Friederike Otto
Dr. Friederike Otto Bild © Bettina Kasten

Wie viel Klimawandel steckt in unserem Wetter? Klimaforscher haben sich lange schwer getan mit klaren Antworten auf diese Frage. Friederike Otto gibt sie. Zusammen mit ihrem Team erforscht sie, ob Extremwetter durch die globale Erwärmung wahrscheinlicher wird.

Eine halbe Stunde lang haben wir uns unterhalten und ich spüre, wie viel Kraft und Begeisterung von der 1982 in Kiel geborenen Forscherin ausgeht. 'Die macht ihr Ding!', geht mir durch den Kopf, und sie macht es aus Überzeugung.

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Am Ende frage ich sie, was sie eigentlich ist: Forscherin, Aufklärerin oder auch ein bisschen Aktivistin? Wie viel Otto steckt wo drin? Kurzes Schweigen in der Leitung, die mein Studio in Frankfurt mit dem der BBC in Oxford verbindet. Dann ruft sie: "Ich bin ein Mensch! Das kann man doch nicht trennen." Natürlich sei es sehr wichtig, sich an wissenschaftliche Methoden zu halten, aber sie sei eben auch ein Mensch und wolle "in einer Welt leben, die so schön wie möglich ist. Und den Klimawandel zu begrenzen, ist ein wichtiger Teil dafür."         

Ein "supersimples" Prinzip

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Zur Person

Friederike Otto ist 1982 geboren und schloss ein Diplomstudium der Physik und ein Promotionsstudium der Philosophie an der Freien Universität Berlin ab. Sie ist Mitbegründerin der Zuordnungsforschung, mit deren Hilfe die Zuordnung von Extremwetterereignissen zum Klimawandel möglich ist. Heute leitet sie geschäftsführend das Environmental Change Institute der Universität Oxford.

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Um das zu erreichen, teilt Sie ihr Wissen. Ihr aktuelles Buch "Wütendes Wissen" ist eine gut lesbare Einführung in ihre Klimaforschung und die Hintergründe. Es wurde schon als Argumentationshilfe für die "Fridays for Future"-Bewegung bezeichnet. Damit kann Friederike Otto, die ihre Mails mit Fredi unterschreibt, gut leben.          

Zusammen mit ihrem Team in Oxford erkundet sie, ob Extremwetter durch die Erderwärmung wahrscheinlicher wird. Damit ist sie der Kopf einer neuen Forschungsrichtung: der Attribution-Science, der Zuordnungswissenschaft. Mit großen Datenmengen und noch mehr Rechnerleistung entwickelt die Forscherin Methoden, aus denen sich ablesen lässt, wie viel Klimawandel in unserem Wetter steckt.

Im Prinzip sei das "supersimpel" - es kommen immer zwei Modellrechnungen ins Spiel. Beispiel Sommer 2018: Die erste Frage sei, was die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer solchen Hitzewelle sei in dem Klima, in dem wir heute leben - "also mit menschengemachtem Klimawandel". Dazu werde dann mithilfe von Klimamodellen simuliert, was mögliche Sommertemperaturen in Nordeuropa im Jahr 2018 sind. "Und dann kriegen wir raus, dass die Temperaturen in Kopenhagen, die wir gemessen haben, ungefähr alle fünf Jahre zu erwarten sind", erklärt Otto.

Fakten statt diffusem Bauchgefühl

In unserer realen Welt mit einer CO2-Konzentration in der Atmosphäre, die so hoch ist wie noch nie, müssen die Menschen in Kopenhagen also etwa alle fünf Jahre mit der großen Hitze rechnen. Jetzt stellt Otto das Modell einer Welt ohne Treibhausgase daneben. Alles bleibt gleich, nur die Treibhausgase aus der Atmosphäre werden rausgenommen, sagt Otto. Das Ergebnis: In einer Welt ohne Klimawandel wären die Temperatur in Kopenhagen aus dem Jahr 2018 nur "ungefähr alle 40 Jahre zu erwarten."

Ich verstehe: Da der vom Menschen gemachten Anteil von Treibhausgasen das einzige ist, was im Modell zwei fehlt, ist klar, dass der Klimawandel den Unterschied macht - er macht so eine Hitzewelle wie 2018 in Kopenhagen deutlich wahrscheinlicher.

Friederike Otto will mit ihrer Forschung und mit ihrem Buch das allgemeine, diffuse Bauchgefühl über die Ursachen von Extremwetter durch Fakten ersetzen, Klimaleugnern und Weltuntergangspropheten den Wind aus den Segeln nehmen: "Wenn über Klimawandel geredet wird, dann ist es entweder dargestellt als große Katastrophe, die morgen über uns so hereinbricht, dass die Menschheit ausstirbt - oder es ist etwas, was in ferner Zukunft irgendwo anders stattfindet und uns eigentlich überhaupt nichts angeht." In ihrem Buch habe sie versucht zu zu zeigen, "dass es weder noch ist, sondern dass der Klimawandel sehr real ist und jetzt stattfindet."

Friederike Otto sieht aber auch, dass es noch ein kleines Zeitfenster gibt, um die Folgen des Klimawandels zu beschränken und für die Menschen in einem erträglichen Rahmen zu halten.       

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