Eva von Redecker lacht

Als Kind verkaufte sie Bio-Erdbeeren, später protestierte sie gegen Neonazis. Das Gefühl, mit Leuten zusammenzustehen, habe sie überwältigt, sagt die Philosophin Eva von Redecker. Im Interview spricht sie darüber, warum sie dabei an Pilze denkt und weshalb Greta Thumberg sie tief beeindruckt hat.

Eva von Redecker weiß, wie gut Erdbeeren schmecken können. Sie müssen frisch sein und brauchen Zeit zum Reifen, so wie die Erdbeeren vom Bio-Bauernhof ihrer Eltern, die sie als Kind in der Fußgängerzone verkaufte. "Vielleicht war das ja schon eine Art von politischer Aktion auf der Straße", meint von Redecker. Später demonstrierte sie gegen Neonazis. "Das Gefühl, mit Leuten zusammenzustehen, hat mich überwältigt", sagt sie. "Ich liebe Demonstrationen, das ist ein Fest."

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Das Interview mit Eva von Redecker

Eva von Redecker
Ende des Audiobeitrags

Entscheidende Faktor der Mobilisierung

Als Philosophin beschäftigt sich Eva von Redecker mit den heutigen politischen Protestformen. Dabei hat das Aufwachsen mit der Natur ihr Denken geprägt, immer wieder kommen ihr Naturbilder in den Sinn. Das von den Pilzen zum Beispiel, die scheinbar einzeln im Wald stehen und doch durch ein unterirdisches Geflecht miteinander verbunden sind.

So sei es auch bei Bewegungen wie Fridays for Future, Black Lives Matter oder der Seenotrettung. Der Einsatz für das Leben verbinde sie und sei der "entscheidende Faktor der Mobilisierung", sagt Eva von Redecker. "Alle haben ein Recht auf ein würdiges Leben", so beschreibt die Philosophin das gemeinsame Ziel. "Angesichts der Verhältnisse in der Welt ist das schon eine revolutionäre Forderung."

Weitere Informationen

Buchtipp

"Revolution für das Leben - Philosophie der neuen Protestformen"
Von Eva von Redecker
S.Fischer, 23 Euro

Ende der weiteren Informationen

Der Klimawandel ist längst da und fordert Opfer. Das Sterben im Mittelmeer ist Alltag, Rassismus und Gewalt gegen Frauen auch. All diese Katastrophen in das Bewusstsein der Gesellschaft zu holen, sei das Anliegen der neuen Protestbewegungen. "Tief beeindruckt" sei sie vom Auftritt Greta Thunbergs beim Klimagipfel der Vereinten Nationen gewesen, sagt von Redecker. Greta selbst habe ihre "verkehrte" Rolle thematisiert: "Kindern wird eine verfrühte Erwachsenheit zugemutet, während sich die Erwachsenen in babyhafte Narzissmen zurückziehen" - so analysiert die Philosophin das Generationenverhältnis angesichts der neuen Protestbewegungen.

Verstehen, was mit dem Planeten passiert

Hoffnung machen Eva von Redecker die "Zwischenräume", in denen zärtliches und solidarisches Leben möglich scheint. Sie selbst wohnt in einer Landkommune, will daraus aber kein politisches Projekt machen. Das sei in den Siebzigerjahren immer wieder gescheitert. Sie will einfach in "größeren Zusammenhängen" und auf dem Land leben. Die Natur sei für sie immer ein "wichtiger Bildungs- und Entfaltungsraum" gewesen. Ein romantisches Verhältnis zur Natur liegt ihr aber fern: "Wir müssen verstehen, was mit dem Planeten passiert", sagt Eva von Redecker. Dazu gehöre auch, "über ein im November blühendes Gänseblümchen entsetzt zu sein."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 09.12.2020, 19:35

Jetzt im Programm