Konrad Greilich

Es ist eigentlich eine ganz normale Liebesgeschichte: Im Auslandssemester lernt Konrad Greilich über eine Dating-App seine Freundin kennen - und entschließt sich, der Liebe wegen umzuziehen. Nach Tel Aviv. Ein Gespräch über Verantwortung, das Leben in Israel und die Liebe.

Die geschichtliche Dimension, so erlebt der Konrad Greilich es, seit er in Israel lebt, schwingt immer mit: "Der Holocaust ist da ein Thema, das immer eine Rolle spielt." Zwar nicht alltäglich, aber wenn man sich besser kennenlerne, werde er schon häufig gefragt, wie das so sei, als Deutscher in Israel. Und auch zwischen Vered und ihm war seine Herkunft schon Thema, "als es um die Frage ging, wie werde ich ihren Eltern vorgestellt."

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Das Interview mit Konrad Greilich

Konrad Greilich
Ende des Audiobeitrags

Als Deutscher in Israel, das bedeute natürlich eine besondere Verantwortung. Die habe er aber auch schon gespürt, bevor er nach Israel ging: "Die Verantwortung tragen wir ja als Deutsche alle, ganz unabhängig davon, wo wir leben."

Nur wenige Schritte bis zum Schutzraum

Aber vieles ist in Tel Aviv auch sehr anders als in Deutschland. Ganz besonders in den vergangenen Tagen, in denen die Hamas Raketen aus dem Gazasteifen auf Israel abfeuerte. Wenn die Warnsirenen erklingen, bleiben der Bevölkerung in Tel Aviv nur knapp eineinhalb Minuten, um in einem Bunker oder Schutzraum Unterschlupf zu suchen. Das sei schon ein "ganz mulmiges Gefühl. Gleichzeitig fühle ich mich hier extrem selten wirklich unsicher." Schließlich seien die Raketen in Tel Aviv alle vom israelischen Raketenabwehrsystem Iron Dome abgefangen worden.  

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Warum fällt es in Deutschland schwer, über den Nahost-Konflikt zu sprechen?

Jerusalem auf einem Fernseher, dahinter die Deutschland-Flagge
Ende des Audiobeitrags

Außerdem habe er es ja nicht weit. Aus dem heimischen Arbeitszimmer in den Schutzraum sind es nur ein paar Schritte. Hier sind die Wände verstärkt, vor das Fenster kommt eine dicke Metallplatte, um vor splitterndem Glas zu schützen. So ein eingebauter Schutzraum werde in neuen Gebäuden in der Stadt immer normaler. 

"Manchmal spürt man den Knall"

Dass es auch dramatischer sein kann, erlebte Konrad Greilich, als er bei einem Besuch bei Freunden einen öffentlichen Schutzraum aufsuchen musste. "Mir gegenüber stand ein 12-, 13-jähriger Junge, der am ganzen Körper gezittert hat." Jedes Mal, wenn der Iron Dome Raketen abfängt, wird begleitet von einem lauten Knall. Manchmal spüre man den sogar.  

Dieses Bild des zitternden Jungen begleitet ihn, aber auch das von zwei Müttern mit Babys auf dem Arm. "Dann überlegt man sich, wie sieht das für ähnliche Situationen weiter im Süden von Israel oder in Gaza aus?" Natürlich habe er auch schon mal darüber nachgedacht, wieder nach Deutschland zurück zu ziehen. Bisher sind die Argumente dagegen aber stärker: "Die Liebe zu Vered, aber auch die Liebe zur Stadt Tel Aviv und der Reiz des Landes."

Weitere Informationen

Das Interview führte Mariela Milkowa.

Ende der weiteren Informationen

 Sendung: hr-iNFO "Das Interview", 22.5.2021, 10:05 Uhr

Jetzt im Programm