Horst Klee (CDU)
Nach 25 Jahren im Parlament trat Alterspräsident Horst Klee (CDU) zur letzten Landtagswahl nicht wieder an. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die konstituierende Sitzung des Landtags am 18. Januar wird ein AfD-Abgeordneter als Alterspräsident eröffnen. Zuvor galt dieses Privileg Horst Klee (CDU). Doch der wollte nicht mehr Abgeordneter sein - trotz guter Erfolgschancen.

Dreimal war Horst Klee zum Auftakt einer Wahlperiode der älteste Abgeordnete im Hessischen Landtag und damit der sogenannte "Alterspräsident". Dreimal also hat er zum Auftakt der ersten Parlamentssitzung gefragt, "ob jemand vor dem 17. November 1939 geboren ist". Das ist Klees Geburtsdatum. Und da sich niemand meldete, war er dreimal Alterspräsident. Dieser hat das Privileg, die erste Sitzung zu eröffnen und einige grundsätzliche Worte an das Parlament zu richten, bevor dann ein neuer Landtagspräsident für die gesamte Legislatur gewählt wird.

Der jetzt 79-jährige CDU-Politiker wäre auch am kommenden 18. Januar, wenn der neu gewählte Hessische Landtag erstmals zusammentritt, wieder Alterspräsident – wenn er gewollt hätte. Aber Horst Klee hat bei der Landtagswahl 2018 aus Altersgründen nicht wieder kandidiert. Gewählt worden wäre er in seinem Wiesbadener Wahlkreis mit Sicherheit wieder. In früheren Jahren holte er dort Ergebnisse von 40 Prozent und mehr.

Ein gutes Bild nach außen vermitteln

Der gelernte Gartenbau-Ingenieur ist das, was man als "parlamentarisches Urgestein" bezeichnet. Seit 1993 sitzt er im Landtag: ein Abgeordneter, dessen Populärität vor Ort auf viele Vereinsaktivitäten im Sport oder in der Fastnacht zurückgeht. "Ich habe viele Menschen erreicht, die sonst mit Politik nichts zu tun haben“, sagt Klee. "Ich muss in der Lage sein, morgens mit einem Vorstandsvorsitzenden zu sprechen und abends an der Theke mit den Schichtarbeitern, um zu hören, was sie beschäftigt." Das komme bei vielen Abgeordneten heute zu kurz, fügt er hinzu. Viele Politiker seien zu sehr verplant, der Kontakt zur Bevölkerung leide.

Als Abgeordneter der alten Schule stört ihn aber auch, wie sich der Landtag teilweise darstellt. Besuchergruppen würden sich wundern, dass im Parlament am Laptop gearbeitet werde, dass manche Abgeordnete während der Sitzung Zeitungen läsen und andere mit dem Smartphone hantieren würden. Horst Klee liest seinen Ex-Kollegen da ziemlich die Leviten. Er erwarte, dass Mandatsträger darüber nachdenken, welches Bild sie nach außen vermitteln.

Am 18. Januar zieht die AfD erstmals in den Hessischen Landtag ein. AfD steht bei Horst Klee für "Armutszeugnis für Deutschland". Dennoch muss er auf der Zuschauer-Tribüne erleben, dass ein AfD-Mann ihn als Alterspräsident beerbt: Der AfD-Abgeordnete Rolf Kahnt ist Jahrgang 1945 und wird damit als Ältester die ersten Worte an den neuen Landtag richten.

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 9.1.19, 19:35 Uhr

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