Kate Connolly

Die Deutschland-Korrespondentin des Guardian hat ihre Konsequenz aus dem Brexit schon gezogen: Sie hat die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen. Wie blickt sie auf die aktuellen Ereignisse in ihrer alten Heimat?

Dass Kate Connolly zum Interview mit einer Kanne Tee erscheint, überrascht nicht. Schließlich hat die Deutschland-Korrespondentin des Guardian sich viel von ihrer "Britishness" bewahrt - obwohl sie nach dem Brexit-Votum ihrer Landsleute inzwischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

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Aber die einfache Formel "Engländerin = Tee" stimmt nicht. Eigentlich trinkt die 47 Jahre alte Journalistin lieber Kaffee, den Tee hat sie dabei, weil ihre Stimme angeschlagen ist. Da ist zum einen die Erkältung, da sind aber auch die unzähligen Interviews, die sie derzeit gibt. Denn sie hat ein spannendes Buch zur richtigen Zeit geschrieben: "Exit Brexit – Wie ich Deutsche wurde".

Im Sommer 2016 hätte Kate Connolly nie erwartet, dass ihre Landsleute tatsächlich für den Austritt stimmen. "Das war ein Riesen-Schock für mich. Erst mal hab ich versucht, das zu verdauen, war tieftraurig, ich würde sogar sagen deprimiert. Das war so, als ob man verdauen müsste, dass eine Freundin oder Freund gestorben wäre."

"Großbritannien trauert immer noch dem großen Empire nach"

Als überzeugte Europäerin wollte sie bei dem Austritt aus Europa nicht mitmachen. Auch weil sie einen deutschen Mann geheiratet und mit ihm eine Familie gegründet hat: "Wenn man die Geschichte des 20. Jahrhunderts kennt – das hat ein Menschenrechts-Anwalt zu mir gesagt – kann man nie genug Pässe haben." Sie habe das Gefühl gehabt, alles bräche auseinander und sich gefragt: Was ist jetzt? Was wäre, wenn es doch zu irgendeiner Auseinandersetzung kommt oder noch zu etwas Schlimmerem? Dann wollte sie "lieber den gleichen Pass wie mein Mann und meine Kinder", sagt Connolly.

Ihre Wurzel sind in England, aber Potsdam – mitten in Europa - ist inzwischen ihre Heimat. Großbritannien sieht Kate Connolly als ein Land, das noch immer dem verlorenen, großen Empire nachtrauert und derzeit allzu sehr auf sich und seine ruhmreiche Geschichte schaut: "Die Briten hatten immer das Gefühl 'Wir sind die besten, wir haben moralisch die Oberhand, weil wir die Nazis geschlagen haben. Und dann gucken wir in unsere glorreiche Geschichte und wollen das jetzt wieder erleben.' Ich denke, das spielt in der Brexit-Debatte eine große Rolle."

Zwei Parallelwelten

Auf der Insel beobachtet die Journalistin viel Nostalgie, den Wunsch etwas wiederzubeleben aus der großen Vergangenheit. Sie kenne ihr Land als eins, das immer für ein Abenteuer gut sei. "Wir gehen raus in die Welt. Aber jetzt hab ich das Gefühl, dieses Inselvolk, das immer so rausgegangen ist, möchte jetzt ein bisschen Zeit haben, um in sich zu gehen." Wenn man in Deutschland über 'die Insulaner' gesprochen habe, habe sie das "immer ein bisschen negativ betrachtet. Und jetzt denke ich, das passt ziemlich gut."    

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„Meine größte Angst ist die um Irland. Wenn es wirklich zu einem ungeregelten Brexit kommt, dann wird das katastrophal für Irland sein.“ Zitat von Kate Connolly
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Entsprechend pessimistisch ist die Journalistin, was die gemeinsame Zukunft von Europäischer Union und Großbritannien angeht: "Ich habe das Gefühl, das sind zwei Parallelwelten - das, was die EU sagt und das, was in Großbritannien geäußert wird." In Großbritannien habe man das Gefühl, dass es kein Verständnis gibt in Brüssel. Viele würden die EU als stur empfinden. Gefühlt würden die Verhandlungen für viele Briten nur von Deutschen geführt – selbst Juncker gelte als Deutscher. Und das sei auch ein Problem: "Die Wahrheit nicht sehen wollen. Meine größte Angst ist die um Irland. Wenn es wirklich zu einem ungeregelten Brexit kommt, dann wird das katastrophal für Irland sein."

 Sendung: hr-iNFO, 1.2.2019, 19:35 Uhr

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