Heiko Müller

Frühmorgens auf dem Rennrad durch den Odenwald zu fahren, ist seine Definition von Glück; hochwertige E-Bikes für eine neue Mobilität sind seine Vision. Müller ist Mitbegründer des hessischen Unternehmens Riese & Müller, das in diesem Jahr etwa 70.000 E-Bikes verkaufen wird.

"Wir werden noch viel mehr Fahrzeuge erleben, die ein eigenständiges Design haben, die sich vielleicht auch von ihrer ganzen Anmutung her noch mehr vom Fahrrad weg bewegen", sagt Heiko Müller. Fahrzeuge, die sehr einfach verstellbar seien für verschiedene Körpergrößen.

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Für ihn sei der Vespa-Roller aus den 60er-Jahren immer so ein Vorbild gewesen. "Dieses universelle Fahrzeug, wo sich eigentlich jeder draufsetzen konnte." Das habe man beim E-Bike noch nicht erreicht. Aber er könne sich vorstellen, dass so ein Fahrzeug kommen wird, "sodass man ganz selbstverständlich ein E-Bike für alle Nutzer sehr bequem nutzen kann." Da sei noch viel Luft nach oben "und da wird sich viel in den nächsten Jahren noch entwickeln", meint Müller.

Schub durch Corona-Krise

Riese & Müller, der E-Bike Hersteller aus Mühltal in der Nähe von Darmstadt, wird dabei sein. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen in ein neues Werk investiert und beschäftigt dort inzwischen gut 550 Mitarbeiter. Seit dem Start der beiden Maschinenbau-Studenten Markus Riese und Heiko Müller 1993 hat sich viel getan. Das erste Rad war Birdy, das Faltrad, entwickelt in der Garage der Eltern. In diesem Jahr wird das Unternehmen etwa 70.000 E-Bikes verkaufen, Stückpreise von etwa 3.500 bis 10.000 Euro.

Deutschlandweit hatte schon im vergangenen Jahr fast jedes dritte verkaufte Rad einen E-Motor. Während der Corona-Krise hat dieser Trend noch einen Schub erhalten, sagt Müller. Die Fahrradbranche habe sehr profitiert vom Umdenken in der Bevölkerung. "Aber Corona hin oder her, das ist ein  wichtiger Schritt, dass das jetzt endlich passiert", sagt Müller.

Räder, die Autos ersetzen

Es sei für die Umwelt, für die Mobilität, für die Entlastung der Städte extrem wichtig, dass deutlich mehr Leute umsteigen. Und dafür seien neben der Infrastruktur eben auch entsprechende Fahrzeuge nötig. "Da sehen wir unseren Part, dass wir eben optimale Konzepte liefern, mit dem man seine Wege machen kann, seine Mobilität organisieren kann."

Für Müller ist klar: Gut für die Umwelt und eine Entlastung für die Städte können E-Bikes nur dann sein, wenn sie Autos ersetzen. Und da sieht er seine Räder: bei der Mobilität, beim Pendeln zur Arbeit, beim Einkaufen mit einem Cargo-Bike oder auch beim nächsten Urlaub, bei dem das Auto in der Garage bleibt. Das war schon immer die Philosophie von Riese & Müller.  

"Wir haben von Anfang an entschieden, dass wir uns auf den Bereich der Mobilität fokussieren mit unseren Produkten", sagt Müller. Sie hätten nie Fahrräder nur für den sportlichen Einsatz gemacht, sondern immer "die Vision gehabt, Leute auf das Fahrrad zu bringen". Weg vom Auto, die Strecken des Alltags mit dem Rad machen - "das war immer unsere unternehmerische Vision, die wir hatten."

Erfreuliche Entwicklungen

2008 kamen die ersten E-Bikes von Riese & Müller auf den Markt, inzwischen werden in Mühltal außer Birdy, dem Faltrad keine herkömmlichen Fahrräder mehr gebaut. Müller setzt auf das E-Bike und eine neue Mobilität.

Seine Hoffnung ist, dass auch der Ausbau der Infrastruktur für Fahrräder nun einen Schub bekommt. Hier habe es in den letzten Monaten erfreuliche Entwicklungen gegeben: "dass tatsächlich sogenannte Pop-Up-Lines für Fahrradfahrer geöffnet wurden, in Berlin zum Beispiel, wo einfach komplette Autofahrspuren für Fahrräder freigegeben wurden." Und das "quasi über Nacht, das ging auf einmal ganz schnell, wo sonst jahrelange Planungsverfahren zu absolvieren sind. Da ist wirklich viel passieren in der letzten Zeit." Jetzt könne man nur hoffen, "dass diese Anfangseuphorie, so will ich das jetzt mal nennen, beibehalten wird."    

Für Heiko Müller ist so eine neue Mobilität längst Alltag. Zur Arbeit fährt er regelmäßig mit seinem Cargo-Bike, das ist praktisch fürs Einkaufen auf dem Weg. Am Wochenende aber braucht er keinen Motor: "Ich bin in meiner Freizeit passionierter Rennradfahrer und auch Mountainbiker." Wenn er auf seinem Rennrad sitze und am Samstagmorgen gegen sechs Uhr in den Odenwald fahre, "dann kann ich abschalten oder meinen Gedanken freien Lauf geben, das ist für mich wirklich Erholung pur." 

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 8.7.2020, 19:35 Uhr

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