Dirk Laabs

Sie haben geheime Waffenlager und Todeslisten mit den Namen ihrer politischen Gegner: Rechtsextreme, die sich auf die Übernahme der Macht in Deutschland vorbereiten - am Tag X. Viele von ihnen stammen aus Spezialeinheiten von Bundeswehr und Polizei, wie Recherchen des Journalisten Dirk Laabs zeigen. Er warnt davor, immer wieder denselben Fehler zu machen.

"Staatsfeinde in Uniform" nennt der Hamburger Autor und Filmemacher Dirk Laabs Rechtsextreme, die dabei sind, Bundeswehr, Polizei und Geheimdienste zu unterwandern. Seit Jahren recherchiert Laabs in der rechten Szene. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er durch seine Beschäftigung mit dem Terror-Trio des NSU bekannt.

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Damals sei er immer wieder gefragt worden, warum die Behörden die Entstehung dieser Terrorzelle zugelassen haben, erinnert sich Laabs. Gab es da etwa auch geheime Sympathien bei den Sicherheitsorganen für den rechten Terror? Die Frage hat Laabs nicht losgelassen, jetzt präsentiert er die Ergebnisse seiner Recherchen in einem neuen Buch. "Das ist schon beängstigend, was man da zutage fördert", sagt er.

Corona-Krise als "Tag X"

Immer wieder geht es dabei um den "Tag X" - ein "altes Konzept aus der rechten Szene", wie Laabs sagt. Dort warte man auf eine Situation, in der der Staat durch eine Krise so geschwächt sei, dass man losschlagen könne. Auch die Corona-Krise werde in rechten Kreisen als eine solche Gelegenheit gesehen.

Weitere Informationen

Buchtipp

"Staatsfeinde in Uniform - Wie militante Rechte unsere Institutionen unterwandern"
Von Dirk Laabs, Econ-Verlag, 448 Seiten, 24 Euro

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Laabs scheut bei seinen Recherchen den Kontakt mit den rechten Verschwörern nicht: "Unvoreingenommen und ohne Angst" gehe er in Gespräche mit ihnen, er wolle ja "die Psychologie dieser Leute verstehen". Natürlich müsse er deren Berichte kritisch überprüfen, aber einige Rechtsextreme würden ganz offen über ihre Pläne berichten. "Das ist auch nicht untypisch für Extremisten, dass man eher stolz darauf ist, was man getan hat." Unverständlich findet der Autor, dass für solche offensichtlichen Terror-Vorbereitungen von Gerichten bisher nur Bewährungsstrafen verhängt wurden.

"Nicht immer denselben Fehler machen"

Dirk Laabs warnt davor, "immer wieder denselben Fehler zu machen": Bei den Attentätern von Oslo, Christchurch oder Hanau hätte man vor ihrer Tat den Eindruck bekommen können, es handele sich "nur um Spinner". Doch die Erfahrung zeige, dass man sie "als terroristische Gefahr ernst nehmen" müsse. Erst viel zu spät habe Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer eine Kompanie des Kommandos Spezialkräfte der Bundeswehr wegen rechtsextremer Umtriebe aufgelöst.

Das Problem betreffe auch nicht nur einzelne Einheiten oder nur die untere Ebene, warnt Laabs. "Wir müssen auch über die Offiziere reden, die das alles möglich gemacht und zugelassen haben." In den Sicherheitsbehörden müsse sich die Kultur ändern, es müsse "klar sein, dass Whistleblower und interne Kritiker geschützt werden."

Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 3.2.2021, 21:35 Uhr

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