Generalkonsul Jim Herman
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Das amerikanische Konsulat in Frankfurt ist das größte seiner Art weltweit. US-Generalkonsul James Herman verlässt jetzt nach drei aufregenden Jahren Deutschland. Hier, sagt er, habe er den Aloha-Spirit wiedergefunden.

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Die Deutschen haben den echten Aloha-Spirit der Hawaiianer, sagt James Herman, dessen Zeit als US-Generalkonsul Frankfurt jetzt nach rund drei Jahren endet. Er selbst hat seine prägenden Kinderjahre in Hawaii erlebt. Der einzige US-Bundesstaat, in dem Weiße nicht die Mehrheit stellen. Eine Kultur, die von gegenseitigem Respekt und Lebensfreude geprägt ist. Seine Frau, die aus Japan stammt, und er selbst lieben diesen Aloha-Spirit, den sie ausgerechnet in Deutschland wiedergefunden haben.

hr-iNFO: Welche Sicht auf die USA und die Welt haben Sie in Ihren Teenager-Jahren in Texas mitbekommen?

James Herman: Eigentlich habe ich mein Weltbild eher von Hawaii. Da habe ich im Alter von 2 bis 8 Jahren gelebt, sehr prägende Jahre für ein Kind. Hawaii ist der einzige US-Bundesstaat, wo Weiße nicht die Mehrheit stellen. Da lernt man, dass die Hautfarbe unwichtig ist. Man lernt, miteinander auszukommen, weil die Inselbevölkerung so gemischt ist. Ich habe das Meer lieben gelernt, und ich habe den Aloha-Spirit kennengelernt. Der begegnet mir hier in Deutschland auch überall – das ist ein Geist des Respekts, des Willkommens, des würdevollen Umgangs mit anderen. Und auch in Deutschland ist der Schlüssel zum Aloha-Spirit die Lebensfreude.

hr-iNFO: Das US-Konsulat in Frankfurt ist das größte der Welt. Wieso?

James Herman: Wir unterstützen 180 ganz unterschiedliche diplomatische Posten rund um den Globus. Wenn beispielsweise in Bangui, in Afrika, ein Computersystem zusammenbricht und wir da keinen IT-Spezialisten haben, der das reparieren könnte. Dann setzen wir hier einen ins Flugzeug, der da hinfliegt. Als die Russen zum Beispiel unsere Diplomaten aus Sankt Petersburg rausgeschmissen haben, haben wir 20 Leute von hier aus losgeschickt, um beim Packen zu helfen. Der wichtigste Grund, warum wir hier so groß und so wichtig sind, ist also der Frankfurter Flughafen. Von hier aus können wir jederzeit in ein paar Stunden überall in der Welt sein. Hier gibt es auch das größte Frachtzentrum, deshalb schickt uns das Außenministerium oft Material, das wir dann von hier weiterverteilen. Wir sind ein Logistik-Hub.

hr-iNFO: Wenn Sie vor gut einem Jahr vor einer Gruppe Deutscher gestanden haben, haben Sie sicher schon in ihren Gesichtern gesehen, dass alle an den neuen Präsidenten Donald Trump denken, und dass sie ihn mehrheitlich nicht besonders mögen. Was haben Sie zur Eröffnung eines solchen Abendessens gesagt?

James Herman: Wir haben da eine Tradition: Wir fangen immer mit einer Vorstellungsrunde ein, weil sich nicht alle kennen, und stellen dabei eine Eingangsfrage. Und in den ersten sechs Monaten nach der Wahl lautete diese Frage: Was ist das Beste an der Präsidentschaft von Donald Trump? Die meisten haben geantwortet: Dass viel mehr Menschen sich für Politik interessieren und sich politisch engagieren.

hr-iNFO: Waffen gehören zu den Dingen, in denen die meisten Amerikaner und Deutschen unterschiedlicher Meinung sind. Nach der Wahl von Trump hatten viele Deutsche das Gefühl, dass sich da eine Kluft auftut. Was verbindet uns, was ist der Kern unserer Partnerschaft?

James Herman: Für mich bilden unsere demokratischen Ideale den Kern unserer Partnerschaft. Und es ist eine Stärke dieses Verhältnisses, dass wir viele Dinge unterschiedlich sehen. Das ist für mich die beste Partnerschaft, wenn zwei Völker offen und ehrlich über unterschiedliche Sichtweisen diskutieren können. Ich hatte mit Deutschen viele harte Diskussionen, aber es ist eine Freude mit Menschen zu diskutieren, die einander zuhören und sich gegenseitig respektieren. Ich finde, es sollte diese beiden unterschiedlichen demokratischen Modelle in der Welt geben. Und es ist viel leichter für uns, miteinander zu diskutieren, als mit China oder Russland. Wir interpretieren die demokratischen Werte für uns jeweils unterschiedlich, wir sollten weiter fragen, was für unsere jeweilige Kultur jeweils passt.

hr-iNFO: Ihr Chef, der neue Botschafter, ist gerade in Berlin angekommen – wenn Sie ihn demnächst treffen, was werden Sie ihm sagen, wenn er fragt: Wie sind denn diese Deutschen?

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James Herman: Die Frage lautet meistens anders: Was war ihre größte Überraschung mit den Deutschen? Und dann antworte ich: Dass Die Deutschen Sinn für Humor haben. Sie lachen gerne. Das war wirklich eine Überraschung. Ich lache schließlich gern, und mir haben vorher alle gesagt: Mit diesen Deutschen wird das schwer, die lachen nicht. Aber die Deutschen lachen doch, entweder mit mir oder über mich – das ist beides okay. Das werde ich dem Botschafter sagen: Die Deutschen werden Ihnen kritische Fragen stellen, sie werden Sie fordern, aber Sie werden am Ende mit Ihnen lachen und Sie werden Freunde werden.

Das Interview führte Eberhard Nembach.

Sendung: hr-iNFO, 09.05.2018, 19.35 Uhr

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