Ferdinand Hofer

Mit seinen 27 Jahren ist Ferdinand Hofer der Jungspund im Münchner Tatort-Team. Seit sechs Jahren spielt er den Assistenten Kalli an der Seite der Kommissare Batic und Leitmayr. Im Interview sagt er, warum die Zusammenarbeit mit den beiden so gut funktioniert und was den Tatort auch nach 50 Jahren zum Kult macht.

Im Tatort-Zweiteiler "In der Familie" zum 50. Jubiläum ermitteln das Dortmunder und das Münchner Tatort-Team gemeinsam im Mafia-Milieu. Es geht um Drogenhandel, der über ein italienisches Restaurant in Dortmund abgewickelt wird, und um Geldwäsche im großen Stil. Als ein Mafia-Killer in der Familie des Restaurantbesitzers Unterschlupf sucht, weil er in München einen Mord begangen hat, eskaliert die Situation.

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Die italienische Mafia, das ist ein Stoff, der Ferdinand Hofer schon immer sehr interessiert habe, sagt er: "Ich finde, dass man die italienische Mafia immer als sehr stilvoll wahrnimmt, das kommt bestimmt auch durch Filme wie der Pate." Dabei sei die Mafia genauso grausam wie andere Clan-Kriminalität und genau das zeige auch der Tatort-Zweiteiler. Das Buch zur Jubiläumsfolge hat Bernd Lange geschrieben, im ersten Teil hat Dominik Graf in Dortmund Regie geführt. Gedreht wurde noch vor Corona; kurz nachdem im Frühjahr die Dreharbeiten für den zweiten Teil in München unter der Regie von Pia Strietmann begonnen hatten, musste aber wegen des Lockdowns in März wieder abgebrochen werden. "Es grenzt schon leicht an ein Wunder, dass wir es tatsächlich geschafft haben, den Film in der begrenzten Zeit fertig zu bekommen", Ferdinand Hofer.

Arbeit unter erschwerten Bedingungen

Die Arbeit am Set konnte erst nach einer Pause von mehreren Monaten weitergehen, was schwierig gewesen sei, "weil wir eigentlich einen Winterfilm gedreht haben und die zweite Hälfte des Films im Hochsommer zu Ende drehen mussten und wir dann bei 35 Grad im Schatten mit Daunenjacken rumgelaufen sind."  Außerdem musste wegen Corona unter erschwerten Bedingungen gearbeitet werden, erzählt Hofer: "Logischerweise haben alle Masken auf, das Team und die Schauspieler werden mehrfach pro Woche auf Corona getestet, die Schauspieler müssen sich dann quasi in Isolation begeben zwischen den Drehtagen." Das sei auf Dauer anstrengend, vor allem weil man seine sozialen Kontakte noch weiter herunterschrauben müsse als normalerweise notwendig. "Dementsprechend sehe ich zurzeit auch meine Freunde relativ selten."

Mittlerweile sei es auch Alltag, dass am Set nicht mehr alle zusammenarbeiten können, sondern Schichtbetrieb herrscht, also immer nur bestimmte Teams eingeteilt werden. Das koste zusätzlich Zeit. Doch im Film sieht man von alldem nichts. "Dadurch, dass wir so viel Rücksicht hinter der Kamera nehmen, auch quasi in unserer Freizeit, können wir vor der Kamera relativ unbeschwert drehen“, meint Hofer.

Tatort war "totales Neuland"

Seit 2014 spielt Ferdinand Hofer im Münchner Tatort den Assistenten Kalli Hammermann an der Seite der Kommissare Ivo Batic und Franz Leitmayr. Dass ausgerechnet er mal beim Tatort landen würde, war nicht absehbar. "Bei uns war das nicht so, dass wir jeden Sonntag den Tatort geguckt haben", erinnert er sich. Für ihn sei es "totales Neuland" gewesen, als er an einem Tatort-Casting teilnahm. Dass der Tatort "eine größere Nummer" sei, habe er erst so richtig begriffen, als er nach dem Casting von seinen WG-Mitbewohnern dafür gefeiert wurde.

Schauspielerische Erfahrungen in Film und Fernsehen hatte Hofer, der sich als "Quereinsteiger in der Branche" bezeichnet, aber schon lange vor dem Tatort sammeln können. Schon als 12-Jähriger wurde der aus dem oberbayrischen Miesbach stammende Schüler von Regisseur Marcus C. Rosenmüller entdeckt und bekam seine erste Rolle in dem Film "Schwere Jungs". Danach spielte er in diversen Fernseh- und Filmproduktionen mit, unter anderem regelmäßig in einer Reihe von Eberhofer-Heimatkriminalkomödien nach dem Romanen von Rita Falk. Neben der Schauspielerei, die er zunächst nur als Hobby betrachtet habe, studierte er BWL und schloss sein Studium als Wirtschaftsingenieur ab, weil er einen "Joker in der Hinterhand" haben wollte, falls es mal hart auf hart kommen sollte. "Das gibt mir zumindest ein Stück Sicherheit."

Seit Jahren die gleichen Witze beim Dreh

Als er beim Tatort einstieg, musste er einiges an Kritik einstecken, denn nicht alle Zuschauer waren gleich von dem damals erst 21-jährigen Schauspieler in der Rolle des Assistenten Kalli überzeugt. Im Netz wurde zuweilen über den "Milchbubi" und "Schülerpraktikanten" gespottet, doch heute ist Ferdinand Hofer an der Seite seiner Schauspieler-Kollegen Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl voll integriert und beliebt.

Die Zusammenarbeit funktioniere vor allem auch deswegen so gut, weil alle den gleichen Humor hätten, sagt Hofer. "Das ist der Grund, warum wir zu dritt ganz gut miteinander können und ich denke das ist genau das, was das Münchner Team ausmacht." Auch wenn Nemec und Wachtveitl seit Jahren die gleichen Witze beim Dreh erzählten, fügt er schmunzelnd hinzu.   

Mehr Action für Kalli?

Humor, gute Schauspieler, spannende Drehbücher und gesellschaftlich aktuelle Stoffe - den Kult um den Tatort, der ja immer wieder als eines der letzten "Lagerfeuer der Nation" bezeichnet wird, erklärt sich Ferdinand Hofer so: "Ich glaube, das ist diese Regelmäßigkeit und dieser Halt, der dem Tatort-Zuschauer gegeben wird." Auch wenn viele den Tatort heute nicht linear sonntags um 20:15 Uhr im Ersten sehen, sondern in der ARD-Mediathek anklicken. Der Tatort sei auch eines der Formate, wo "noch viel Qualität dahinter steckt." Außerdem würden es die Zuschauer schätzen, "dass man quasi seine eigene Stadt auch filmisch dargestellt sieht."

Für seine Figur Kalli wünscht sich Ferdinand Hofer, dass er in den nächsten Tatort-Folgen "seinen Horizont erweitern" kann. Er wolle nicht immer nur der Assistent sein, der die Ermittlungsergebnisse auf den Tisch legt. Ein bisschen Action würde Kalli gut stehen, findet Hofer. Zum Beispiel in einem Tatort-Klima-Thriller: "Kalli würde so oder so den Skandal aufdecken, aber die Herangehensweise mit Stuntszenen oder sowas fände ich tatsächlich mal spannend."

Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 27.11.2020, 19:35 Uhr

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