Dominik Eulberg

In Corona-Zeiten steigt das Interesse der Menschen an der Natur. Den passenden Soundtrack dazu liefert Techno-DJ Dominik Eulberg. Er will Menschen für die Artenvielfalt vor der eigenen Haustür sensibilisieren.

Man kann in seiner Musik Insekten krabbeln oder Vögel und Käfer fliegen hören und sogar erleben, wie die Raupe zum Schmetterling wird. Dominik Eulberg ist Techno-DJ. Sein Markenzeichen neben der wilden blonden Mähne: Er mischt Naturgeräusche unter Techno-Beats und übersetzt das, was er in der Natur beobachtet und fühlt, in elektronische Musik.

"Biodiversitäts-Techno" haben Kritiker das genannt. Dominik Eulberg sieht sich selbst als "Natur-Sensibilisierer". Ganze Songs widmet er in seinem aktuellen Album "Mannigfaltig" zum Beispiel der Eintagsfliege, dem Siebenschläfer oder dem Neuntöter, einer Vogelart.

Augen, Ohren und Geruchssinn öffnen

"Meine Mission ist, die Augen zu öffnen, die Sinne zu öffnen, die Ohren zu öffnen, den Geruchssinn zu öffnen", sagt Eulberg, denn dann könne man die Genialität und Schönheit der Natur wieder wahrnehmen. "Das bringt etwas zum Schwingen: In jedem von uns steckt ein natürliches, kindliches Erstaunen dafür, was verschüttet wurde durch den Kapitalismus, durch die Technik, durch Handy und was weiß ich nicht alles, und das möchte ich wieder reaktivieren."

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„In jedem von uns steckt ein natürliches, kindliches Erstaunen.“
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Dominik Eulberg ist im Westerwald aufgewachsen, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Der studierte Biologe hat sich dort in einem Haus am Rande eines Vogelschutzgebietes ein professionelles Studio unters Dach gebaut. Dort sei er sehr glücklich, denn er sei ein sehr heimatbezogener Mensch, erzählt der international gefragte Techno-DJ und Musikproduzent, der als Kind sehr naturnah aufgewachsen ist. Die elektronische Musik entdeckte er erst als Teenager für sich und machte sie zunächst mal nur zum Hobby.

Natur und Techno kein Widerspruch

Seine erste große Liebe war die Liebe zur Natur. "Der Westerwald ist mein Habitat, mein Revier, was mir Sicherheit, Struktur und Halt gibt, was mir Identität gibt. Und ich bin hier sehr verwurzelt", sagt Eulberg. Er ist auch Naturschutzwart im Vogelschutzgebiet und macht dort viele ehrenamtliche Naturschutzprojekte. "Ich lege grade hier unten Biotope an, habe einen Amphibienschutzzaun, 600 Meter lang, aufgebaut mit einer Gruppe und tu da jede Nacht die Kröten rüber tragen und mache das Brutvogel-Monitoring auch mit", erzählt er.

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„Das ist ja immer nur so bum-bum-bum-bum [...], ich denke, das hat was mit der pränatalen Konditionierung auf den Herzschlag der Mutter zu tun.“
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Natur und Techno, das ist für Dominik Eulberg kein Widerspruch, denn Techno-Musik sei für ihn "die instinktivste, die triebhafteste und animalischste Musik." Man müsse sich nur mal fragen, warum Raver die ganze Nacht zu so einem monotonen Vierviertel-Rhythmus tanzen. "Das ist ja immer nur so bum-bum-bum-bum, das ist wie so ein Taktgeber und man findet das ja auch in allen Kulturen bei allen indigenen Völkern und ich denke, das hat was mit der pränatalen Konditionierung auf den Herzschlag der Mutter zu tun."

Fallen lassen können

Die Fans elektronischer Musik seien nicht so verkopft, sondern noch empfänglich dafür, sonst könnten sie sich dieser Musik nicht so hingeben, meint Eulberg: "weil Techno nur wirkt, wenn man sich fallen lassen kann." Das Gute an der elektronischen Musik sei, dass es keinerlei Limitierung gebe, er könne jegliche Klangsynthese machen und jede Klangfarbe generieren. "Und ich kann damit Emotionen und Gefühle, die ich in der Natur habe, auch tatsächlich komplett abdecken."

2004 wurde Dominik Eulberg als Newcomer der Techno-DJ-Szene entdeckt und beherrschte viele Jahre lang die internationalen Dancefloors mit seiner Musik. In seinem aktuellen Album "Mannigfaltig" ist er jetzt mit 41 Jahren ruhiger geworden und konzentriert sich auf das, was ihn glücklich macht: das Sensibilisieren für die Natur und die Artenvielfalt.

Fledermausführungen für Raver

Mit seiner Musik erreiche er Menschen, die sich vorher noch nie mit Artenschutz beschäftigt haben. Bei seinen Gigs bietet er zum Beispiel Führungen für Raver an: "Fledermausführungen, ich bin Fledermausbotschafter vom NABU, oder ich mache ornithologische oder botanische Führungen. Und dann ist es für die Leute total toll, mit ihrem Lieblings-DJ in die Natur zu gehen und das Wissen, das bleibt hängen."

Und obwohl er nun wegen der Corona-Pandemie seit Wochen nicht mehr auftreten kann, kommt seine Botschaft gerade jetzt an. Denn in diesen Zeiten ist die Natur für viele der einzige Rückzugsort, sagt Dominik Eulberg: "Das merke ich schon, dass die Natur da eine extreme Renaissance gerade erfährt und die Leute das mehr genießen und dass meine Arbeit dadurch mehr und mehr auch gewertschätzt wird, weil die Menschen wieder anfangen zu verstehen, dass das wirklich hier unsere Lebensgrundlage ist."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 13.5.2020, 19:35 Uhr

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