Portrait der Schriftstellerin Jasmin Schreiber

Ihr erster Roman "Marianengraben" erschien kurz vor der Corona-Krise und wurde dennoch zum Bestseller. Oder gerade deshalb? Offenbar trifft Jasmin Schreiber das Lebensgefühl dieser Tage.

In ihrer Frankfurter Wohnung stehen zur Zeit über 80 Zimmerpflanzen und dreizehn Terrarien - mit Asseln und Larven, Schnecken und Gottesanbeterinnen. Besondere Lieblinge hat die studierte Biologin Jasmin Schreiber nicht unter ihnen: "Ich begeistere mich für alles, was lebt". Auch ein Hamster und ein Hund gehören zu ihrer Wohngemeinschaft. Wegen Corona und weil sie mit einer Vorerkrankung zur Risikogruppe gehört, ist Jasmin Schreiber zur Zeit sehr viel in ihrer Wohnung. Mal mit dem Hund raus, mal kurz einkaufen. Aber auch das sei mit den vielen Lockerungen schwieriger geworden: "Im Supermarkt sind Volksfeste, da kann ich nicht mehr hingehen."

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Jasmin Schreiber – Biologin und Schriftstellerin

Biologin und Schriftstellerin Jasmin Schreiber
Ende des Audiobeitrags

Eigentlich sollte Schreiber jetzt auf Lesereise sein mit ihrem ersten Roman "Marianengraben", der kurz vor der Corona-Krise erschienen ist. Völlig überraschend stieg das Buch auf Platz 13 der Spiegel-Beststellerliste ein und hält sich seither in den Top 20. Trifft die Autorin mit ihrem Debut die momentane Stimmungslage? "Nein, das ist einfach das Leben." In der Geschichte von Paula, Ende 20, und Helmut, 83, geht es um Tod und Trauer, um Liebe und Verstehen. Die beiden treffen sich auf einem Friedhof, weil Paula ihren kleinen Bruder und Helmut seine Lebensgefährtin verloren hat. Die Sprache der Trauer verbindet sie und sie beginnen eine gemeinsame Reise. "Eigentlich hasse ich Roadmovies", sagt Schreiber lachend, "ich weiß nicht, wie mir das passieren konnte." 

 "Es gibt da nicht nur unglaubliche Traurigkeit"

Mit dem Tod hat Jasmin Schreiber einige Erfahrung gesammelt als ehrenamtliche Sterbebegleiterin und als Fotografin von "Sternenkindern", die vor oder während der Geburt gestorben sind. "Das ist ein Thema, mit dem ich umgehen kann, und bei dem ich den Leuten helfen kann, und es gibt da nicht nur unglaubliche Traurigkeit, sondern auch viel Lachen." Wie ihre Romanheldin Paula kennt auch Schreiber Zeiten der Depression. "Es gibt viele Dinge, die ich nicht schaffe", sagt sie. 

Weitere Informationen

Buchtipp

Jasmin Schreiber, "Marianengraben"
Eichborn Verlag, 20 Euro

Ende der weiteren Informationen

Statt der geplanten Lesereise macht Schreiber jetzt Kultur im Netz, gibt Tipps bei Twitter und veranstaltet selbst Lesungen im Pyjama. Nicht nur die Autorin selbst ist dann im Schlafanzug zu sehen, auch von ihrem Publikum erwartet sie das, weil eine Online-Lesung eben ein "anderes Setting" sei. "Man zieht sich ja kein Kostüm an und setzt sich vor den Rechner." Auch an einem neuen Roman schreibt sie schon. Doch mit der Corona-Krise habe der nichts zu tun. "Wir sind ja mitten drin in der Pandemie und das muss man ja erst mal verarbeiten." Außerdem: "Wenn es nur noch Corona, Corona gibt, dann verliere ich den Verstand."

Sendung: hr-iNFO Das Interview, 4.5.2020, 19:35 Uhr

Jetzt im Programm