Friedrich Merz richtet seine Fliege, er ist im Profil zu sehen

Dass er wegen seiner Kritik an der Verschiebung des CDU-Parteitags mit Donald Trump verglichen wurde, zeige den inzwischen "verengten politischen Meinungskorridor", so Friedrich Merz. Er drängt darauf, die Führungsfrage schnell zu klären, denn das lange Warten tue der Partei nicht gut.

Seine scharfe Reaktion auf die Verschiebung des Parteitags der CDU hat dem Politiker den Titel "Sauerland-Trump" eingebracht: Die Verschiebung habe mit der Pandemie nichts zu tun, so der CDU-Politiker, es gehe aber Teilen des "Partei-Establishments" darum, ihn als Vorsitzenden zu verhindern.

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Friedrich Merz (CDU), Vorsitzender Atlantik-Brücke, vor der Verleihung des Eric-M.-Warburg-Preises.
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Merz erklärt die Entscheidung, die mit den steigenden Corona-Infektionszahlen begründet wird, außerdem zu einen Akt "gegen die CDU-Basis". Dort verspürt er starken Rückhalt. Merz, der Mann des (Partei-)Volks, der gegen das Establishment antritt: Dieses Bild zeichnet der ehemalige Fraktionsvorsitzende von sich. Das erinnerte manche an die Wahlkampf-Strategie Donald Trumps.

"Verengter politischer Meinungskorridor"

Ein Vergleich, der Merz getroffen hat: "Wenn die Verwendung des Wortes 'Establishment' dazu führt, dass ein Politiker oder der Bewerber um ein Amt in der deutschen Politik mit Trump verglichen wird ... und nun ausgerechnet ich", so Merz im Interview mit hr-iNFO. Er habe schließlich darauf gedrängt, dass die Regeln eingehalten würden. Man sehe an diesem Beispiel, dass offensichtlich "mittlerweile in unserem verengten politischen Meinungskorridor, in dem wir uns noch bewegen dürfen, schon Worte genug [sind], um solche Reaktionen auszulösen", meint er. "Das könnte mich jetzt amüsieren, wenn dahinter nicht etwas anderes steckt, nämlich die ganz systematische Verengung dieses Spektrums, in dem wir noch etwas sagen dürfen."

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Das Interview mit Friedrich Merz führte Franka Welz (hr-iNFO-Studio Berlin).

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Auf Nachfrage, was er mit der "systematischen Verengung" meine, sagt der CDU-Politiker, dass die Menschen offensichtlich dünnhäutig geworden seien, so dass schon Worte genügten, um die Nerven blank liegen zu lassen.  

"Der Partei tut's nicht gut"

Dass der Unmut über die Absage des Parteitags an der Parteibasis groß ist, beobachten Merz und sein Team an den eingehenden Reaktionen: "Wir haben aufgehört zu zählen, es hat hunderte von Nachrichten, E-Mails, WhatsApps, SMS gegeben, sowohl an mich persönlich als auch an mein Team. Wir sind jetzt nicht mehr in der Lage, das alles zu beantworten."

Von dem Vorschlag einiger seiner Unterstützer, gegen die Absage des Parteitags juristisch vorzugehen, hält Merz jedoch nichts: "Ich bin nun wirklich überzeugter und begeisterter Jurist, aber politische Fragen kann man nicht mit juristischen Mitteln lösen."

Inzwischen hält Friedrich Merz auch einen digitalen Parteitag der CDU für möglich. Er drängt darauf, dass die Führungsfrage in der Partei jetzt schnell geklärt wird. "Wir befinden uns im Grunde genommen jetzt schon viel zu lange in diesem Prozess", so Merz, "und langsam liegen die Nerven blank bei vielen in der Partei. Bei mir nicht, ich kann das jetzt auch nochmal sechs Monate aushalten, aber der Partei tut's nicht gut."

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Buch

"Neue Zeit. Neue Verantwortung. Demokratie und Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert"
Von Friedrich Merz
Econ-Verlag
(erscheint am 2.11.)

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Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 28.10.2020, 19:35 Uhr

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