Emily Atef
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2018 war für Atef ein Erfolgsjahr: Ihr Film über Romy Schneider wurde mehrfach ausgezeichnet und gerade hat sie in Frankfurt ihren ersten Tatort abgedreht. Ein Gespräch über schwarze Komödien, ihren Hang zum Drama und ihre Liebe für Süßes aus Frankreich, Deutschland und dem Iran.

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Das Jahr hätte nicht besser laufen können für Emily Atef: Neben Berlinale-Premiere, Preisverleihungen und Tatort-Dreh hat sie neue Filmprojekte angeschoben, Drehbücher geschrieben, Schauspieler gecastet und wirkt am Set trotzdem ungestresst und euphorisch. "Man ist schon auf einem High und superglücklich den ganzen Sommer, aber man geht trotzdem immer weiter", sagt sie. "Filmzeit ist Lebenszeit, ich liebe es zu drehen und mit Schauspielern zu arbeiten."

Ein Händchen für Menschen

Wenn man Emily Atef am Set mit den Schauspielern agieren sieht, spürt man sofort, dass sie ein Händchen für Menschen hat und sich gut in Figuren einfühlen kann. Sie ist keine Regisseurin, die autoritär daher kommt, sondern in einem fast "familiären" Rahmen mit ihren Schauspielern zusammenarbeitet. Schließlich hat sie selbst mal als Schauspielerin angefangen und in Paris und London Theater gespielt, bis sie gemerkt habe: "Das bewegt mich nicht so sehr, wie wenn ich meine Kollegen inszeniere."

Emily Atef Mariela
Katharina Schubert, Mariela Milkowa, Emily Atef, Ronald Kukulies, Godehard Giese Bild © hr

Viele Brüche in der Biografie

In Atefs Biografie finden sich viele solcher Brüche: 1973 als Tochter einer französischen Mutter und eines iranischen Vaters in West-Berlin geboren, zog sie im Alter von sieben Jahren mit ihrer Familie nach Los Angeles. Sechs Jahre danach ging sie nach Frankreich, später dann nach Großbritannien. Seit 2001 lebt die heute 45-jährige Drehbuchautorin und Regisseurin mit Ehemann und Tochter wieder in ihrer Wahlheimat Berlin. Es zieht sie aber auch immer wieder nach Frankreich.

Sie ist ein Mensch, der die Abwechslung braucht. Zudem liebt sie das Aufeinandertreffen von Kulturen und Sprachen. Als ich ihr süßes Gebäck aus den drei Ländern mitbringe, die in ihrem Leben ein wichtige Rolle spielen, ist sie begeistert: Macarons aus Frankreich, Sohan, persische Kekse und deutscher Christstollen. Die französische Kultur sei in ihrer Erziehung prägend gewesen, erzählt Atef. Aber genauso wichtig sei Deutschland für sie: "Meine Kindheit in Berlin war so schön für mich, dass ich immer eine Nostalgie hatte nach Berlin und deshalb wollte ich auch wieder zurück."

Kulturelle Vielfalt

Obwohl sie eher iranisch aussehe, lacht Emily Atef, habe Sie zum Iran kaum eine Verbindung. Das vorherrschende Frauenbild im Heimatland ihres Vaters beschäftige sie allerdings sehr und die arrangierte Ehe einer Cousine zum Beispiel war auch mit dafür verantwortlich, dass sie heute das Thema Gleichberechtigung sehr umtreibt.

Kulturelle Vielfalt sei Teil ihrer DNA, sagt die Filmemacherin, die bereits zahlreiche nationale und internationale Preise für ihre Kino- und Fernsehfilme gewonnen hat. "Ich bin ja nicht eine Kultur, ich habe auch nicht eine Heimat", meint sie und fragt: "Was ist denn meine Heimat? Vielleicht Europa." Wenn sie Filme mache, interessiere sie der Mensch. Wir seien zwar alle ein bisschen anders, meint sie "aber wir sind auch alle sehr gleich in unserem Archetyp und der interessiert mich."

Emily Atef Crew
Emily Atef (Regie), Armin Dierolf (Kamera), Jörg Himstedt (Redaktion, hinten) und Karoly Pakozdy (Szenenbild) (v.r.n.l.) Bild © hr

Frauen in Grenzsituationen

Kritiker bezeichnen Emily Atef als eine der interessantesten deutschen Regisseurinnen ihrer Generation und loben sie für ihre einfühlsam erzählten Stoffe. Oft geht es in ihren Filmen um Frauen in Grenzsituationen. Ihr erster Tatort "Falscher Hase", für den sie auch zusammen mit Lars Hubrich das Drehbuch schrieb, handelt von einer Truppe Kleinganoven, die sich in ihren kriminellen Machenschaften verstricken.

Es geht um die "Lohmann Solar Technology GmbH", die kurz vor der Pleite steht. In ihrer Verzweiflung versuchen sich die Besitzer der Firma Hajo Lohmann (Peter Trabner) und seine Frau Biggi (Katharina Marie Schubert) an einem Versicherungsbetrug und inszenieren einen Raubüberfall. Als sie hierbei jedoch von einer Security überrascht werden, greift Biggi zur Waffe und erschießt den Mann mit einem gezielten Schuss zwischen die Augen. Während die beiden Frankfurter Kommissare Brix (Wolfram Koch) und Janneke (Margarita Broich) ermitteln, läuft die Sache für Hajo und Biggi immer mehr aus dem Ruder.

Für Emily Atef ist es ihre erste schwarze Komödie. Sie faszinieren die schwarzen Komödien der Coen-Brothers oder aus Skandinavien, schmunzelt die Filmemacherin: "Ich liebe das düstere Lachen!" Überzeugen kann man sich davon im neuen Frankfurter Tatort "Falscher Hase", der im September 2019 gezeigt wird.

Sendung: hr-iNFO, 12.12.2018, 19.35 Uhr

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