Flasbarth
Hauptstadtkorrespondentin Sabine Müller und Jochen Flasbarth Bild © hr

Er gilt als gewiefter Unterhändler: Flasbarth ist als Teil der deutschen Delegantion beim Weltklimagipfel in Kattowitz dabei. Im Gespräch erzählt er, weshalb der Gipfel kompliziert wird, warum die internationale Gemeinschaft gnädig gegenüber Deutschland ist und wieso er Enid Blyton seine Karriere verdankt.

Wenn sich einer mit Klimaverhandlungen auskennt, dann ist es Jochen Flasbarth. 2015 in Paris war er eine Schlüsselfigur, er ist einer der erfahrensten und kundigsten Staatssekretäre. Aber im Interview mit hr-iNFO ist sich Flasbarth sicher: In Kattowitz wird auch er manchmal nur Bahnhof verstehen: "Inhaltlich ist das in weiten Teilen so speziell und so technisch, dass wenn man in bestimmten Diskussionssträngen nicht pausenlos drin ist, man das nicht erfassen kann. "

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Wie genau misst man zum Beispiel eine Tonne CO2-Ausstoß, ist das überall auf der Welt gleich? Diese und andere Fragen müssen geklärt werden, um ein faires und transparentes internationales Regelwerk für die Emissions-Einsparungen zu erstellen. Immer gut gebrieft zu sein, ist auf solchen Gipfeln unerlässlich, sagt Flasbarth - genau wie eine gute Vernetzung mit den internationalen Kollegen. Die hat der deutsche Staatssekretär, er gilt als exzellenter Netzwerker.

Enid Blyton und die Fünf Freunde

Dass Jochen Flasbarth mal irgendwas mit Umwelt und Naturschutz machen würde, war schon früh klar. Wegen Enid Blyton und den Fünf Freunden: "Da gab's in einem Buch den Jack, der war Ornithologe, also Vogelkundler, und da habe ich gedacht, das will ich auch. Das war mit zehn und dann hat meine Tante mir ein Fernglas geschenkt und meine Eltern ein Vogelbestimmungsbuch und irgendwie ist es von da aus in die Richtung gegangen."

Der junge Flasbarth studiert dann aber doch nicht Biologie, sondern Volkswirtschaft - eine Podiumsdiskussion ändert seine Pläne. Dabei ging es um das Stahl-Unternehmen Krupp in seinem Heimatort Duisburg-Rheinhausen, das Schlacke-Abfälle in die Natur kippen wollte: "Auf dieser Diskussion war ich gnadenlos unterlegen, obwohl ich meinte, ich hätte die besseren Argumente. Aber die wirtschaftlichen Argumente waren so erdrückend und ich hatte denen nichts entgegenzusetzen. Und da habe ich gedacht: Jetzt studierst Du Volkswirtschaft, das lässt Du Dir nicht nochmal bieten."

Karriere im Umweltschutz

Flasbarth macht im Umweltschutz Karriere, ist lange Chef des Naturschutzbundes NABU, 2003 holt ihn der Grüne Jürgen Tritten ins Umweltministerium: "Nachdem ich zu dem Zeitpunkt zehn Jahre NABU-Präsident war, habe ich gedacht, es ist vielleicht auch ganz gut, nicht immer nur zu fordern, sondern auch mal zu machen." Das mit dem Machen bekommt die Bundesregierung allerdings nicht immer so hin, wie Flasbarth sich das wünschen würde. Die Klimaziele für 2020 zum Beispiel werden nicht eingehalten und einen Plan für den Kohleausstieg, der eine Blaupause für andere Länder hätte sein können, hat die Bundesregierung vor Kattowitz auch nicht mehr hinbekommen.

Zitat
„Wir müssen einfach unseren Job machen, den müssen wir gut machen, da werden wir auch als Deutsche und als Europäer gefordert sein, dass wir helfen, eine Lösung zu finden. Und wenn wir das gut gemacht haben, dann kann man auch lächeln.“ Zitat von Jochen Flasbarth
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Der ehemalige Klima-Vorreiter Deutschland schwächelt - Häme habe er deshalb aber noch nie gehört, sagt Jochen Flasbarth. Die internationalen Kollegen seien da ziemlich gnädig mit Deutschland: "Es ist ja ein Unterschied, ob man sagt: Naja, wir verfehlen unsere Ziele, ist egal. Oder ob man erkennt, dass man das als Niederlage empfindet - ich empfinde das jedenfalls so. Das macht einen Unterschied, ob es eine Egal-Haltung ist oder ob man engagiert nach vorne guckt und sagt, wir wollen das aber in jedem Fall hinbekommen und ich bin auch davon überzeugt, wir werden das hinbekommen."

Nach Kattowitz fährt der deutsche Staatssekretär mit recht viel Optimismus, aber - das weiß er schon vorab - so historisch und ergreifend wie vor drei Jahren in Paris wird's am Ende garantiert nicht: "Wir müssen einfach unseren Job machen, den müssen wir gut machen, da werden wir auch als Deutsche und als Europäer gefordert sein, das wir helfen, eine Lösung zu finden. Und wenn wir das gut gemacht haben, dann kann man auch lächeln."

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 30.11.2018, 19.35 Uhr

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