Hessens Antisemitismusbeauftragter Felix Semmelroth
Hessens Antisemitismusbeauftragter Felix Semmelroth Bild © picture-alliance/dpa

Immer öfter fühlen sich Juden in Hessen bedroht, durch Hass-Botschaften im Netz, Vorurteile im Alltag und gewalttätige Angriffe. Jetzt hat die Landesregierung zum ersten Mal einen Antisemitismusbeauftragten berufen.

Der Anruf aus der Staatskanzlei kam, als Felix Semmelroth mit seiner Frau gerade ein bayerisches Kloster besuchte. Damit hatte der 68-Jährige wirklich nicht gerechnet, dass ihn Volker Bouffier zum Antisemitismusbeauftragten der Landesregierung machen würde. Doch Semmelroth sagte zu, denn -  so ist er überzeugt – "es ist leider nötig".

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Auch im persönlichen Umfeld, so erzählt Semmelroth, begegne ihm Antisemitismus - etwa wenn Bekannte abends beim Wein über israelische Politik sprechen und bestimmte Verhaltensweisen plötzlich als "typisch jüdisch" bezeichneten. "Da muss man klar und deutlich widersprechen", meint Semmelroth. Das tue er privat und das werde er in seiner neuen Rolle auch tun. Manche, die judenfeindliche Vorurteile äußern, könne man nachdenklich machen, meint er. Wer aber Auschwitz leugne, mit dem könne man nicht diskutieren.

Verantwortung für die Vergangenheit übernehmen

Semmelroth beschreibt verschiedene Formen des Antisemitismus, die man differenzieren müsse: den aggressiven Antisemitismus der "Ewig-Gestrigen", den auf Israel bezogenen Antisemitismus, der sich "als Antizionismus kaschiert" oder den "Antisemitismus der Mitte", also jener, die ihre Sätze beginnen mit den Worten "Man wird ja wohl noch mal sagen dürfen…". Letzterer mache Semmelroth besondere Sorgen, weil er weit verbreitet und so schwer zu fassen sei.

Felix Semmelroth, 1949 in Kassel geboren, erfuhr erst als Jugendlicher vom Holocaust – in einer Ausstellung. In der Schule und in seiner Familie sei der von Deutschen begangene "Zivilisationsbruch" kein Thema gewesen. Umso wichtiger sei es, dass junge Leute heute lernten, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen. Auch wenn sie selbst keine Schuld hätten, auch wenn sie aus Einwandererfamilien stammten. Dafür will Semmelroth mit Institutionen wie der Bildungsstätte Anne Frank oder dem Fritz Bauer Institut eng zusammenarbeiten. Er versteht sich aber auch als Ansprechpartner für Juden, die selbst Opfer von Antisemitismus geworden sind.

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Mi, 15.8. um 19.35 und 21.35 Uhr
Sa, 18.8. um 10.05 und 18.35 Uhr
So, 19.8. um 14.05 Uhr

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Bis 2016 war CDU-Mitglied Semmelroth Frankfurter Kulturdezernent. Seither habe er das Leben durchaus genossen, mit viel Lesen und Reisen. Nach einer neuen politischen Tätigkeit hat es ihn nicht gedrängt. Doch er hat sie angenommen, diese Aufgabe, die auch "eine Ehre" sei.  Am besten aber wäre es, meint Semmelroth, "wenn es gelänge, das Amt des Antisemitismusbeauftragten bald wieder überflüssig zu machen".

Sendung: hr-iNFO, 15.8.18, 19:35 Uhr

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