Dennis Volk-Borowski
Dennis Volk-Borowski Bild © privat

Der Unterbezirksvorsitzende der Wiesbadener SPD ist eines von über 400.000 Partei-Mitgliedern, die über die Große Koalition abstimmen sollen. Er war immer GroKo-Gegner, jetzt schwankt der 39-Jährige. Wären Neuwahlen nicht noch schlimmer? Im Interview spricht er über sein inneres Dilemma.

"Ich bin ganz froh, dass Martin Schulz entschieden hat, nicht in die Regierung zu gehen", sagt SPD-Mann Dennis Volk-Borowski aus Wiesbaden. Menschlich sei das tragisch, aber politisch wohl richtig. Es bestehe die Chance, dass es mit Blick auf den geplanten Mitgliederentscheid jetzt wieder mehr um Inhalte gehe. "Solche hysterischen Diskussionen nerven immer", bekennt der Chef des SPD-Unterbezirks Wiesbaden offen. 

Der anstehende Mitgliederentscheid, bei dem die Genossinnen und Genossen über die Große Koalition abstimmen sollen, ist für die Partei auch so schon Problem genug. Volk-Borowski geht es derzeit so wie Tausenden von Sozialdemokraten in Deutschland: Er ringt mit sich, ob er Ja oder Nein zur GroKo sagen soll. "Ich bin zwei Tage dafür, dann bin ich wieder zwei Tage dagegen", beschreibt es der 39-Jährige, der seit rund 20 Jahren in der Partei ist und den SPD-Unterbezirk Wiesbaden anführt.

In Interview schildert Volk-Borowski das Dilemma, in dem die SPD-Basis derzeit steckt. Vor drei Wochen – beim Sonderparteitag in Bonn – war für ihn noch alles klar: Volk-Borowski stimmte gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen. Die Erwartungen, dass die SPD in einer neuerlichen Koalition viel bewegen werde, waren für ihn nicht groß. Eine knappe Mehrheit entschied sich am 21. Januar dann für Koalitionsgespräche, das Ergebnis liegt nun auf dem Tisch. Und nun hängt alles an den SPD-Mitgliedern. Ja oder Nein: "Man braucht für beides Mut - egal, was man entscheidet", sagt Dennis Volk-Borowski.

"Übernahme des Finanzministeriums könnte Mitglieder überzeugen"

Die inhaltlichen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen kommentiert er aus SPD-Sicht zurückhaltend. Doch die Verteilung der Minister-Posten könne "ausschlaggebend" für das Votum der Genossinnen und Genossen sein. Die Übernahme des Finanzministeriums könnte – folgt man seiner Einschätzung – ein Argument sein, das viele Mitglieder überzeugen mag.

In seinem Unterbezirk in Wiesbaden soll die Basis demnächst zusammenkommen, um die Lage zu beraten. Außerdem hat der Landesverband der SPD drei Regionalkonferenzen angesetzt: Dort will die Parteispitze für die GroKo werben. Es sei schwer einzuschätzen, wie die Stimmung bei den Mitgliedern derzeit sei, bekennt Volk-Borowski vorsichtig. Sollte es Neuwahlen im Bund geben, hätte das seiner Ansicht nach Folgen für den anstehenden Landtags-Wahlkampf in Hessen: "Dann interessiert sich keiner mehr für Landespolitik."

Sendung, hr-iNFO, 9.2.2018, 19:35 Uhr

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