Ines Geipel

Dass die Menschen in Ostdeutschland so wütend sind, dafür gibt es viele Gründe. Die in Dresden geborene Schriftstellerin Ines Geipel macht dafür den "inneren Hitler" verantwortlich, den die DDR bei vielen Ostdeutschen "konserviert" habe.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Ines Geipel – Ex-DDR-Spitzensportlerin und Schriftstellerin

Das Interview Symbolbild
Ende des Audiobeitrags

Viele kennen Ines Geipel als frühere DDR-Spitzensportlerin. Mit der 4x100-Meter-Staffel errang sie einen Weltrekord, den sie aber heute nicht mehr mit ihrem Namen in Verbindung bringen will. Denn Ines Geipel wurde gedopt, mit Hormonen behandelt, ohne ihr Wissen, gegen ihren Willen. Lange hat sich Ines Geipel für die Entschädigung von Doping-Opfern eingesetzt, bis vor kurzem auch als Vorsitzende des Vereins Doping-Opfer-Hilfe. Gleichzeitig hat sie sich als Schriftstellerin intensiv mit den Biographien der Ostdeutschen vor und nach dem Mauerfall beschäftigt.

Eine Kindheit voller Gewalt

In ihrem neuen Buch "Umkämpfte Zone" schreibt sie über ihre eigene Familie. Der Tod ihres jüngeren Bruders wird zum Ausgangspunkt für Erinnerungen an eine Kindheit voller Gewalt. Zwei Großväter bei der SS, ein Vater bei der Stasi und immer wieder Misshandlungen – so wachsen Ines Geipel und ihr Bruder in Dresden auf. Nur die innige Liebe der Geschwister und später zu Kunst und Literatur halten die beiden am Leben.

Doch besonders extrem sei ihre Familiengeschichte nicht, sagt Ines Geipel, eher "symptomatisch" für die DDR. Denn dort sei die nationalsozialistische Vergangenheit nicht bewältigt, sondern "in den Westen abgeschoben" worden. Die DDR habe bei vielen im Osten "den inneren Hitler konserviert". Daher gebe es eine "Gewalt-Lust des Ostens", die sich immer stärker bemerkbar mache. Die doppelte Belastung durch zwei Diktaturen sei nie wirklich bearbeitet worden, beklagt Geipel. Dabei sei genau das der Grund für den Hass und die Anfälligkeit für Rechtsextremismus im Osten Deutschlands.

Weitere Informationen

"Umkämpfte Zone – Mein Bruder, der Osten und der Hass"
Ines Geipel, Klett-Cotta Verlag, 20 Euro

Ende der weiteren Informationen

Ihre radikale Analyse des gesellschaftlichen Klimas in Ostdeutschland verknüpft Ines Geipel mit den sehr persönlichen Erinnerungen und Gewalt-Erfahrungen aus ihrer eigenen Familie. "Das alles gehört an den Familientisch und es muss auch öffentlich gesagt werden", fordert Ines Geipel. Darin war sie sich am Ende seines Lebens auch mit ihrem Bruder einig.

Sendung: hr-iNFO, 15.3.2019, 19.30 Uhr

Jetzt im Programm