Jonathan Linker, Journalist

hr-iNFO widmet sich im Rahmen der ARD-Themenwoche "Wie leben?" dem Landleben in Hessen. Denn seit einigen Jahren ist ein Trend raus aufs Land zu beobachten. Auch Jonathan Linker hat so für sich und seine Familie entschieden – und es nicht bereut.

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Jonathan Linker, Journalist
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Jonathan Linker lebt mitten im Grünen, auf einem Aussiedlerhof in Homberg/Efze (Schwalm-Eder-Kreis), zu dem nur eine geschotterte Stichstraße führt. Hierhin zog es ihn zurück: "Ich bin hier aufgewachsen und bin hier sehr stark von Natur geprägt worden. Wir sind ja hier in einer exponierten Lage, rundherum sind nur Wiesen, Felder und Wälder. Und das ist etwas, bei dem ich mit der Zeit gemerkt habe, dass ich davon nicht lassen kann", sagt der Journalist im Gespräch mit hr-iNFO.

An der Digitalisierung hapert's noch


Linkers Mutter war in den 80er Jahren mit ihrer Studenten-WG auf den Hof gezogen. Damals waren die Bedingungen deutlich härter, denn es gab nicht einmal Strom, sodass Linker seine Modelleisenbahn mit Akkus betreiben musste. Und die waren schnell leer. Heute sieht das schon besser aus.

Nach der Renovierung gibt es alle Annehmlichkeiten, die man braucht, wobei es beim Internet regelmäßig hakt. Und das ist auch eines der Probleme, die Linker beim Leben auf dem Land sieht: Hier müsste die Digitalisierung seiner Ansicht nach schneller vorankommen. Weil der Bedarf im ländlichen Raum eigentlich höher sei als in der Stadt, wo die Wege ohnehin kürzer seien und die Angebote näher beieinander lägen.

Honig aus der Stadt, Smartphone vom Land

Linker ist von Haus aus Journalist und bestreitet seinen Lebensunterhalt in erster Linie mit Kommunikation. Seine Kenntnisse setzt er auch dafür ein, dass der ländliche Raum ein besseres Image bekommt. Oder zumindest ein realistischeres, das weder die Nachteile betont, noch die Vorteile idealisiert. Denn er nimmt wahr, "dass eine Lücke klafft zwischen Stadt und Land. Und wie versöhnlich es wäre, wenn wir Stadt und Land mehr in Balance bringen würden." Denn letztlich sieht er die Lebensqualität in beiden Lebensräumen bedroht, "auf dem Land durch Leere und die Lebensqualität in der Stadt ist bedroht durch Enge".

Aber er bemerkt auch, dass sich die Verhältnisse manchmal umkehren: "Der beste Honig - jetzt etwas überspitzt - kommt aus Frankfurt, aber eins der innovativsten Smartphones der Welt aus einem nordhessischen Dorf." Nämlich aus der Nachbarschaft. Linker hat das Netzwerk "Homeberger" gegründet, in dem sich Menschen zusammenfinden, die rund um Homberg herum leben und arbeiten. Und die sich für eine nachhaltige Entwicklung ihrer Heimat einsetzen wollen.

Landleben zum Austesten

Seine Homeberger wollen zeigen, welche Vielfalt es auf dem Land gibt. Zum Beispiel ein Bildhauer-Paar, das einen Skulpturenpark aufbaut oder zwei Brüder, die faire Smartphones herstellen, außerdem ein Landwirt, der jedes Jahr ein Musikfestival organisiert oder ein Meisterkoch, der einen Premium-Campingplatz betreibt oder eben auch ein Schauspielerpaar, das Bio-Kräuter anbaut. Eine bunte Mischung von Menschen, die das Leben auf dem Land verbindet und denen die Zukunft dieses Landes am Herzen liegt.

Zukunft bedeutet auch, dass junge Menschen auf dem Land bleiben. Oder hinziehen. Zum Beispiel beim Summer of Pioneers. Linker leitet das Projekt, bei dem im kommenden Jahr digital arbeitende Städter das Landleben in Homberg testen können. Und gleichzeitig unter Beweis stellen, dass man dort gut arbeiten kann, wenn die digitale Infrastruktur vorhanden ist. Dafür entsteht auf dem Marktplatz von Homberg ein Coworking Space in einem noch leerstehenden Fachwerkhaus. So können die Pioniere auch gleich dabei helfen, die Altstadt von Homberg zu revitalisieren.

Den Blick weiten

Wenn er an seine zwei kleinen Söhne denkt, ist für Jonathan Linker aber auch klar, dass sie vermutlich irgendwann - genau wie er - das Land verlassen werden. "Die sollen bitte natürlich auch raus gehen, weil ich glaube, wenn man nicht rausgeht, kann man auch nicht mit einem anderen Blick zurückkommen." So wie Jonathan Linker es getan hat.

Sendung: hr-iNFO, Das Interview, 19.11.2020, 19.35 Uhr

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