Florian Wagner

Bewusst konsumieren, Geld sparen, klug anlegen und mit 40 frei sein: Das ist der Traum der Frugalisten. Florian Wagner ist Teil dieser wachsenden Szene und sagt, das habe nichts mit Geiz und Verzicht zu tun.

Wer Florian Wagner nach seinem Lebensmotto fragt, hört keine Verzichtserklärung: "Ich möchte mein bestmögliches Leben leben und wenn es morgen vorbei ist, dann möchte ich mir nicht vorwerfen, hätte ich mal mehr gelebt." Er verzichte auf nichts, was ihm Lebensfreude gebe, nur damit er mehr sparen könne. Aber er hinterfrage sehr wohl, wie er sein Leben effizienter gestalten könne. Konkret heißt das zum Beispiel: keine Tiefkühlpizza kaufen, sondern selbst kochen, Smartphones gebraucht kaufen, auch mal etwas reparieren und sein Geld nicht auf dem Sparbuch parken.

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Florian Wagner ist bekennender Frugalist: Der 32-Jährige ist auf dem besten Weg, sich ein Vermögen aufzubauen, das bald so groß ist, dass er vom Ertrag leben kann: "Mein Ziel wäre, irgendwann Privatier zu sein, wenn man das so versteht, dass man nicht mehr den Zwang hat, für Geld arbeiten zu müssen", sagt er. Was aber nicht heißt, dass Wagner irgendwann auf der faulen Haupt liegen will. "Ich glaube, nur wenn man sein Leben aktiv gestaltet, auch jenseits der 40, wird man glücklich." Und das heißt für ihn: selbstbestimmt arbeiten, selbst entscheiden was, mit wem und wie lange gearbeitet wird.

Sparquote von 80 Prozent

1.500 Euro braucht Wagner im Monat zum Leben, wohnt als Single in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Stuttgart. Was er darüber hinaus als freiberuflicher Internet-Spezialist und aus seinen Anlagen verdient, wird gespart. So kommt er auf eine Sparquote von 80 Prozent und will mit 40 Jahren finanziell unabhängig sein. Sein Wissen über Sparpotenziale, kluge Geldanlagen und die Fragen nach einem guten Leben teilt er in seinem Blog "Geldschnurrbart". Angelehnt ist der Name an sein Vorbild Peter Adeney, der als "Mister Money Moustache" in den USA einen erfolgreichen Blog schreibt und der Wagner als jungen Wirtschaftsingenier inspiriert hat.

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Das Interview führte Uli Höhmann.

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Ist Florian Wagner ein Geizhals, der sich alle Annehmlichkeiten im Leben versagt? "Für mich ist Sparen ein super-positives Wort, ich weiß ja, ich schränke meine Lebensqualität nicht ein", sagt er. Frugalismus sei für ihn, "dass man versucht, das bestmögliche Leben für sich zu schaffen, mit dem effizientesten Einsatz seiner Ressourcen wie Zeit oder Geld."

Hinterfragen, was man wirklich will

Er habe sehr davon profitiert zu hinterfragen, "ob ich gewohnheitsmäßig mein Geld ausgebe, weil es alle so machen, oder ob ich nicht doch ehrlicher zu mir bin und mich frage: Was gefällt mir denn wirklich?" Florian Wagner nennt ein paar Beispiele: Ist es wirklich die teure Fernreise, das neueste Handy oder dauernd Essen gehen, was einen glücklich macht? Und muss man den nächsten Karriereschritt wirklich gehen, um sich all das leisten zu können? Oder will ich nicht lieber freitags frei haben?

Wagner kontrolliert für sein Ziel penibel seine Ausgaben, hebt Sparpotenziale und lässt sein Geld für sich arbeiten - langfristig und konservativ am Aktienmarkt angelegt, in ETFs zum Beispiel. Ein Zocker ist er nämlich nicht, auch wenn er mit etwas "Spielgeld" durchaus an der Börse zockt. "Aber dann weiß ich, dass ich ein Casino-Spiel betreibe."

Die turbulenten Aktienmärkte, die derzeit unter den Corona-Folgen leiden, machen Wagner keine Sorgen: Wenn man sich die letzten 100 Jahre anschaue, dann seien Finanzkrisen "ganz natürlich und treten in regelmäßigen Abständen auf", das gehöre einfach dazu. "Deshalb ist meine Strategie auch, dass ich nicht wild rumzocke und denke, Tesla steigt morgen und wenn die Aktie fällt, dann kriege ich kein Abendessen." Wagner streut sein Risiko und setzt darauf, dass die Weltwirtschaft langfristig auf jeden Fall wächst.

Auch mit Familie machbar

Wie verträgt sich Frugalismus eigentlich mit dem Beziehungs- und Familienthema? Wagner hat selbst keine Kinder, hat aber in seinem Frugalismus-Buch "Rente mit 40" Familien porträtiert, die frugal leben. "Wenn das Ziel zum Beispiel ist, einen Job zu machen, der mir mehr Spaß macht, aber weniger Geld bringt, dann kann ich das auch locker mit einer Familie machen." Klar sei aber auch: Je höher das Einkommen ist und je weniger familiäre Verpflichtungen bestehen, desto leichter lässt es sich frugal leben.

Als Wagner noch in einer Beziehung lebte, hat sich die Freundin übrigens auch irgendwann für den klugen Umgang mit Geld interessiert. Bloß nicht missionieren, rät er, sondern vorleben. Die Beziehung ist mittlerweile auseinandergegangen. "Das hatte nichts mit dem Frugalismus-Thema zu tun", beteuert er. Die Beziehung sei nicht am Geld gescheitert.

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Buchtipp

Rente mit 40 – Finanzielle Freiheit und Glück durch Frugalismus
von Florian Wagner
Econ Verlag

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Sendung: hr-iNFO Das Interview, 13.3.2020, 19:35 Uhr

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