Helge Braun
Helge Braun Bild © picture-alliance/dpa

Helge wer? So klang es noch vor zwei Wochen, als durchsickerte, dass Braun der neue Chef des Bundeskanzleramts werden soll. Bisher hat der CDU-Politiker eher im Hintergrund die Strippen gezogen. Unser Korrespondent hat mit ihm über Loyalität zur Kanzlerin, Digitalisierung und seine hessische Heimat gesprochen.

Helge Braun kommt gut gelaunt zum Interview ins Hauptstadtstudio. Es läuft bei dem 45-Jährigen aus Gießen. Abgeordneter, Wahlkreis direkt geholt, erst Staatsminister im Kanzleramt, künftig Chef des Hauses im Rang eines Bundesministers. Helge Braun gehört zum engen Kreis um Kanzlerin Angela Merkel. Die Politik hat Braun von der Pike auf gelernt, Junge Union, Kreisvorsitzender in Gießen, CDU-Kreistagsfraktion. 2002 zum ersten Mal der Sprung in den Bundestag.

Sein Beruf war aber eigentlich mal ein anderer. Braun ist Doktor der Medizin. Hat als Anästhesist gearbeitet. Ein Narkosearzt als Chef des Kanzleramts, ist das so eine gute Idee? Braun lächelt verschmitzt. Der Anästhesist sei ja in erster Linie dafür verantwortlich, dass alle wieder aufwachen. "Da kann man viel draus mitnehmen. Narkoseärzte, auch Notärzte, sind welche, die in der Lage sind, in schwierigen Situationen Ruhe zu bewahren. Insofern ist das eine gute Schule für die Arbeit im Kanzleramt."

Loyalität im Kanzleramt

Die Ruhe und Gelassenheit strahlt Helge Braun auch aus. Groß und breit, Kategorie Fels in der Brandung. Die Stimme ruhig, die Worte überlegt. Ein "Vertrauter der Kanzlerin" sei er, ein ganz "loyaler" Politiker, heißt es. Das will ich genauer wissen. Was heißt denn loyal im politischen Geschäft, in dem man auch mal die Ellenbogen ausfahren muss, um weiterzukommen? "Was ich sehr geschätzt habe, als ich ins Kanzleramt kam: dass es mit der Bundeskanzlerin und mit engen Vertrauten dort wirklich möglich ist, Politik zu denken, neue Pläne zu schmieden, das vertraulich zu tun", sagt Braun. "Das hat mir große Freude gemacht in den letzten Jahren."

Helge Braun mit hr-iNFO-Hauptstadtkorrespondent Christoph Scheld
Helge Braun mit hr-iNFO-Hauptstadtkorrespondent Christoph Scheld Bild © hr

Und deshalb will er auch weitermachen im Kanzleramt. Trotzdem wird er umziehen: vom vierten in den fünften Stock, hoch in das größere Büro des Chefs des Hauses. Damit wachsen auch die Aufgaben. Braun soll das Mega-Thema Digitalisierung in der Bundesregierung koordinieren. Gemeinsam mit der neuen Digital-Staatsministerin Dorothee Bär von der CSU. Die soll ihm zur Seite gestellt werden und ihre volle Arbeitskraft der Digitalisierung widmen. "So ist sichergestellt, dass wir in der Digitalkoordinierung keine Zeit verlieren. Auch dann, wenn ich keine Zeit habe, ist sie da. Und wenn's schwierig wird, bin ich da", sagt Braun. Zwei Leute im Kanzleramt also, kein eigenes Ministerium. Und das, obwohl die Digitalisierung doch das Zukunftsthema schlecht hin sei, wie alle Politiker ständig sagen.

"Ein Digitalministerium war keine Alternative"

Braun weist die Kritik an den geplanten Zuständigkeiten zurück. Digitalisierung verändere alle Lebensbereiche. "Die Vorstellung, dass man vom Breitbandausbau bis zur Cybersicherheit alles in ein neues Ministerium steckt und die anderen analog zurücklässt, das war wirklich keine Alternative." Und da sei es doch besser, im Kanzleramt über die Grenzen der Ministerien hinweg zu koordinieren. Da liegt viel Arbeit vor Helge Braun. Denn Deutschland hinkt hinterher beim Breitbandausbau, bei der Digitalisierung insgesamt. Und so könnte der 45-Jährige künftig noch weniger Zeit für seine mittelhessische Heimat haben.

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Dafür kann er die Sorgen und Nöte der Region von dort aber ganz nach oben tragen: "Das sind alles Erfahrungswerte, die kann man dann eins zu eins wirklich zentral in der Politik unterbringen. Das heißt, so ein bisschen mehr Gehör als andere finden Gießener Argumente schon." Und wenn der kräftig gebaute Bundesminister dann doch direkt im Wahlkreis nach dem Rechten sieht, dann bleibt immer auch ein bisschen Zeit für ein Glas Bier und ein gutes Essen.

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Sendung: hr-iNFO, 7.3.2018, 19:35 Uhr

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