Jochen Hartmann
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Vögel, Insekten und Wildkräuter sind seltener werdende Gäste auf deutschen Agrarflächen. Die konventionelle Landwirtschaft gilt als einer der Gründe dafür. Jochen Hartmann sucht nach Wegen, das zu ändern.

Die Feldlerche singt über dem Kartoffelacker von Bauer Hartmann. Der lächelt, ziegt aber nicht auf die ordentlichen Reihen mit den grünen Blättern der Kartoffelpflanzen, sondern auf einen wild blühenden Streifen zwischen Weg und Feld. Kamille, Schafsgerbe und Rotklee wachsen dort.

Der Landwirt hat das jetzt zwei Jahre und ist "echt begeistert: Man kann sehen, dass da offene Stellen sind, einfach karge, offene Stellen, und das sind Nistmöglichkeiten für die Wildbiene." Ein Stückchen Paradies also für Hummeln, Bienen und Käfer.

Damit die duftenden Wildkräuter hier auch gut wachsen, hat Jochen Hartmann den nährstoffreichen Oberboden abgetragen und eine Fläche mit sandigem, mageren Boden geschaffen. Den mag die nach Honig duftende Schafsgarbe oder die Kamille mit den gelb-weißen Blüten.

"Wollen Landwirtschaft besser machen"

Noch vor drei Jahren hat der Landwirt den Streifen Land am Feldrand ordentlich kurz gehalten. Sein Vater hat das auch schon so gemacht, der Großvater auch. Aber seitdem Jochen Hartmann mitmacht bei dem großen Feldversuch zum Artenschutz - dem Projekt F.R.A.N.Z. -, denkt er anders.

Weitere Informationen

Artenschutzprojekt F.R.A.N.Z.

"Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft": Dafür steht die Abkürzung F.R.A.N.Z.. Das Projekt, an dem zehn landwirtschaftliche Betriebe teilnehmen, hat sich zum Ziel gesetzt, Maßnahmen zu entwickeln und zu erproben, die die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft erhalten und erhöhen. Mittel- und langfristig sollen die Naturschutzmaßnahmen auch auf andere Betriebe übertragen werden. Unterstützt wird F.R.A.N.Z. von der Umweltstiftung Michael Otto und vom Deutschen Bauernverband. Mehr Informationen finden Sie hier.

Ende der weiteren Informationen

Es sei eine Herzensangelegenheit und er wolle wirklich, dass das ein Erfolg wird: "Dass wir sagen können: So und so können wir die Landwirtschaft einfach besser machen." Und das ist auch so, sagt er: "Wir haben hier eine Direktvermarktung, und diese Wertschätzung der Kunden, dass einfach Kunden auf den Hof kommen und sagen 'Danke, dass es Sie gibt' - da bin ich als Landwirt immer bereit, zwei, drei Schritte mehr zu gehen als ich muss."

Viel Zustimmung von Kunden

In dem kleinen Hoflädchen der Hartmanns, wo sie Kartoffeln, Marmelade und Eier verkaufen, gibt es viel Zustimmung von den Kunden. Sie unterstützen den Bauern und das Artenschutzprojekt.

"Wir wollen ganz einfach zeigen, wie wir wieder Artenvielfalt in die Agrarlandschaft bekommen", sagt Hartmann über sein Engagement im Projekt. Zehn Landwirte sind sie insgesamt, seit gut zwei Jahren läuft der große Feldversuch schon angelegt ist er auf zehn Jahre.

Kann es gelingen wieder mehr Biodiversität, Insekten, Wildkräuter, Feldhasen, Vögel auf die Agrarflächen zu bringen? Es gibt schon jetzt mehr Feldvögel und mehr Wildkräuter auf dem Land der Bauern, die bei F.R.A.N.Z. mitmachen. Jochen Hartmann sieht mehr Schmetterlinge und Käfer.

Viele kleine Maßnahmen

Mitten im Getreide hat er eine Feldvogelinsel freigemacht, eine Fläche von 40 mal 40 Metern, auf die er im Frühling Erbsen gesät hat. Die Erbsen würden nicht so dicht im Bestand und die Feldlerche könne "schön darin landen und die Küken schön dran fressen", erzählt Hartmann.

Es sind viele vermeintlich kleine Maßnahmen, die mehr Leben auf Hartmanns Land möglich machen. Der Bauer ist sehr nachdenklich geworden, was den Einsatz von Pflanzen- und Insektengiften angeht.

Er spritzt weniger als früher - nur noch, wenn es gar nicht anders geht. Er achtet darauf, dabei seine blühenden Kräuter nicht zu schädigen. Jochen Hartmann ist davon überzeugt, dass sich die konventionelle Landwirtschaft nachhaltig verändern muss. Er ist froh, den ersten Schritt gemacht zu haben. 

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