Dirk Stermann
Bild © Udo Leitner

Er ist einer der bekanntesten Deutschen in Österreich: Stermann moderiert zusammen mit Christoph Grissemann die Kult-Satire-Show "Willkommen Österreich" im ORF. Was bewegt die Österreicher seit Ibiza-Gate und wie schaut Stermann auf die österreichische Politik?

Als er das Ibiza-Video zum ersten Mal gesehen hat, konnte er es nicht glauben: "Ich habe zunächst gedacht, das sei ein Spaßvideo, das irgendjemand produziert hat", sagt Stermann. Er sei auch noch immer aufgeregt deswegen, weil er sowas in 30 Jahren Österreich noch nie erlebt habe. Überrascht hat ihn die Sache aber nicht.

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"Wenn jetzt jemand, der der FPÖ kritisch gegenübersteht, ein Drehbuch geschrieben hätte, dann hätte er diese Sachen alle reingeschrieben, wäre sich aber sicher gewesen - das sagen die niemals", so Stermann. Das allerschlimmste aus österreichischer Sicht sei gewesen, dass der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und sein Parteifreund Johann Gudenus in dem heimlich auf Ibiza gefilmten Video vom Juli 2017 die Kronen-Zeitung verkaufen wollten.

Bewegte Zeiten in Österreich

Die Kronen-Zeitung ist so etwas wie die deutsche Bild-Zeitung, erklärt der Kabarettist, nur noch viel mächtiger. Das Blatt habe "seit 30 Jahren immer sehr wohlwollend den Rechten gegenüber geschrieben." Und plötzlich, einen Tag nach Veröffentlichung des Videos, stand da: "'FPÖ am Ende'. Damit war nicht zu rechnen", sagt Stermann.

Dirk Stermann stammt aus Duisburg, lebt und arbeitet aber seit über 30 Jahren in Wien und kann wie kaum ein anderer Deutscher in die österreichische Seele gucken. Er staunt über diese "sehr bewegten Zeiten in Österreich", die ihm und seinem Kollegen Christoph Grissemann für ihre Kult-Late-Night-Show "Willkommen Österreich" spannenden Satire-Stoff liefern.

Video war befreiend

Das Duo ist bekannt für seinen schwarzen Humor und wurde deswegen schon öfter angefeindet. Als die Ibiza-Affäre hochkochte, spielten sie das Video in ihrer Sendung nach: Christoph Grissemann als Strache und Dirk Stermann als Gudenus verkaufen mithilfe einer russischen Investorin den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Österreich, servieren den bekanntesten österreichischen Journalisten Armin Wolf ab und wollen den Tatort übernehmen. Die Parodie wurde hunderttausendfach geklickt.

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Es mache Spaß, in diesen Zeiten Witze zu machen, sagt Dirk Stermann. Das Ibiza-Video habe viel losgetreten: "Es war schon sehr befreiend." Die Atmosphäre in Österreich sei vor dem Video "ein bisschen beklemmender" gewesen, die gestürzte Koalitionsregierung aus ÖVP und FPÖ habe viel zugelassen, was die FPÖ an Forderungen umgesetzt habe und noch umsetzen wollte. "Da ging es um eine massive Einschränkung der Pressefreiheit in Österreich", so Stermann.

Plötzlich ist alles zerbrochen

Viele seiner Kollegen, wie etwa Armin Wolf, seien von den Rechtspopulisten persönlich massiv kritisiert worden und man habe gefordert, sie vom Sender zu nehmen. "Es gab Zeitungen, die keine Inserate mehr bekommen haben von der Regierung, wo gesagt worden ist: 'Informationen von der Polizei zum Beispiel oder vom Innenministerium bekommen nur noch Zeitungen, die positiv über die Regierung schreiben.'"

Durch das Skandal-Video mit Strache und Gudenus sei das "plötzlich alles zerbrochen." Denn es hat Fragen über das Verhältnis der FPÖ zu Pressefreiheit, Korruption und Machtmissbrauch aufgeworfen und dazu geführt, dass die Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz abgewählt wurde. "Das war gar nicht so schlecht", meint Dirk Stermann. "Wir waren ganz kurz vor Orban und sind jetzt wieder ein bisschen weiter weg von Orban."

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