Johnny Haeusler
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Johnny Haeusler hat die Internet-Konferenz re:publica mitbegründet. Im Interview erzählt er, wann auch er genug vom Netz hat und warum er doch immer wieder dorthin zurückkehrt.

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Vor etwa einer Woche sei er wirklich "drauf und dran" gewesen und habe gedacht: "Ich meld' mich jetzt bei Twitter ab, ich lösch' das alles und das ist mir jetzt alles egal." So eine Aussage von Johnny Haeusler, dem Mitbegründer der re:publica? Die gute Nachricht ist: Der Mann, der für seinen Blog "Spreeblick" mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde und als eine der einflussreichsten Personen in der deutschen digitalen Gesellschaft gilt, bleibt online. Haeusler macht nicht den Habeck. 

Doch es gibt vieles, was ihn stört. Vor allem: das Aufregungspotenzial. "Das Problem ist, dass jetzt alle immer den Eindruck haben, 'Ich muss jetzt auch noch was dazu sagen', beziehungsweise 'Ich muss vor allem immer einen draufsetzen'. Dann passieren diese Empörungsspiralen, jeder muss natürlich noch mal ekeliger und noch mal ätzender draufhauen. Oder noch witziger sein und ist es dann aber gar nicht. Und wenn man das so in der Masse konsumiert, ist das wirklich anstrengend."

Spaß an sozialen Netzwerken vergeht immer öfter

Und dann vergeht auch ihm, der 1964 als Jörg Haeusler in Berlin geboren wurde, die Lust am Netz. Aber Resignieren ist seine Sache nicht. 2016 etablierte er zusammen mit seiner Frau Tanja ein Festival für digitale Jugendkultur neben der re:publica in Berlin: die Tincon. "Wir wollen Menschen zwischen 13 und 21 Jahren Mut machen, die vernetzte Gesellschaft aktiv mitzugestalten", so steht es auf der Online-Seite der Tincon, die wie die re:publica vom 6. bis 6.bis 8. Mai in Berlin stattfindet. Haeuslers Gedanke dahinter ist, dass "die Menschen, die noch so viel Zukunft vor sich haben in diesem Land, viel besser gehört werden müssen." Das sei der Grund für die Tincon: "Dass wir Bühnen bauen, um jungen Leuten, die was zu sagen haben, diese Bühnen zu bieten und versuchen, da fruchtbare Vernetzungen herzustellen."

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Was ist die re:publica?

Die re:publica ist eine Konferenz rund um das Web 2.0, speziell Weblogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Der Name leitet sich von res publica (übersetzt: öffentliche Sache) ab. Die re:publica wird seit 2007 jährlich in Berlin veranstaltet. Gefördert wird sie durch das Medienboard Berlin-Brandenburg und die Bundeszentrale für politische Bildung.

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Und so wird es bei der Tincon ein 'Frag die Ministerin' mit Franziska Giffey geben, die als Bundesministerin nicht nur für Familie, Senioren und Frauen, sondern auch für die Jugend zuständig ist. Außerdem ist  die junge Umweltaktivistin Luisa Neubauer da, eine der Mitorganisatorinnen der deutschen 'Fridays vor Future'–Bewegung. Nur zwei Events von vielen, bei denen es natürlich auch um Spaß und Unterhaltung, Jobs und Trends gehen wird.

Hoffnung, dass das Netz verbindet und nicht trennt

Die Tincon ist für den re:publica-Mitbegründer derzeit das wichtigste Projekt - und gleichzeitig eines von vielen im Leben des Berliners: Er hatte schon eine Web-Agentur und einen erfolgreichen Blog. Seine wildesten Jahre verlebte Johnny Haeusler als Punk-Rocker in den 1980er Jahren. Plan B hieß die Band. Die Jungs waren deutsch und sangen englische Texte. Deutscher Punk mit englischen Texten? Das funktioniert nicht, wurde ihnen damals gesagt. Und doch war die Band erfolgreich, spielte als Vorgruppe der Ramones und tourte durch die USA.

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Eine Besucherin aus München schaut sich bei der Internetkonferenz "re:publica 2018" Virtual-Reality-Kurzfilme an. Bild © picture-alliance/dpa

Aus dieser Zeit hat Haeusler viel mitgenommen: "Dass wir immer gesagt haben: 'Geht nicht, das akzeptieren wir nicht als Antwort.'" Punk-Rock bedeute für ihn, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, eine Haltung zu haben und zu dem zu stehen, was man ist. Das habe sich bis heute nicht geändert. Es sind auch die eigenen Erfahrungen, die ihn heute immer noch optimistisch auf die digitale Gesellschaft schauen lassen. Ihn hoffen lassen, dass das Netz tatsächlich die Menschen verbinden kann und nicht durch Hass und Lüge trennt. Mit den Konferenzen re:publica und Tincon will Haeusler auch dazu beitragen. Für ihn gehört das tatsächliche, physische Treffen und der direkte Austausch unbedingt auch zum Dialog einer vernetzen  Gesellschaft. 

Sendung: hr-iNFO, 03.05.2019, 19.30 Uhr

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