Kristina Sinemus

Sie ist Staatsministerin geworden, weil sie vorankommen will beim Thema Digitalisierung, und nicht, um die Karriereleiter zu besteigen, sagt Sinemus. Der politische Betrieb ist für die ehemalige Unternehmerin und Professorin Neuland - und manchmal noch ein wenig irritierend.

Kristina Sinemus hat beruflich schon viel gesehen: Zuletzt war sie Unternehmerin, Professorin an einer privaten Hochschule in Berlin und Präsidentin der IHK Darmstadt. Sie gilt als gut vernetzt in Politik und Wirtschaft, der politische Betrieb an sich ist jedoch Neuland für sie.

Audiobeitrag

Podcast

Zum Artikel Das Interview mit Kristina Sinemus

Das Interview Symbolbild
Ende des Audiobeitrags

Dass sie keiner Partei angehört, ist kein Problem für die 55-Jährige: "Ich kenne alle, die da sitzen, aus anderen Sachzusammenhängen." Sinemus geht ihre Aufgabe als Staatsministerin, die sie im Januar 2019 übernommen hat, positiv an, doch leicht gemacht wird es ihr nicht: Dass die Landesregierung in den Augen vieler Kritiker zu wenig getan hat für den Ausbau der digitalen Infrastruktur oder die digitale Bildung und Wirtschaft, scheint Sinemus jetzt ausbaden zu müssen.

"Irritiert ob des Oppositionsgehabes"

Bei einer Debatte kürzlich im Hessischen Landtag sagte FDP-Fraktionschef Rene Rock, es gebe "einfach kein Digitalisierungs-Ministerium. Es gibt im Frühstückskabinett des Ministerpräsidenten eine Staatsministerstelle mehr, da sind es jetzt drei. Sie ist eine bessere Abteilungsleiterin in der Staatskanzlei."

Frühstückskabinett, bessere Abteilungsleiterin, sogar als PR-Gag wurde Sinemus bezeichnet. Diesen Umgang mit ihr beschreibt Sinemus höflich als "unangemessen: Da war ich irritiert ob dieses Oppositionsgehabes. Da muss ich mich erst mal einfinden, ob Opposition tatsächlich unter der Gürtellinie sein muss."

Dringendste Aufgabe: Breitbandausbau

Ob Kristina Sinemus Zeit haben wird, diese Frage zu beantworten, bleibt abzuwarten. Denn sie hat viel vor: Dringendste Aufgabe dürfte sein, das Internet in Hessen auf höhere Geschwindigkeit zu bekommen. Denn hier hapert es vielerorts noch, wie Tobias Eckert von der SPD sagt: "Der ländliche Raum hat im Vergleich zum Ballungsraum noch große Probleme, was das Breitbandnetz insgesamt angeht, aber auch was den Mobilfunk angeht. Auch dort klafft Stadt und Land noch weit auseinander."

Breitband-Ausbau unterstützen, gleichzeitig die Gegenden mit schlechter Internet-Abdeckung auch über Mobilfunk versorgen - darum will sich die Ministerin jetzt kümmern. Wobei sie an sich den Bund stärker in der Verantwortung gesehen hätte: "Hätte ich das selber vor ein paar Jahren entschieden, hätte ich es nicht so entschieden, dass es in den Ländern vorangebracht wird. Sondern ich hätte es auf Bundesebene als ein Thema der Daseinsvorsorge geregelt."

Jetzt muss Sinemus das Ruder in die Hand nehmen. Und das tut die Mutter von zwei Töchtern durchaus mit Stolz: "Ich mache Aufbauarbeit, weil  ich an dem Vorankommen dieses Themas und dieses Landes interessiert bin. Nicht, um eine politische Karriereleiter zu besteigen."

Jetzt im Programm