Eva Demski
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Eigentlich wollte Eva Demski längst ihre Erinnerungen zu Papier bringen, schrieb dann aber lieber über Essen, Gärten und Katzen. Jetzt sind die Memoiren erschienen unter dem Titel "Den Koffer trag ich selber". Im Interview spricht sie darüber, was sie mit sich herumträgt und welches Gewicht die politisch bewegten Zeiten vor 50 Jahren dabei haben.

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Sie sei keine Frau, der man anbiete, ihren Koffer zu tragen, sagt Eva Demski. Und es ist auch ihr lieber so, denn Autonomie und Selbstbestimmung sind ihr wichtig. Doch der Titel ihrer Erinnerungen – "Den Koffer trag ich selber" – hat für sie noch eine weitere Bedeutung: Alte Fotos, Briefe und Dokumente sammelt Eva Demski nämlich gerne in kleinen und großen Koffern.

Einen Koffer, auf dem "1968" draufsteht, hat sie aber nicht. "Achtundsechziger ist kein Beruf, auch wenn manche so tun", sagt Demski. Und 1968 sei auch "kein Epochenbruch" gewesen. Der Moment der Rebellion sei bei manchen früher, bei manchen später gekommen. Bei Eva Demski war es der Philosophieprofessor, der Frauen nicht zu seinen Oberseminaren zulassen wollte. "Da hat es bei mir rums gemacht", sagt Demski.

Sympathien für Anarchismus

Politisch blieb sie auf Distanz zu den Ideologen der Studentenbewegung, sympathisierte eher mit dem Anarchismus, las und übersetzte anarchistische Autoren, diskutierte darüber mit ihrem Mann Reiner Demski. Der verteidigte als Rechtsanwalt auch linke Terroristen und war in erotischen Dingen eher an jungen Männern interessiert.

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Buchtipp

"Den Koffer trag ich selber. Erinnerungen"
von Eva Demski
Insel Verlag
20 Euro (gebundene Ausgabe)
ISBN: 978-3458177180

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"Wir waren ein ausgesprochen divergentes Paar, aber das schert ja die Liebe nicht", sagt Eva Demski. Toleranz sei ihr in dieser Zeit wichtig gewesen, nicht herablassend, sondern als "Staunen über das, was der andere so macht".

Über den frühen Tod ihres Mannes 1974 hat Eva Demski später ihren Roman "Scheintod" geschrieben. "Das ist ja der ganze Impetus des Schreibens: aufheben. Jemanden nicht sterben lassen", sagt sie. Schon Ende der sechziger Jahre begann Demski, für den Hessischen Rundfunk zu arbeiten, für Radio und Fernsehen, vor allem für das Kulturmagazin "Titel, Thesen, Temperamente".

Eine tolle Zeit mit vielen Freiheiten sei das gewesen, aber  auch mit erbitterten politischen Kämpfen. Die politischen Gewissheiten der später sogenannten "Achtundsechziger“ seien ihre Sache nicht gewesen. "Ich war immer ein skeptisches Kind", sagt Eva Demski, "und jetzt bin ich eine skeptische alte Frau. Die Skepsis ist meine Lieblingsgöttin."

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Sendung: hr-iNFO, 17.11.2017, 19:35 Uhr

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