Friedemann Fromm
Bild © Friedemann Fromm

Drei Jahre lang haben "Weissensee"-Fans auf eine Fortsetzung warten müssen. Am 8., 9. und 10. Mai strahlt die ARD nun die neue Staffel der preisgekrönten Serie um die Ost-Berliner Familie Kupfer aus. Regisseur und Drehbuchtor Friedemann Fromm blickt in den neuen Folgen auf das Wendejahr 1990.

"Ich bin der Wessi schlechthin", sagt Friedemann Fromm. Ausgerechnet er gilt als Experte für die ostdeutsche Seele. 1963 ist er in Stuttgart geboren und aufgewachsen, hatte nicht mal Verwandtschaft in der DDR. Eigentlich wollte er auch zunächst Schauspieler werden und ließ sich in New York und Amsterdam dafür ausbilden. Die Affinität zu DDR-Themen und das Wissen über den Osten hat er sich dann beim Filme machen angeeignet und ist dafür mit vielen Preisen ausgezeichnet worden.

DDR-Familien-Saga "Weissensee"

Einen Grimme-Preis und einen Emmy Award bekam er z.B. als er 2009 "Die Wölfe" drehte – ein Doku-Drama über eine Berliner Jugendbande vor dem Hintergrund der deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Das Thema hat ihn seitdem nicht mehr losgelassen. In der ebenfalls preisgekrönten DDR-Familien-Saga "Weissensee", die sich zu einer der erfolgreichsten ARD-Serien entwickelt hat, verfolgt der Regisseur und Drehbuchautor das Schicksal der Stasi-Familie Kupfer – und das schon seit einem Jahrzehnt. Die erste Staffel spielte 1980 in Ost-Berlin, nun ist die Geschichte im Jahr 1990 angekommen, kurz nach dem Mauerfall. Für Regisseur Friedemann Fromm ist der Sommer 1990 ein faszinierendes Kapitel deutsch-deutscher Geschichte: "

Weissensee Premierenfeier
V.l.n.r. Claudia Mehnert, Regisseur Friedemann Fromm, Stephan Grossmann, Hansjürgen Hürrig, Ferdinand Lehmann, vorne: Ziva-Marie Faske (r.) und Philine Steuer (l.) Bild © ARD/Ralf Succo

Da gab’s auf der einen Seite eine unfassbare Euphorie in diesem Land, Aufbruchsstimmung. Auf der anderen Seite kamen dann ganz schnell die negativen Folgen der Wiedervereinigung. Ich glaube, da liegt der Grundstein für alles, was wir heutzutage verhandeln an Ost-West-Konflikt, an politischen Verwerfungen, an gegenseitigen Schuldzuweisungen. All das hat meiner Meinung nach, da angefangen."

Er ist überzeugt: wenn man das Heute verstehen will, muss man auf das Gestern zurückblicken, auf diese "Stunde Null" im Jahr 1990. Für ihn als Filmemacher besonders spannend daran: "Für Leute aus dem Osten hatte eine völlig neue Zeitrechnung angefangen und das hat der Westen zu wenig aufgegriffen, wahrgenommen, wertgeschätzt." Hier wurzele auch viel von dem Frust und der Wut, die sich heute in Pegida und AfD ausdrücken, glaubt Fromm.

Zitat
„Für Leute aus dem Osten hatte eine völlig neue Zeitrechnung angefangen und das hat der Westen zu wenig aufgegriffen, wahrgenommen, wertgeschätzt.“ Zitat von Friedemann Fromm
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Mit den neuen "Weissensee"-Folgen möchte der Regisseur einiges zur aktuellen Debatte beisteuern. Den kollektiven Bruch in der ostdeutschen Biografie hätten wir Menschen aus dem Westen erst sehr spät verstanden – wenn überhaupt. Friedemann Fromm: "Deswegen gibt’s ja diese Klischeebilder vom Mecker-Ossi und dem Besser-Wessi – die einen haben sich zurückgezogen auf: jetzt ist mal gut. Und die anderen haben sich zurückgezogen auf: die da oben haben uns über den Tisch gezogen. Und das sind alles Menschen, die glaube ich sehr glücklich wären, wenn man ihnen mal zuhören würde."

Weissensee Premierenfeier 2
Hintere Reihe v.l.n.r. Redakteur Wolfgang Voigt, Florian Stetter, Intendantin des MDR Prof. Karola Wille, Claudia Mehnert, Produzentin Regina Ziegler, Friedemann Fromm, Jördis Triebel, Stephan Grossmann, Programmdirektor Volker Herres, Hansjürgen Hürrig, Fernsehfilmchefin Jana Brandt, Programmdirektor MDR Wolf-Dieter Jacobi, Redakteurin Johanna Kraus. Vordere Reihe v.l.n.r. Moderatorin Jessy Wellmer, Produzent Marc Müller-Kaldenberg, Ferdinand Lehmann, Florian Lukas, Ziva-Marie Faske, Ruth Reinecke, Philine Steuer, Lisa Wagner. Bild © ARD/Ralf Succo

Fromm hat das getan bei seinen Recherchen für die Drehbücher zu "Weissensee" und am Set viel mit seiner ostdeutschen Crew diskutiert, erzählt er: "Da gab’s harte Auseinandersetzungen, oft auch zwischen den Schauspielerinnen und Schauspielern, weil jeder die DDR absolut individuell erlebt hat. Dieser gemeinsame Nenner, was ist die DDR gewesen, der ist gar nicht so wahnsinnig groß."

Weitere Informationen

"Weissensee" Sendetermine

Di. 08.05. 20:15 Uhr
Di. 08.05. 21:50 Uhr (Doku)
Mi. 09.05. 20:15 Uhr
Do. 10.05. 20:15 Uhr

Ende der weiteren Informationen

Schauspieler wie Uwe Kockisch, Ruth Reinicke, Anna Loos, Florian Lukas oder Jörg Hartmann sind es, die Geschichte greifbar machen über die Figuren, die sie grandios spielen. Friedemann Fromm gehört heute zu den gefragtesten und erfolgreichsten Regisseuren in Deutschland. Er beherrscht den Spagat zwischen Qualität und Quote. Letzteres macht ihn allerdings vor jeder Premiere immer noch ein wenig nervös:

"Ich habe feuchte Hände, Lampenfieber, schlafe schlecht, das volle Programm", gesteht er, "ich habe Respekt vor der Quote."

Sendung: hr-iNFO, 04.05.2018, 19.35 Uhr

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