, die jetzt rund 100 Tage im Amt sind, nach ihrer Wahl bisher nicht gestanden. Die Außendarstellung läuft vor allem über die zwei Ministerinnen Priska Hinz und Angela Dorn und die Minister Al-Wazir und Kai Klose. Erfurth und Krämer – beide ohne Landtagsmandat – sehen ihre Aufgabe vor allem darin, mit der Parteibasis zu arbeiten und – wo nötig – "zu vermitteln". Sie verstünden sich aber nicht als "Stützräder" der schwarz-grünen Landesregierung.

Auch ein Modell auf Bundesebene?

Der Einstieg kam für die beiden zu einer idealen Zeit. Die Partei sonnt sich in Umfragewerten stabil über 20 Prozent. Das Thema Klimaschutz hat Hochkonjunktur. Bei diesem Thema seien sie "das Original"“, betont Erfurth.   

Schwarz-Grün auf Bundesebene? Bei dieser Frage erlebt man beide überraschend zurückhaltend. Sie hoffe, dass die Große Koalition in Berlin mal in ruhiges Fahrwasser komme und beim Klimaschutz etwas erreiche, sagt Erfurth. Sie seien nicht wild auf Wahlkampf, aber aus dem Stand bereit dazu.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 16.08.2019, 19.35 Uhr

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